Dungeons & Dragons


‘Adventure hinges on more than just a throw of the dice.’


Originaltitel: Dungeons & Dragons (2000) Regie: Courtney Solomon
Drehbuch: Topper Lilien, Carroll Cartwright & E. Gary Gygax
Darsteller: Jeremy Irons, Bruce Payne, Justin Whalin FSK: 12


Im Fantasy-Reich Izmer herrscht Zwist zwischen der regierenden Magier-Kaste und dem gemeinen Fußvolk, welches nix zu sagen hat. Kaiserin Savina (Thora Birch) will Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, da wir aber nicht in Frankreich sind und der fiese Magier Profian (Jeremy Irons) gerade ein Misstrauens-Votum aus der Robe geschüttelt hat, muss jetzt die Rollenspiel-Logik einsetzen.

Das wurde also aus dem Script
Ein magisches Artefakt soll helfen: Das Zepter von Savrille, mit dem man die roten Drachen bändigen kann, die noch mächtiger sind als die goldenen Drachen, die nach dem Putsch jetzt in den Händen des Bösen sind… oder so. In dieses Shakespearesche Ränkespiel stolpern die beiden Diebe Ridley (Justin Whalin) und Snails (Marlon Wayans), die mit der Suche nach dem Artefakt beauftragt werden. In Begleitung des knarzigen Zwergs Elwood (Lee Arenberg), der Magier-Gehilfin Marina und der dunkelhäutigen Elbin Norda führt ihre abenteuerliche Reise durch Wälder und Kerker, vorbei an Fallen, Monstern und Profians blaulippigem Handlanger Damador (Bruce Payne).

In Buch- und Computerspiel-Form schon x-mal aufgelegt, kam anno 2000 also der ’lang erwartete’ Film zum populären Brett-Spiel ’Dungeons & Dragons’ (welches wiederum über ein paar Ecken auf Rezepten aus J.R.R Tolkiens ’Herr der Ringe’-Epos basiert).

Ah, die Requisitenkammer aus
Excalibur wurde ausgemistet!
Dass ein solch mieses Vehikel dabei herauskam, war sicherlich von keinem gewollt, zu allerletzt von den Fans, die entsetzten Blickes die Kino-Häuser verließen und sich womöglich ein neues Hobby suchten.
Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, den Schmarren zu zerreißen. Fangen wir bei den Charakteren an, die so flach sind, wie der Bierdeckel auf dem sie entworfen wurden. Klar ist das Fantasy-Genre ein brodelnder Herd eindimensionaler Klischees, aber musste das denn sein? Justin Whalin (’Chucky 3’) ist mit gelacktem Boygroup-Charme (what’s with the hair, dude?) eine denkbar schlechte Wahl für die Helden-Rolle in einem Fantasy-Epos, aber da das Ziel-Publikum sein Alter nicht überschritt, war das den Machern scheinbar egal. Bruce Payne (der seitdem das Label ’der stierende Glastzkopp mit den blauen Lippen aus diesem Drachen-Film’ spazieren trägt) schien entweder der Film, oder der Gehalts-Scheck zu gefallen und kam auch noch einmal für die Fortsetzung zurück. Marlon Wayans ist in seiner Funktion als Sidekick mit Comic-Relief so (pardon) beschissen unlustig, dass es zum Himmel stinkt (ähnlich ’charmant’ zeigte er sich ja in den ’Scary Movies’). Sein grimassen-schweres Gehabe nervte die Zuschauer damals im Kino so sehr (ich erinnere mich genau), dass wild applaudiert wurde, als der erbärmliche Wicht in den Tod stürzte. Thora Birch wirkt wie ein Püppchen beim Klassensprecher-Ball und ihre Dialoge mit Jeremy Irons sind einfach nur ärgerlich.

Oh ja, der Blick kommt
nicht von ungefähr!
Ohje, Jeremy Irons! Der Mann brauchte bestimmt Geld und er war wohl in Gedanken auch schon beim Ausgeben, denn seine Leistung ist (neben der ähnlich traurigen in ’Time Machine’) wirklich die peinlichste seiner ganzen Laufbahn. Nicht einmal Richard O’Brien (’Rocky Horror Show’) geht aus seiner Vorstellung als schuchiger Räuberhauptmann als Gewinner hervor.
Beim Thema Ausstattung sieht es ganz ähnlich aus. Sind die praktischen Effekte und Requisiten noch notdürftig brauchbar, erinnern die Computer-Effekte an Benchmark-Tests der ersten PC-Grafikbeschleuniger und die finale Schlacht, in der dann auch endlich mal Drachen zu sehen sind (’Dungeon & Dragons’, remember?), verkommt zum Fantasy-Bilschirmschoner. Entweder war die CGI-Technologie damals noch nicht so weit (Gegenbeweis: ’Dragonheart’) oder die Finanzabteilung von New Line Cinema hatte nicht so viel Vertrauen in Regie-Neuling Courtney Solomon wie kurz darauf in Herrn Jackson. Ersterer soll so ein vehementer Fan des Brettspiels gewesen sein, dass er ganze 10 Jahre an der finanziellen Verwirklichung seines Traumes werkelte. Um so schlimmer, dass dieses Fiasko dann so wenig von der Liebe eines Fans zeugt. Die wenigen Insider-Anspielungen (Einführung des Films durch die Kanalisation, Beholder, Ghoul-Hexenmeister) reichen nicht für zufriedene Kunden und die zwei gesichteten Orcs sehen aus, wie von ’Troll 2’ geborgt. Einzige Stimmungsmacher sind Zwerg Elwood, der von ’Fluch der Karibik’-Pirat Lee Arenberg recht putzig dargestellt wird und die zuweilen gelungene Musik.

’Dungeons & ... Urmel?’

Fazit: Trauriges Schauspiel, ärgerliche Klischees, dumme Sache, blöd gelaufen. Da ist es fast ein Wunder, dass ein Jahr später doch noch der ultimative Beweis kam, dass Fantasy auch im Kino funktioniert. An alle Freunde des fantastischen Films: You know, who your PJ is! An alle Hardcore ’D&D’-Fans: Zieht euch lieber die Fortsetzung rein!

Hudson