Dakota Harris


‘Ein ganz normaler Auftrag, bis plötzlich
der Himmel zur Hölle wird’


Originaltitel: Sky Pirates (1978) Regie: Colin Eggleston
Drehbuch: John D. Lamond, Rob Mowbray & Peter Herbert
Darsteller: John Hargreaves, Meredith Phillips, Max Phipps FSK: 16


Here we go again on our own, travelling down the thin red line we used to know…

Stellt euch an dieser Stelle das Flugzeug als roten Punkt auf einer Landkarte vor!

Nämlich mit dem allseits beliebten Voice Over of Doom, das von Außerirdischen Besuchern faselt, die auf der Erde Stone Henge, die Pyramiden und die Böllerköppe von den Osterinseln gepflanzt haben sollen und von Primitiven “Götter“ genannt werden. Wohlgemerkt nicht meine Worte, sondern die des blasphemischen Begleittextes.

Name: Dakota Harris
Heritage: Australia
Profession: Globetrottel
Expression: Blue Smoke
Zeitsprung in die Moderne: 1945, Australien. Fliegerass Lewtenant “Dakota“ Harris begibt sich mit seinem Kollegen Savage (kein Doktortitel) und ein paar Redshirts auf eine Expedition in die Jefaren-Bucht und direkt hinein ins narrative Grauen…
Will sagen: Ohne große Vorstellung des Helden wird der Zuschauer in ein Gewimmel aus Erklär-Bär-Vorspann und Missionsgehuste geschmissen und benötigt dementsprechend erst mal eine Weile, um sich an Plot und Pilot zu gewöhnen.
Dieser Hodge-Podge-Trend wird konsequent durchgezogen: Einen Zwischenstopp im Bermuda-Dreieck später hören wir Harris soufflieren: “August 1945. Ich habe mein eigenes Tagebuch begonnen. Seit Tagen treiben wir auf dem Meer. Logan und Hagget sind gestorben. Wir sind nur noch zu dritt.“
Hmjjaaa und ich konnte einfach nicht glauben, dass dies das Dossier eines Mannes war, den seine Vorgesetzten tot sehen wollen.
Äh, Moment, wo sind wir gerade?
Schwuppdiwupp vor dem Kriegsgericht, wo Harris von Savage gerade angeschwärzt und für einen Daueraufenthalt im Café Viereck vorgeschlagen wird. Das kann der Draufgänger nicht auf sich sitzen lassen, schließlich gibt es noch Mysterien zu klären, Schätze zu bergen und irgend ‘ne Alde zu betören...

“Endlich bin ich am Ziel meiner Wünsche angekommen. Aladins Zauberhöhle! Jetzt werde ich der mächtigste Mensch auf Erden!“

Whoa, whoa, whoa, easy now!
Zunächst einmal... DAKOTA Harris? Warum Dakota? Weil Indiana Jones, Tennessee Williams, Mississippi Burning und Johnny Utah schon vergeben waren und die cool klingenden Bundesstaaten knapp wurden?
Entschuldigt die naive Frage, aber Harris ist ganz offensichtlich Australier und nicht etwa Ami oder gar Angehöriger eines Rothaut-Stammes. Es ist anzunehmen, dass hier einmal mehr die Willkür des deutschen Verleihs der Vater des Marketing-Gedankens war. Allerdings muss ich zugeben, dass dies anhand des offensichtlichen Raubbaus an der populärsten aller Abenteuer-Serien nur konsequent erscheint.

Kennwa... Hamwa...

‘Sky Pirates‘, so der Originaltitel dieser australischen Produktion, gibt sich keine Mühe, die Anleihen beim großen Vorbild zu verbergen. Harris ist ein Globetrotter mit Trademark-Klamotten (Fliegermütze, Pilotenjoppe, offenes Khakihemd), seine Eskapaden erinnern teilweise bis ins Detail (Stichwort: kreischende Mumie meets kreischende Frau) an die Abenteuer von Dr. Jones, sogar die Musik klaut immer mal wieder direkt beim unerreichten Original.

Achja, der Schurke ist zwar kein Deutscher, sieht aber aus wie einer...

...und er endet auch wie Toht und Dietrich!

Dabei liest sich ’Dakota Harris’ auf Papier weitaus besser, als er sich auf dem Schirm macht: Expeditionen werden unternommen, Verfolgungsjagden absolviert, Schätze geborgen, Schurken überrumpelt, es gibt größenwahnsinnige Ambitionen, unheimliche Artefakte, rote Augen, brummende Flugzeuge, das Bermudadreieck, Höhlenkoller, Schlangen, Pistolen, Haie, Taucherbrillen, alles da. Aber der Kitt dazwischen hält einfach nicht dicht und die Story zieht soviel Nebenluft, dass das bisschen eigenwilliger Charme im Windkanal der Ereignisse schnell verpufft ist.

Das ist echt 'ne "Allwetterjacke", schluckt jedwedes Klima.

Schuld daran trägt auch die Hauptfigur selbst. Harris ist zwar cocky, haut gerne Leute aus den Latschen und klaut seine Sprüche bei Harry Callahan, aber es fehlt ihm (wie dem Film selbst) an definierendem Charakter. Jeder Fan kann Indy oder seine Lieblingsszenen aus dessen Filmen beschreiben. Bei Dakota Harris dürfte das in grübelndes Gestammel a la „Äh, er hier, mit der Fliegerhaube und irgendwas mit Erich von Däniken ihm seine Dingenskirchen da!“ münden.

Wie in den meisten Genre-Streifen aus Down Under, darf auch bei ‘Sky Pirates’ eine deftige Verfolgungsjagd (ein wahres Oz-Trademark!) nicht fehlen. Dummerweise erinnert die hier nicht von ungefähr an die kaum zu toppende Truck-Szene aus ’Raiders‘. Immerhin gibt es einen Auftritt des noch sehr jungen Hugo Weaving zu bestaunen, dessen irrer Road Rowdy daher kommt, als wäre er bei Hugh Keays Byrnes ’Toecutter’ in die Lehre gegangen.

Vom Bruchtal ins Spital: Screaming Weaving

Eventuell ist ’Dakota Harris’ in den Herzen einiger Filmfans meines Alters hängen geblieben, weil sie sich die poltrige Rappelkiste in den frühen Neunzigern aus Mangel an Alternativen schöngekuckt haben (ein Phänomen, von dem ich nur zu gut weiß, dass es prima funktioniert... ich liebe ’Quatermain’). Aber nach erster Begutachtung jüngeren Datums gehört der Film für mich in die Ecke der Abenteuer-Unterhaltung, bei der selbst noch so bereitwilligen Zuschauern einfällt, dass man noch die Wäsche in der Maschine hat... oder eben Dr. Jones im Erste-Hilfe-Kasten.
Regisseur Colin Eggleston und sein Hauptdarsteller John Hargreaves (beides Koryphäen des australischen Genre-Kinos) bewiesen 1978 mit ihrem grandiosen Natur-Schocker ’Long Weekend’ selbst am Besten, dass die Aussies lieber ihr eigenes Ding machen sollten und sich nicht an Trends aus den USA hängen müssen.


Hudson