Straße der Verdammnis


‘More than a movie. An adventure you'll never forget.’


Originaltitel: Damnation Alley (1977)
Regie: Jack Smight Drehbuch: Brent Huff & Douglas L. Walton
Darsteller: Jan-Michael Vincent, George Peppard, Dominique Sanda FSK: 12


1977 - Das ’Star Wars’ Jahr. Doch Twentieth Century Fox, die nicht wirklich mit einem bahnbrechenden Erfolg des Weltraum-Märchens gerechnet hatten, schickten noch einen weiteren Science Fiction-Film ins Rennen. Der Rest ist Geschichte.

Während alle Welt den ’Krieg der Sterne’ feiert, erinnert sich kaum jemand an ’Straße der Verdammnis’, dieses Endzeit-Vehikel nach dem gleichnamigen Roman von Roger Zelasny (der zwar die Rechte verkaufte, die Verfilmung jedoch ablehnte).
Zu Unrecht, denn ’Damnation Alley’ ist ein B-Movie der mitreißenden Art und sicherlich prägend für einige spätere Ableger des populären Endzeit-Subgenres.

Wie war das gleich mit
dem 'Wind of Change'?
Der Film beginnt mit der Einführung der Hauptfiguren, die ausgerechnet mitverantwortlich für den dritten Weltkrieg sind: Soldaten einer Militärbasis, mit der Hand am nuklearen Zündhebel. Major Denton (George Peppard) und sein Unteroffizier Tanner (Jan Michael Vincent) sind sich nicht wirklich grün und planen, demnächst getrennte Dienstwege zu gehen, während Lieutenant Keegan (Paul Winfield) den Urlaub herbeisehnt. Dazu wird es nicht mehr kommen. Denn dies ist die Stelle im Film, in der alte Stockfootage von Atom-Explosionen eingespielt wird und ein Voice-Over über einer verdächtig radioaktiv leuchtenden Erdkugel ertönt:

“Der dritte Weltkrieg hinterließ den Planeten eingehüllt in ein Leichentuch aus radioaktivem Staub unter einem gespenstigen Himmel in einem Wahnsinns-Klima.
In Folge ihrer, durch die nukleare Katastrophe verschobenen Achse, wurde die Erde heimgesucht von einer Schreckensherrschaft aus Orkanen und Fluten von beispielloser Gewalt.
Als diese Epoche abzuklingen begann, regten sich die kümmerlichen Reste des Lebens wieder und versuchten, auf gut Glück den Kampf ums Überleben erneut aufzunehmen.
Dies ist die Geschichte einiger dieser Menschen.“

Und siehe da, es sind die gleichen Figuren, wie vor dem Zwischenfall, kaum gealtert und kein bisschen verstrahlt. Man möchte meinen, dass die erwähnte “Epoche“ etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, tatsächlich scheint aber nur ein Monat vergangen zu sein.

Duell der doofsten TV-Namen:
Hannibal vs Stringfellow
Während Tanner und Keagan als Outcasts der Basis den ganzen Tag rumlümmeln, fängt Maj. Denton ein Signal aus Albany ab. Dort scheint es Überlebende der nuklearen “Epoche“ zu geben. Nachdem der halbe Stützpunkt durch einen technischen Fehler in die Luft fliegt, stellt Denton seine beiden Kameraden vor die Wahl: Entweder in der Wüste versauern, oder die beschwerliche ’Straße der Verdammnis’, eine unwirtliche Strecke voller Wagnisse zu beschreiten. Beschreiten? Nicht ganz. Denn hier kommen die beiden Landmaster-Vehikel ins Spiel. 12-rädrige, geländefähige Artillerie-Trucks, in denen die Jungs sich auf die Reise machen. Nachdem einer der beiden Landmaster in einem Tornado außer Gefecht gesetzt wird und das vierte Crewmitglied ums Leben kommt, verschlägt es Tanner, Denton und Keagan im übriggebliebenen Gefährt nach Las Vegas, wo sich ihnen die ehemalige Nachtclubsängerin Janice anschließt. Die ’Straße der Verdammnis’ führt die Gefährten vorbei an vielen Gefahren (Killerkakerlaken, entstelltes Endzeitvolk etc.), bis hin zum Ende der Welt…

Nein, La Cucaracha singen
ist hier nicht angebracht!
’Damnation Alley’ mag nicht die originellste Zukunftsvision sein, hat aber seinen ganz eigenen Stil und allein das hebt ihn von dem üblichen Schablonen-Schund, der in den Achtzigern folgte wohltuend ab. Schon die ersten Szenen nach der nuklearen Katastrophe sind verdammt atmosphärisch. Der Himmel leuchtet in unheimlichen Farben und Jan Michael Vincent ridert auf seinem Motorrad durch die Wüste, vorbei an riesigen (ins Bild kopierten) Skorpionen. Vor allem das Himmels-Effekt-Gimmick (welches scheinbar ein Symptom der Achsen-Verschiebung ist) wird im Fortlauf des gesamten Films eindrucksvoll ausgespielt. Weniger imposant sind da die lächerlichen Killerkakerlaken, die zwar (für einen FSK 12er) reichlich blutigen Schaden anrichten, jedoch lediglich in Nahaufnahmen von echten Insekten verkörpert werden. In Scharen dargestellt, macht es den Anschein, als hätte man einige Dutzend von ihnen auf ein Stück Teppich geklebt und würde dieses Gebilde an Angelschnüren über den Boden scheuern.
Aber was soll’s, man musste sich halt etwas einfallen lassen, in einer Zeit, als Computer so groß waren wie Hochöfen (*künstlerische, nicht geschichtlich korrekte Freiheit*). An Action fehlt es dem Film weniger als an einem befriedigenden Showdown. Nachdem der Landmaster kurz vor Schluss noch einmal bewiesen hat, dass er mehr drauf hat, als möglich zu sein scheint, folgt allzu schnell ein seichtes Happy End, das nur bedingt ins Bild passt. Bis dahin wurde der Zuschauer jedoch mit soviel Knallbumm versorgt, dass keine Wünsche offen bleiben.
George Peppard und Jan Michael Vincent (die beide später eine Karriere in recht erfolgreichen TV-Shows antraten) überzeugen in ihren Rollen als pflichtbewusster Kommandant und lebenslustiger Tunichtgut. Ebenso Paul Winfield (’Terminator’), als sympathischer Ruhepol und der junge Jackie Earle Haley (’Dollman’) als pfiffiger Teenager.

Landmaster-Blaster

Fazit: Abwechslungsreich gefertigtes Endzeit-Spektakel mit allen Ingredienzen, die das PA-Fachgebiet unterhaltsam machen. Dass er nicht die Vorbildfunktion für das Sub-Genre hat und letztlich nur ein kurzweiliges B-Movie ist, liegt womöglich an der eher schmalen Vision des Regisseurs, sollte aber keinen Science Fiction- und Action-Fan davon abhalten, sich auf einen Trip über die ’Straße der Verdammnis zu begeben.


Hudson