Die Nacht der Creeps


'The good news is your date is here! The bad news is he's dead!'


Originaltitel: Night of the Creeps (1986) Regie & Drehbuch: Fred Dekker
Darsteller: Jason Lively, Steve Marshall, Tom Atkins FSK: 16


In den frühen 90ern, als nach der Wende zahlreiche Versandhaus-Kataloge die ostdeutschen Haushalte überschwemmten, gab es in besagten Wälzern immer eine Doppelseite auf denen die (mehr oder weniger) angesagtesten Hollywood-Streifen auf VHS angepriesen wurden. Dabei war stets eine halbe Seite für Horror-Murks und Sci-Fi Quark reserviert. Vor allem ein Film schien in wirklich jeder einzelnen Ausgabe vertreten zu sein: ’Nacht der Creeps’!

"Jim, er ist tot!"
Das urige Cover hatte sich für immer in das Unterbewußtsein meines filmischen Gedächtnisses gebrannt und die Alarmglocken schrillten auf, als ich ihn letztens für schlappe 50 Cent in der Videothek (oder wie immer das heute heißt) meines Vertrauens entdeckte.
1959:
Ein wahnsinniger Killer treibt sein Unwesen in einer amerikanischen Vorstadt. Vor allem für die Kids, die im Auto an der Aussichtsplattform knutschen, kann das tödlich enden. Kaum sind die Credits vorbei, passieren zwei Sachen gleichzeitig: 1. Von einem Alien-Raumschiff im Orbit stürzt ein Behälter voll mit gefährlichen Killer-Parasiten auf die Erde, von denen einer direkt in den Mund eines Jugendlichen springt. Und 2. Seine Freundin wird von erwähntem Killer enthauptet.

1986:
Um ein Mädel zu erobern, versuchen die beiden Dudes JC und Chris einen Platz in einer populären College-Verbindung zu ergattern und sollen als Aufnahmeprüfung eine Leiche aus dem örtlichen Forschungslabor entwenden.

NACKT und
BEWAFFNET!
Zu dumm nur, dass es sich beim Körper ihrer Wahl um den Alien-Wurm-Wirten von damals handelt, den man (warum auch immer) eingefroren hat. Dieser erwacht kurzerhand aus seinem Dornröschenschlaf, verschreckt die zwei Jungs und tötet/infiziert einen Wissenschaftler (David Paymer, ’Payback’), welcher nun in Zombieform durch die Straßen schlürft und Alien-Parasiten in der Nachbarschaft verteilt. Das fordert natürlich schnell erste Opfer und ein hartgekochter Bulle wird auf den Fall angesetzt. Detective Ray Cameron (Tom Atkins, ’Maniac Cop’) ist ein Fall für sich. Er nimmt jedes Telefonat mit den Worten „Ich bin gespannt!“ an, liest Raymond Chandler Romane und kommt mit Sprüchen wie „Ich glaub, ich bin hier in einem B-Film und nicht bei der Mordkommission.“ daher. Zufälligerweise ist er auch der Ex-Freund der enthaupteten Dame von vor 27 Jahren und hat sich emotional von diesem Ereignis immer noch nicht lösen können. Die Zwischenfälle häufen sich und bald und immer mehr Leute (Lebendige, als auch Tote) werden von den Parasiten befallen...

Eine gar köstliche Hommage an den klassischen Horrorfilm, die uns ’Monster Busters’ Regisseur Fred Dekker hier serviert. Er ergänzt das mit uralten Klischees bestückte Prinzip durch moderne Elemente (Zombies u.a.) und witzige Gimmicks, dass vor allem Genre-Freunde besonderen Spass an dieser recht originellen Grusel-Schose haben werden. So lesen sich die Namen der Charaktere wie das ’Who is Who’ der amerikanischen Genre-Regie (Cronenberg, Landis, Romero, Raimi etc.), an einer Wand befindet sich ein Graffitti der ’Monster Busters’ und im Fernsehen zieht sich Tor Johnson aus seinem Grab in ’Plan 9 from outer Space’.
Die Effekte sind für einen Film dieser Kategorie ordentlich gemacht. Unter der recht jungen Darstellerriege sticht vor allem Oldie Tom Atkins mit seiner lakonischen Macho-Attitüde hervor und in einer Nebenrolle ist Genre-Veteran Dick Miller (’Gremlins’) zu sehen.

Er ist gespannt.

’Nacht der Creeps’ ist ein unterhaltsamer Horror-Spass, von Freuden des Genres für Freunde des Genres. Ein film-gewordenes Augenzwinkern, das Laune macht zur Mitternacht!

Hudson