Vier gnadenlose Rächer

aka

Crippled Avengers



Originaltitel: Can que (1978)
Regie: Cheh Chang Drehbuch: Brent Huff & Douglas L. Walton
Darsteller: Kuan Tai Chen, Feng Lu, Philip Kwok FSK: 18


Alles fing an, als einige unehrenhafte Schurken den Hof von Tin Tao aufsuchten, mit dem sie scheinbar noch ein Hühnchen zu rupfen hatten, doch der leider nicht im Hause war, was folgenschwere Konsequenzen für das Leib und Wohl seiner Familie haben sollte.

“Alright, we must do something, still I dont fancy killing women and children.”

“Let’s cut his wifes legs off and his sons arms off!“
“Right!”

Ja, Leute, kein Scherz. Diese ruchlosen Schurken schlachten seine Frau ab (die das mit den abben Beinen leider nicht überlebt) und verkrüppeln seinen Sohn, dem Tin nach seiner Rückkehr jedoch verspricht, dass er ihm starke Arme machen wird.

Jahre später…

Tin und sein Sohn herrschen mit eiserner Hand (der musste kommen!) über den Landstrich, zerfressen von Hass und Rache auf jene Schurken, die einst ihr Leben zerstörten. Gnadenlos metzeln sie jeden nieder, der ihnen suspekt vorkommt oder, schlimmer noch, verkrüppeln ihre Opfer auf unglaubliche Art und Weise. Vier jener Opfer sollen zu den Titelfiguren werden und gegen den Ursupatoren und seinen scheinbar unbesiegbaren Sohn ins Gefecht ziehen. Doch bis es soweit ist, muss aus den Herren natürlich auch erst einmal THE CRIPPLED AVENGERS werden! Wie das vonstatten geht, lässt sich am besten durch folgenden Dialog aufzeigen, der während eines Duells zwischen Tin Tins Sohn und dem ersten seiner Opfer stattfindet:

Metall-Arm-Flegel: “I have no hands, you have no eyes! We’re even!”
Erstes Opfer: “I HAVE eyes…”
Metall-Arm-Flegel: Titscht erstem Opfer mit seinen Stahlfingern die Augen aus…

Blind...

Eine ganz ähnliche Masche ziehen Vater und Sohn Bösewicht auch mit den drei anderen Herren auf, die lediglich ihren Weg kreuzen und nicht vor ihnen mucken:
Opfer Nr.2 beschimpft den Vater und bekommt zur Strafe eine Flüssigkeit eingeflößt, die ihm die Stimme nimmt. Als er seine wüsten Beschimpfungen in schriftlicher Form fortsetzt, hat Daddy Evil die Schnauze gestrichen voll und schlägt dem vorlauten Mann mit den Worten: “Then I’ll make you deaf. Too!“ auch noch die Gehörgänge zu Mus.

...taub...

Opfer Nr. 3 rempelt aus Versehen den Sohn des Despoten an und bekommt, nachdem er die Entschuldigung verweigert eben mal die Beine abgehackt.
Opfer Nr. 4 nimmt Anteil am Schicksal der ersten drei, will sie rächen und wird von den Mannen Tin Taos überwältigt. Nachdem er so unvorsichtig war, zu behaupten kein Idiot zu sein, wird er dann mittels eines Folter-Instrumentes (Schädelpresse!) zu einem solchen gemacht.

... & doof!

Wo andere sich mit dem Schicksal abfinden würden, raffen sich unsere vier Kung Fu-Mannen zusammen und reisen durch die Pampa, bis sie von einem zauseligen Meister aufgenommen werden, der sie lehrt auch mit ihren Handicaps die derbsten Ässkicker im Land zu werden…

Da ist der Haufen

Unglaublich, aber wahr, was uns Hong Kongs Super-Maxe Chang Cheh (’Die 13 Söhne des gelben Drachen’) hier auf die Schirme zaubert. Irgendwo zwischen großem Drama und hahnebüchenem Slapstick-Humor, jenseits der üblichen 0815-Kloppereien und nahe den bestchoreographierten Kämpfen des Eastern-Genres tauchen die ’Vier gnadenlosen Rächer’ auf. Beeinträchtigte Superfighter, die auf dem Weg zur Rache alles erdulden müssen und doch standhaft bleiben. Sie sind die Erben Zatoichis und des einarmigen Boxers, die für jeden fiesen Trick gewappnet sind und auf jeden üblen Schachzug ein perfektes Conter haben.
Ob nun blind, taubstumm, oder lahm oder blöd, diese Jungs haben die Macht des Kung Fu auf ihrer Seite und geizen genau so wenig mit Demonstrationen ihrer Kunst, wie Regisseur Cheh mit den passenden visuellen und auditiven Umsetzungen ihrer Behinderungen.
Zwar verliert der Film mit dem letzten Drittel etwas an Fahrt, doch wird das Gesamt-Vergnügen (inklusive des erstklassig arrangierten Finales) dadurch kaum beeinträchtigt.

Eisenarm vs Cockring

’Crippled Avengers’ aka ’Die Vier gnadenlosen Rächer’ aka ’Return of the Five Deadly Venoms’ aka ’Mortal Combat’ (kein Witz!) ist eindrucksvoll inszeniertes und perfekt choreographiertes Potpourri martialischer Unglaublichkeiten. Eine solch knallgeile Wuxia-Bombe ist mir lange nicht mehr untergekommen!


Hudson