Das Ding mit den 2 Köpfen


‘They transplanted a white bigot's head on a soul brother's body!’


Originaltitel: The Thing with Two Heads (1972)
Regie: Lee Frost Drehbuch: Wes Bishop, Lee Frost & James Gordon White
Darsteller: Ray Milland, Roosevelt Grier, Don Marshall FSK: 16


Dr. Kirshner (Ray Milland, ’Der Mann mit den Röntgenaugen’) ist einer der Spezialisten schlechthin, wenn es um Transplantationen geht und er hat es auch verdammt nötig. Mit Lungenkrebs im Endstadium und nur noch ein paar Tagen auf dem Kalender, ist er einer wahnwitzigen Idee verfallen, die er bereits an einem Gorilla erfolgreich getestet hat:

Mahlzeit

Er will seinen Kopf auf den Körper eines anderen Menschen transplantieren (lassen), dort operativ eine Verbindung zum Rückenmark des ’Spenders’ herstellen und nach dreißig Tagen dann dessen Kopf ’entfernen’. Dazu meldet sich natürlich keiner freiwillig. Es sei denn, man initiiert auf die schnelle ein eigenes Callcenter mit Krankenschwestern:

"Mad Scientist-Laboratorien, Schwester Ursula am Apparat!"

Oder fragt mal im örtlichen Gefängnis nach und macht eine kleine, verlockende Durchsage:

“Der Gouverneur macht den zum Tode verurteilten folgendes Angebot. Er gibt einem Todeskandidat die Gelegenheit, seinen Körper für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung zu stellen und so dem Tod durch den elektrischen Stuhl zu entkommen. Zwar endet das geplante wissenschaftliche Experiment nach einer Dauer von 30 Tagen ebenfalls mit dem Tode, aber der Verurteilte hat die Vergünstigung einen Monat länger zu leben und die persönliche Genugtuung, sein Leben zum Wohle der Menschheit und der Wissenschaft geopfert zu haben.“

Ähm…. ICH, ICH! HIER, HIER!

Tja, ähm, Kopf hoch, wa...
Das Angebot wird tatsächlich von einem der Insassen angenommen. Jack Moss ist ein sanfter, afro-amerikanischer Hüne, der behauptet unschuldig zu sein. Die zusätzlichen 30 Tage, so meint er zumindest, kann er gut gebrauchen. Kirshner liegt bereits im Koma, als seine Assistenz-Ärzte einwilligen. Es gibt nur ein kleines Problem: Der Doc ist ein Rassist und nach ihrem Erwachen sind beide alles andere als glücklich. Die Dinge geraten außer Kontrolle, als Moss flieht und versucht, seine Unschuld zu beweisen. Und jetzt hat er sogar zwei Köpfchen dafür…

Wer von euch jetzt ’Geht’s noch?!’ denkt, der hat zwar recht, kann sich aber gleich wieder vom Acker machen. Denn was B-Movie-Honcho Samuel Z. Arkoff (’Earth vs. the Spider’) hier wieder fabriziert hat, ist hanebüchenes Trash-Cinema der Absurditätsstufe Gamma/Epsilon, keineswegs ernst zu nehmen und dementsprechend spaßig.
In der Hauptrolle gibt Ray Milland (ganz ähnlich wie in Frogs’ aus dem selben Jahr) ein exzellent penetrantes Ekel. Und zwar trotzdem er nur als Kopf schräg neben Co-Star Roosevelt Grier (Pams Cousin) agiert. Eine tolle Show, zumal die beiden sich fetzen was das Zeug hält.
Ulkig sieht es natürlich auch aus, wie Milland sich in den XXXXL-Anzug hinter Grier zwängt, was natürlich hin und wieder ganz offensichtlich ist. Trotzdem sind die Effekte (für die u.a. Rick Baker verantwortlich ist) recht gelungen (vor allem der zweiköpfige Gorilla und die Transplantation von Millands Kopf).
Ulkigerweise erwandelt sich der Film nach dem zweiten Drittel in eine unerwartet rasante Verfolgungsjagd zwischen der Polizei und dem Doppelkopf, mit fetziger Funk Musik, waschechten Stunts und ’Blues Brothers’ ähnlichen Autoschrott-Konsequenzen.
Natürlich hat das nichts mit der Story zu tun, aber wen kümmert’s, schließlich setzt die dann rechtzeitig vor dem Finale ein.

"Keine Angst, Baby, Opa is bald eingeschlafen!"

’Das Ding mit zwei Köpfen’ ist einer jener absurden B-Movies, die dank völlig abgefahrener Ideen, flotter Inszenierung und nicht allzu viel Betonung auf Sinn und Verstand der Birne des Zuschauers keine Zeit zum Nachdenken lassen und ihn 90 Minuten lang locker, flockig unterhalten.


Hudson