Crystal Eye



Originaltitel: Curse of the Crystal Eye (1991)
Regie: Joe Tornatore Drehbuch: Joe Tornatore & Mike Angel
Darsteller: Jameson Parker, Cynthia Rhodes, Mike Lane FSK: 12


Der fesche Freizeit-Klamotten-Abenteurer Luke Ward befreit irgendwo in mittleren Osten im Alleingang einen Landstrich von fiesen Schurken und bekommt als Dank von einem dicken Mann mit Turban einen fetten Kristall geschenkt. Daran klebt die Notiz ’Ab nach Bombay und alten, hutzeligen Mann in Hauptstr. 5 - Parterre -links auf den Kristall ansprechen’.

Ali Baba und die 40 Ziegen
Also auf in den indischen Moloch, der hier allerdings recht zahm und geradezu verkehrsfreundlich wirkt (offensichtlich wurde nicht an Originalschauplätzen gedreht). Dort angekommen murmelt der alte, hutzelige Mann von der Notiz ein paar scheinbar weise Worte, als wär er Meister Yoda (kann aber auch an dem ewigen “Luke“ liegen). Kaum ist unser Möchtegern-Indy auf der Suche nach einem billigen Hotel, tritt ein böser Onkel hinter den Gardinen hervor und bringt den alten, hutzeligen Mann um die Ecke. Scheinbar ist Luke nicht der einzige, der das Geheimnis des Kristalls entschlüsseln will, denn bald rücken auch ihm diverse bewaffnete Schnurrbartbartträger auf den Leib und scheuchen ihn quer durch die Stadt. Im amerikanischen Konsulat angekommen, verliebt sich Luke in die Tochter des Botschafters und zieht mit ihr erst einmal um die Häuser.
Beim Archäologen Emilio Ferrari finden sie schließlich Hinweise über die Herkunft und den Zweck des Kristalls, während ein feister, zwielichtiger Waffenschieber dem Paar schließlich einen Auftrag anbietet und ihnen verrät, wohin der Kristall sie führt: Zum Schatz des Ali Baba. Und wenn ihr bis hierher wirklich alles gelesen habt, dann dürft ihr zur Belohnung gleich zum Fazit springen.

Ach Gottchen. Es ist schon putzig und bemitleidenswert, mitanzusehen, was für Knallchargen nicht alles versuchten, auf den ’Indiana Jones’-Boom miteinzutrommeln.

Kein Saft mehr im Fuß
Da gab es die knallig-doofen ’Quatermain’-Filme, Chuck Norris’ oll-alberne ’Feuerwalze’ und Totalschrott wie ’Bloodstone’. In letzte Kategorie fällt auch das einschläfernde ’Crystal Eye’, das den Begriff Abenteuer-Film noch nicht einmal verdient hat, geschweige denn inhaltlich oder oberflächlich irgendetwas zu bieten hat, was es nicht schon wirklich überall und zumeist besser gab. Lumpige Schießereien, schmalzige Panorama-Liebesszenen, pseudo-lustige Sidekicks mit schlechtem Akzent, bärtige Kopftuch-Schurken, groovy beleuchtete Tropfsteinhöhlen und eine passende Triefnase in der Hauptrolle.
Jameson Parker (die schlechtere Hälfte des TV-Duos ’Simon & Simon’) fehlt zum ’Indy’ nicht nur der Hut und die Peitsche, sondern auch der Witz, der Charme, die Austrahlung, zwei rauhe Beine und eine Jacke. Der Mann wirkt so blass, dass mir schon kein dämlicher Vergleich mehr einfallen will. Der Hammer ist allerdings seine Begleiterin, gespielt von Cynthia Rhodes. Wir alle kennen Cynthia als vom Schicksal geplagte Tanzmaus in ’Dirty Dancing’.
In ’Crystal Force’ ist sie zunächst einmal unter einer unglaublich auftoupierten Haar-Baracke kaum zu erkennen. Der Rest ihres Körpers steckt aber auch noch in einer ähnlich unfassbar voluminösen und schrecklich unmodischen Jacke, die zwei der größten Schulterpolster aller Zeiten beinhaltet. Also eigentlich sind mir solche äußerlichen Unzulänglichkeiten sonst ja Schnuppe, aber diese Frisur in Kombination mit diesem Jacket hätte selbst den stärksten Modemuffel auf die Barrikaden gebracht. Im Vergleich zu Ms. Rhodes Garderobe ist sogar die speckige Kochschürze, die einer der Inder während des gesamten Filmes umherträgt gemackssicherer. Leider bekommt sie abgesehen vom Spazierentragen dieser optischen Unförmigkeiten kaum etwas zu tun. Aber wirklich zu tun hat niemand etwas, wenn Spannungs-, Humor- und Action-Knappheit zuschlagen, wie es hier der Fall ist.

El Shalom, the Peacemaker

Bei seichter Story, seichter Action und seichten Darstellern konnte nur ein seichtes Abenteuerchen wie ’Crystal Eye’ herauskommen. Alles andere wäre unfair gegenüber der Realität und wahrscheinlich auch der Quantenphysik und diversen Philosophien gewesen. Ganz sicher aber gegenüber den etlichen anderen Filmen dieser Gattung, die es so viel besser hinbekommen haben.


Hudson