Ein Mann sieht rot


‘Vigilante, city style -- Judge, Jury, and Executioner’


Originaltitel: Death Wish (1974)
Regie: Michael Winner Drehbuch: Brian Garfield & Wendell Mayes
Darsteller: Charles Bronson, Hope Lange, Vincent Gardenia FSK: 18


Das isse also, die Mutter aller Rache-Actioner. Das Große Vorbild für den ganzen Selbstjustiz-Mist, der hinterher kam. Und wie isses?
Schrecklich isses. Hier geht es schließlich um einen Mann, der Ballermänner sprechen lässt, um den schmerzlichen Verlust seiner Frau und die Vergewaltigung seiner Tochter zu rächen. Die eigentliche Tat bricht schon nach wenigen Minuten über den Zuschauer herein. Mit gnadenloser Härte und kaum ertragbarer Brutalität. Das Konzept wurde in etlichen Nachahmern Strich für Strich kopiert und ist so verabscheuungswürdig, wie der Film drumherum spannend ist.

Charlie schießt ...
Werden in punkto Täterschaft zu Beginn noch Erinnerungen an Peckinpahs ’Straw Dogs’ und Kubricks ’Clockwork Orange’ wach, merkt man bald, dass der Hase hier ganz anders läuft. Es wird kein Schwerpunkt auf die Verbrecher (u.a. ein sehr junger Jeff Goldblum) gelegt. Die Story folgt Architekt Paul Kersey (Charles Bronson) ins ’geschäftliche Exil’ nach Tuscon, Arizona, wo er sowohl das Business, als auch seine innere Ordung in Schwung bringt, während seine Tochter im New Yorker Krankenhaus beinahe katatonisch dahin siecht. Daran hat sich auch nichts geändert, als Paul in seine Heimatstadt zurückkehrt. Was sich allerdings geändert hat, ist seine Einstellung gegenüber Waffen, deren Gebrauch er in Cowboy-Country unter Einfluß der Shoot-em-up-Mentalität üben konnte. Im Big Apple kommt es schließlich, wie es kommen muss: Paul gerät, erst zufällig, später bereitwillig in den Dunstkreis krimineller Objekte, die seinen Trigger-Finger immer häufiger zum Zucken bringen…

... das Böse stirbt.
Eine Werbefilm für die N.R.A.? Ein Hochgesang auf die Selbstjustiz? Ein weiterer filmischer Gewaltseufzer aus der Großstadt New York? ’Death Wish’ ist von jedem ein bisschen und ein bisschen mehr. Erbarmungslos, brutal, pessimistisch. Zynisch? Im Gegensatz zu seinen lächerlichen Nachfolgern kaum. Aber fragwürdig genug, um einen Sturm mit dem Kopfschütteln zu entfachen.
Das fängt bei Bronsons nicht vorhandener emotionaler Reaktion auf die furchtbaren Geschehnisse an, geht über die beinahe unerträgliche Musik von Herbie Hancock (’Action Jackson’) hinaus und hört bei der völlig spinnerten Reaktion der Polizei auf Kerseys ’Vigilantism’ auf.
Regisseur Michael Winner (auch ’Death Wish 2 und 3’) inszeniert seinen Lieblingsschauspieler (’Chatos Land’) als wortkargen, gefühlsarmen Frührentner, rüstig im Umgang mit dem Six-Shooter. Und er knallt sie alle ab, wenn sie ihm erst einmal mit dummem Spruch und gezückter Klinge vor die Latichte kommen. Und Bronsons letzte Geste verdeutlicht, was in den Nachfolgern noch alles auf uns zukommen würde. Aber darüber wollen wir vorerst den Mantel des Schweigens breiten.

These punks have a Death Wish, Too!

Zu ’Death Wish’ selbst abschließend nur noch so viel: Meine Abneigung gegen Filme dieser Art und die bereits angesprochene Fragwürdigkeit mal beiseite gelassen, bleibt ein handwerklich versierter, schnörkelloser Rache-Thriller, der seine Fans gefunden hat und auch in Zukunft finden wird.


Hudson