Dungeons & Dragons: Die Macht der Elemente



Originaltitel: Dungeons & Dragons: Wrath of the Dragon God (2005)
Regie: Gerry Lively Drehbuch: Robert Kimmel & Brian Rudnick
Darsteller: Mark Dymond, Bruce Payne, Clemency Burton-Hill FSK: 12


Nach Peter Jacksons grandiosen und grandios erfolgreichen ’Herr der Ringe’ Verfilmungen war es nur eine Frage der Zeit, bis andere ’Filmemacher’ erneut ins Reich der ’Schwerter und Zauberer’, der ’Kerker und Drachen’, der ’Dicken Äxte und Spitzen Ohren’ Einkehr halten würden. So geschehen in ’Dungeons & Dragons: Wrath of the Dragon God’, dem Sequel zum ’Film zum Spiel’ aus dem Jahre 2000.
Der Vorgänger war bereits eine Genre-Flaute par excellence, wurde dem Material in beinahe keinster Weise gerecht und sollte den Tiefpunkt in Jeremy Irons Schauspiel-Karriere beschreiben (Gott sei dank hat er sich davon wieder erholt. *Klopf auf Holz*).
Dementsprechend tief waren auch meine Erwartungen gegenüber Teil 2. Doch siehe da: Ich sollte positiv überrascht werden!

Wo Moses seine Tricks her hatte...

Es herrscht ’Friede, Freude, Eierkuchen’ im Königreich Ismir, als es dem finsteren Magier Damodar (Bruce Payne, der/das einzige was aus Teil eins herüber ’gerettet’ wurde) plötzlich gelingt, aus seinem verfluchten Schlaf zu erwachen und eine geheimnisvolle, magische Kugel zu ergattern, mit deren Hilfe er sich an Ismir und seinen Bewohnern rächen will.
Berek, einst stolzer Kämpfer der königlichen Garde, ist mittlerweile zum königlichen Steuerberater befördert worden, was er persönlich allerdings als Degradierung ansieht. Zu gerne würde er wieder das Schwert ziehen und dem Land auf dem Feld der Ehre dienen. Da kommt die Nachricht vom Schwarzen Drachen, der unter einem Berg haust, gerade recht. Sollte der Drache erweckt werden, würde er ganz Ismir zerstören. Beschworen werden, so findet die Magier-Gilde mit Hilfe von Bereks Frau Melora bald heraus, kann der Drache allerdings nur durch Damodars schwarze Zauberkugel. Ganz klar: Dem Finsterling muss Einhalt geboten werden! Berek packt die Gelegenheit am Schopf, holt die Klinge aus der Rumpelkammer und rekrutiert vier der besten Mitstreiter im ganzen Fantasy-Branchenbuch. Die kriegerische Amazone Lux, den ruhigen Kleriker Dorian, die Elfen-Magierin Ormaline und den mürrischen Dieb Nim. Gemeinsam machen sie sich auf, in eine Welt voller Gefahren, um Ismir vor dem Untergang zu bewahren.

Gott sei dank:
Die blauen Lippen sind weg!
Hört sich verdächtig nach ’Herr der Ringe’ für Arme an? Nun ja, dieses Siegel könnte man dem Film wohl ohne schlechtes Gewissen auf den Helm kleben und keiner würde sich beschweren. Wenn da nicht die konsequente Umsetzung der Vorlage (gemeint ist natürlich das populäre Rollenspiel gleichen Namens) wäre, die man ’Dungeons & Dragons 2’ bedingungslos anrechnen sollte. Somit ist er immerhin schon mal weitaus gelungener als sein lächerlicher Vorgänger.
Hier gibt es keine Kompromisse, keine Popkultur-Anspielungen (es sei denn, sie beziehen sich auf das ’D&D’ Universum) und keine Charaktere, die den Film dem Mainstream-Publikum näher bringen sollen (bei aller Liebe, Marlon Wayans Figur in Teil eins ging gar nicht). Wozu auch?! Das populäre Fantasy-Reich bietet genug Helden-Stoff, um ohne solchen Firlefanz auszukommen.
Dass der Film es trotzdem nicht über den höheren Durchschnitt schafft, liegt vor allem an seinen dürftigen Tricksereien und dem eher schwachen letzten Drittel. Bis dahin bekommen wir jedoch ein schnörkelloses, bodenständiges Abenteuer kredenzt, das sich (genau wie die Welt der Vorlage) sehr stark an Tolkiens Geschichten orientiert und vor allem auch bei Rollenspielern aus dem unterhaltungs-elektronischen Bereich (vom urzeitlichen ’Bard’s Tale’ und ’Eye of the Beholder’ bis hin zum ’Baldurs Gate’ und ’Neverwinter Nights’ Fan) für das eine oder andere Lächeln sorgen dürfte.
Die Darsteller sind durchweg No-Names, was dem Material aber überhaupt nicht schadet. Dass sie herausragende Leistungen an den Tag legen, hatte ich nicht erwartet, wurde also auch nicht enttäuscht. Sagen wir ganz salopp: Geht schon in Ordnung. Bis auf den sympathisch-grummeligen Nim und die sture Aggro-Amazone Lux (die man fast als ’Gimli und Legolas’ der Direct-to-Video-Fantasy bezeichnen kann), fehlt es den Charakteren auffallend an Ecken und Kanten.

"Haste mal Feuer?"
Das sollte den echten Genre-Fan jedoch nicht abschrecken, denn der bekommt die Hucke mit Fantasy-’Lokal Kolorit’ und Monstern dermaßen voll, dass damit unser Bestiarium um etliche Seiten erweitert werden könnte. Liche, Harpien, (Eis-)Drachen, Söldner, Zauberer, Geister, Kronleuchter-Oktopusse und andere Unwesen warten auf den geneigten Zuschauer. Dass die Qualität der Effekte sehr zu wünschen übrig lässt, erwähnte ich bereits. Größter Schwachpunkt sind hier die computer-animierten (und somit die meisten) Kreaturen. Immerhin ist die finale Attacke des schwarzen Drachen gut in Szene gesetzt und mit einigen netten pyrotechnischen Beilagen geschmückt. Hätte man das Budget des ersten Teils zur Verfügung gehabt, hätte man die unübersehbaren Mankos der Produktion vielleicht beheben können. Hätte man sich den ersten Teil gleich ganz gespart und den ganzen Schotter für ein richtiges ’D & D’ Epos ausgegeben, hätten wir vielleicht sogar einen großartigen Fantasy-Film bekommen. Schade, aber vielleicht gibt es ja einen dritten Teil. Ich persönlich kann nämlich gar nicht genug von dieser Art Unterhaltung bekommen.

Dieb, Magierin, Held, Amazone und Kleriker
Eine Truppe wie aus dem Regelbuch.

’Dungeons & Dragons: Wrath of the Dragon God’ ist klipp und klar ein Film für Fans des ’D&D’-Universums und Fantasy-Fans im allgemeinen, denen ein unbedarfter Blick in ein Zauber-Reich genügt, um ’Halleluja’ zu rufen. Besser als der erste Teil ist er allemal. Einen Vergleich mit ’Herr der Ringe’ brauchen wir aber gar nicht erst anzustellen.

Hudson