Mutant City

aka

Death Run



Originaltitel: Death Run (1987) Regie & Drehbuch: Michael J. Murphy
Darsteller: Rob Bartlett, Debbi Stevens, Eddie Kirby FSK: 18


Willkommen zur Endzeit, british style.

Machete schwingende Grützkopfmutanten, Minipli-Miezen in Pornogeschirr, Vokuhila-Raider in Lederlappen und mittendrin zwei unschuldige Kids, Jenny und Paul, die von der Mutter des Burschen durch die Zeit mittels Kryoschlaf in die Zukunft geschickt werden. Warum? Fragt mal Regisseur und Autor Michael J. Murphy, der in den Achtzigern den britischen Genre-Untergrund mit Trash-Krawall wie ‘Invitation to Hell’ aufmischte.

“Believe it or not, we were suspended in time until only a few days ago.“
“Oh shit, you should have never woken up.“

Zuviel Wildschweinbraten
mit Pferfferminzsoße...
So isses nun mal und in dieser rauhen, unwirtlichen aber dennoch grün blühenden Zukunft angekommen, müssen sich die beiden bald mit ortsansässigen Damen und Herren aus Zeile zwei herumschlagen. Diese haben sich unter der Herrschaft des tuntigen Oberrüpels ’Messiah’ in Junk City zusammengerottet und der ist immer scharf auf sauberes Fleisch. Nach ein paar unerfreulichen Stunden in der Gefangenschaft dieser wilden Brut, gelingt dem Paar die Flucht mithilfe der Netzstrumpf-Blonine Barbara und einem namenlosen Helden, der gerne volle Pfunde aufs Maul verteilt. Eine weitere Rolle spielt hier der ominöse Death Run, eine Art Running Man, bei dem die Gejagten an einem Kabel von Jägern durch die Pampa gehetzt werden. Allerdings kommt dieses Spiel im Laufe des Filmes nicht wirklich zum Tragen. Entweder das, oder ich habe es vor lauter Lachen nicht mitbekommen.

’Death Run’ (bleiben wir beim Originaltitel, ’Mutant City’ ist bereits vergeben!) ist ein Ultra Low Budget-Reißer im Stile von ’Nymphoid Barbarian in Dinosaur Hell’ oder dem thematisch ähnlichen ’Empire of Ash’ und ist objektiv gesehen unglaublicher Müll. Man beachte hier aber die Formulierung ’objektiv gesehen’, dicht gefolgt von dem Wörtchen ’unglaublich’, denn ’Death Run’ bietet abgefahrene Trash-Unterhaltung mit wahnwitziger Amateur-Action.
Zugegeben, ich fertige ca. 70 % der von mir gesehenen Endzeit-Streifen mit einem ’Same shit, different Film’ ab und schaut man sich das dramaturgische Skelett des vorliegenden Filmes an, trifft diese Bezeichnung auch hier zu. ABER (ja, groß geschrieben!) der Film kommt mit einer derart wahnwitzigen Fuck You-Attitude daher, dass man Murphy, der hier eindeutig den großen und kleinen Vorbildern dieses schon 1987 zu Todes gelatschten Subgenres huldigen will, den Spaß einfach gönnen möchte. Und mit Spaß ist hier eindeutig jeder bei der Sache.

Outdoor Gym-Stammkunde
Es ist ein Ding, für einen Routinier wie Cirio H. Santiago (’Equalizer 2000’) einen P.A.-Streifen nach dem anderen herunterzukurbeln, immer die gleiche Stock Footage und Requisiten aus dem Fundus alter Streifen zu benutzen, nur um einmal mehr den Markt zu überschwämmen und eine ganz andere, für einen Underground-Regisseur wie Murphy, alle Freunde zusammenzutrommeln und in den Backwoods ein solches Projekt mit einer handvoll Dollar zu veranstalten. Und für sein Minimal-Budget ist ’Death Run’ reichlich fantasievoll ausgestattet. Klar sind die Kostüme preiswert zusammengeschustert, aber hier sieht zur Abwechslung einmal nicht einer aus wie der andere, Mutanten punkten mit quallendem Make Up und Gore-Szenen sind übertrieben albern im Geschehen verteilt. Nicht, dass ihr mich falsch versteht: Das alles ist Trash in Reinform, aber mit eindeutig mehr Aufwand und Ideenreichtum gefertigt, als es einem Film dieser Art zusteht.
Erfrischenderweise werden hier zur Abwechslung neben bekannten Synthie-Konversen auch schrammelige Gitarren-Rockereien im Soundtrack verbraten, was sich den absolut irren Bildern nur allzu gut anpassen will, vor allem wenn Trainingsmontagen auf dem Programm stehen (Nahkampftraining mit Aerobicgriffen, Hanteltraining mit Baumstämmen, Killtraining mit Rambomessern etc.) oder der fiese Messiah (der selbstverständlich ein Faible für deutsche Musik und Swastika-Schulterklappen hat) mit seiner Drei-Klauen-Hand an der Protagonistin herum schraubt (die im Laufe des Films übrigens ein unfassbares Schicksal erleidet) und mit heiserer Stimme keucht: “Don’t be alarmed this is a genetic disorder. I am also clean.“

The Death Run - Todesspiel ohne Sinn und Verstand

Bei der Recherche zu ’Death Run’ (der nicht einmal einen Eintrag in der International Movie Datebase hat), fiel mir fast der Affe aus der Flasche, als sich herausstellte, dass Regisseur Michael J. Murphy auch für den supertrashigen ’Avalon of Excalibur’ verantwortlich war. Und Leute: Das passt so dermaßen wie die Faust aufs Auge, wie Brett Piper zu pappigen Stop Motion-Tricks und Don Dohler zu billigen Zeichentrick-FX. ’Death Run’ ist ein Film in genau deren Tradition: Do it yourself, with your buddies and have beer or two. Und genau das sollten Freunde erlesenen Underground-Trashs sich für die ’Death Run’-Sitzung auch als Motto nehmen. Yes, it’s baaad, but the good kind.


PS: Ein kleiner Tip am Rande. Wenn du in der Endzeit bist und jemand bietet dir etwas seltsam Aussehendes zu essen an, mit den Worten “It’s alright. You can eat it. It’s meat.“ sollte euch das nicht beruhigen.


Hudson