Das Schlangenmonster



Originaltitel: Scorpion Thunderbolt (1988) Regie & Drehbuch: Godfrey Ho
Darsteller: Richard Harrison, Juliet Chan, Shou-Ping Tsui FSK: ungeprüft


‘Verwirrter Mann mit toter Katze in Baumkrone - verwischt’
Nur, damit ihr wirklich wisst, dass wir es hier mit Kunst zu tun haben.

Neulich lief da dieser Film ’Das Schlangenmonster’ und dann war da dieses Schlangenmonster. Es war groß und dick und schleimig und prankte Menschen um. Es war wohl das Schlangenmonster, denn das andere schwitzige Ding war Richard Harrison aus den Ninja-Filmen von Godfrey Ho, der auch hier Regie führte.
Dann gab es diese Frau, die auf der Straße per Anhalter mitgenommen werden wollte. Als sie obenrum blank gezogen hatte, hielt Richard Harrison auch an, ließ sie einsteigen, gestand ihr “I don't like to see people standing in the rain.“ und ließ sie nach Ankunft erst mal für ihn strippen. Da wo sie hinwollten war wohl ein Stripclub. Wusstet ihr, dass man in den Stripclubs des Hong Kongs der Achtziger Jahre auch mit Stripperinnen vögeln durfte? Und wusstet ihr, dass Richard Harrison auch zu Softporno-Szenen nicht nein sagen konnte? Verbindet beide Informationen und stellt euch jetzt vor, wie das schwitzende, schnurrbärtige Ding mit einer Minipli-Mätresse wilden Sex macht. Aber eigentlich wollte sie ihn umbringen, was Richard (so hieß er auch im Film) schließlich verhindern konnte. Später wollte ihn auch ein Postbote umbringen, der ihn beim Workout (Expander biegen, Liegestütze) störte. Richard erwürgte ihn mit dem Expander.

Killer Workout

Zwischendurch gab es expressionistische Videoclips einer schrägen Trommelmieze mit langen spitzen Fingernägeln. Menschen verwandelten sich in Schlangenmonster, Schlangenmonster verwandelten Menschen in Shish Kebab, Menschen redeten wirres Zeug mit anderen Menschen, Schlangen griffen Autos an und ich versuche immer noch zu versuchen, die Story in einem logischen Zusammenhang zu begreifen. Wenn ich das richtig sehe, standen/lagen/hockten die Stripperin und andere Frauen, die sich in Schlangen oder dicke Schlangenmonster verwandelten, unter dem Bann der expressionistischen Fingernagel-Trommlerin. Ich bitte euch aber, mich nicht darauf festzunageln.

Ich sagte ja, KUNST!

Am Ende vernichtete Richard Harrison einen Ring und damit auch die böse Percussion-Lady. Dabei wurde die Musik von ’Indiana Jones’ gespielt. Godfrey Ho wollte uns damit vielleicht ein Zeichen geben, dass traditionelles Filmemachen immer besser ist, als wildes Improvisieren. Percussion hat verloren, Orchestermusik gewonnen.
Warum er dann für ’Das Schlangenmonster’ wieder zwei völlig verschiedene Filme zu einem zusammen schnitt und Richard Harrsion einen Endkampf wie in all ihren Ninja-Filmen absolvieren musste, bleibt offen.
Immerhin hatte der Film eine sehr positive Botschaft. Auch wenn sich deine Freundin in ein Schlangenmonster verwandelt, kannst du sie immer noch lieb haben und ihr Trost für eine mögliche Zukunft zusprechen, auch wenn sie danach von Kugeln durchsiebt wird. Fast wie bei ’American Werwolf’.

The Art of Bad Magick

Ich erhole mich allmählich und muss rückblickend zugeben, dass ’Das Schlangenmonster’ ein Film voller wirrer Bilder, dickflüssigem Kunstblut, knuffiger Mutationen, ekliger Effekte und nackter Menschen ist. Dieses Eingeständnis ist rein faktischer Natur und hat nichts über die Qualität des Gezeigten zu sagen. Dazu fühle ich mich einfach nicht im Stande. Seid ihr geschult in Fachbegriffen wie ’Tierhorrorslapstick’, ’Snakesploitation’ und ’Harrison humps a hooker’, dann schaut rein. ’Das Schlangenmonster’ wartet nur darauf.


Hudson