Dark Age


‘Death is only one bite away.’


Originaltitel: Dark Age (1987) Regie: Arch Nicholson
Drehbuch: Sonia Borg, Stephen Cross, Tony Morphett & Grahame Webb
Darsteller: John Jarratt, Nikki Coghill, Max Phipps FSK: 16


Des Wilderers Schicksal:
Croc dran und Arm ab
Die australische Filmlandschaft hat in den letzten 30 Jahren mehr als genug Ärger mit Krokodilen heraufbeschworen. Von ’Crocodile Dundee’ (1986) bis ’Black Water’ (2007) machten einige gefräßige Handtaschen die Mangroven des Outbacks unsicher. ’Dark Age’ behandelt die Eingeborenen-Legende um den Numunwari, ein Krokodil, das der Legende nach einst ein Mann war und kurz vor dem Verhungern ins Wasser stieg, um sich an den Fischgründen zu laben und zu gewaltiger Größe heranwuchs.

Wildhüter Steve Harris ist für den Schutz der Krokodile zuständig, ein Freund der Aborigines und mit beidem ziemlich allein in seinem Kaff. Als ein riesiges Salzwasserkrokodil in den Sümpfen des australischen Kaffs Darwin ein paar Wilderer verspeist und später sogar ein Kind vom Strand schnappt, ist die Öffentlichkeit auf den Barrikaden. Steve und seine kürzlich heimgekehrte Ex-Freundin und Kollegin Cathy versuchen zu beschwichtigen, aber die Meute will Kroko-Blut sehen. Diverse Ausflüge des schiesswütigen Pöbels bringen zwar einige Krokodilkadaver an Land, doch der Numunwari, der laut den Eingeborenen uralt ist und den Geist des Volkes verkörpert, ist nicht darunter. Harris entschließt sich, Oondabund, den lokalen Aborigines-Chief zu bitten, ihm bei der Suche nach dem monströsen Biest zu helfen. Doch der alte Zausel mit dem weihnachtsmännischen Rauschebart willigt nur unter der Bedingung ein, dass man den Numunwari lebendig fängt und ihn in sein eigentliches Revier zurück bringt. Ein schwieriges Unterfangen, das bei den Hillbillies der Gegend auf einigen Widerstand stößt…

Handtaschen-Hunter aller Couleur

“Der einzige Platz für so ein Monster ist ein Museum. Ausgestopft!“

Ein Film über ein riesiges Killerkrokodil kommt von Natur aus nicht ohne Klischees aus. Was Arch Nicholson (Regisseur des ausgezeichneten australischen Survival-Thrillers ’Fortress’) aus der Geschichte um die Eingeborenen-Legende um den Numunwari macht, ist trotz genre-bedingten Anleihen weitab vom üblichen Tierhorror-Trara.
’Dark Age’ beginnt nicht untypisch, bedient sich beim ’Weißen Hai’, serviert seinem Monster ignorante Pappnasen zum Frühstück, klagt Umweltverschmutzung an und zeigt reichlich animalische Attacken, entwickelt auf dem Weg zum spektakulären Finale aber eine ganz eigene Dynamik. Die ist nicht zuletzt der stimmig eingebauten Eingeborenen-Mytholgie, der thematisierten Ignoranz des weißen Mannes (“In diesem Loch kann man nicht mal ein Pissoir bauen, ohne dass dir irgendein Nigger sagt, dass man auf heiligen Boden pisst.“) und dem tollen Hauptdarsteller geschuldet.

Mitternachts-Snack
John Jaratt ist eine der Grundfesten des australischen Genre-Kinos. Er war bereits in Peter Weirs ’Picknick am Valentinstag’ in einer Nebenrolle zugegen, spielte Australiens Volksheld ’Ned Kelly’ und kehrte nach einem Ausflug als TV-Handwerker zum Horror zurück, als er in ’Wolf Creek’ den superfiesen Bösewicht Mick Taylor verkörperte.
Jaratt spielt den querköpfigen Wildhüter mit robustem Charme und vollem Körpereinsatz. An seiner Seite sind die bekannten Aborigines-Darsteller David Gulpilil (’The Proposition’) und Burnham Burnham (’Wolfman’) zu sehen. Als fieser Outback-Redneck glänzt der herrlich widerliche Max Phipps (’Mad Max 2’).
Getoppt wird der Film durch eine Verfolgungsjagd (mit Kroko auf der Ladefläche) und finalem Superstunt, ebenfalls Ingredienzien, die aus dem australischen Genre-Kino nicht wegzudenken sind. Die Hand an der Kamera hatte hier übrigens Andrew Lesnie, der später allerlei Erfolg mit drei Filmen über Zwerge und einen Ring hatte und sogar einen Oskar dafür bekam.

“Er tötet keine Aborigine. Er tötet nur wenn er muss.“
“Das ist ein Argument, aber wenn er andere tötet gibt’s Probleme.“

Elendige Siegerpolitik...

’Dark Age’ hebt sich dank eigenwilliger Atmosphäre und interessanter Mythologie angenehm vom üblichen Tierhorror-Einerlei ab und ist überhaupt eher als Abenteuer-Thriller für Naturburschen zu beschreiben. So oder so ist dies, meiner bescheidenen Meinung nach, neben dem ’Horror Alligator’ der beste Killercroc-Streifen schlechthin.


Hudson