Creatures from the Abyss


‘Carnivorous fish that live out of water?
Now we know why this ship has no crew!’


Originaltitel: Plankton (1994) Regie: Alvaro Passeri
Drehbuch: Richard Baumann
Darsteller: Clay Rogers, Michael Bon, Sharon Twomey FSK: 16


Finally revealed: Where your Sushi really comes from!

Es brodelt im ominös beleuchteten Hochsee-Labor, es peitscht, es zündelt und es ätzt. Die Reagenzgläser platzen, die gefrorene Kaulquappen-Bowle entledigt sich der Minusgrade und geht auf Killertour von der Kombüse bis zum Lido-Deck. Derweil paddeln fünf verpeilte Mittzwanziger, die genretypisch als Teenies herhalten müssen, in ihrem ‘Stars and Stripes‘-farbenen Gummiboot gen ’USS-Doomed to die’, eben jenem Schiff, auf dem das Labor aus Szene eins immer noch neonfarben brutzelt.
Willkommen zu ‘Creatures from the Abyss’, das mit Baujahr 1994 eine der letzten Genre-Pistolen des italienischen Exploitation-Booms war, der uns viele Klassiker und noch viel mehr Gurken bescherte.

„Na Klasse, das ist genau was wir brauchen. Wir stecken mitten im Ozean fest. Es tobt ein Gewitter und wir sind auf einem Geisterschiff.“

Schade, dass der Bär nur eine Statistenrolle in dem Streifen hat

Immerhin ist es ein furchtbar luxuriöses Geisterschiff, inklusive gut befüllter Party-Bar mit Disco-Kugel und Dance-Floor, Kajüten mit grenzwertig schmieriger Neonbeleuchtung, eine Gourmet-Küche voller erlesener Knabbereien, abgerundet mit einer sprechenden Bordcomputer-Uhr, die jeden dumm anlabert, der in Reichweite ist und einer nicht minder kommunikationsfähigen Dusche, die sexuell animierende Massage-Tipps gibt.
Klingt bis dahin ganz erträglich, doch im dubiosen Keller stapelt sich als Drogen verkleidetes Mutationspulver in Tüten, gleich neben dem einzigen Überlebenden des kürzlich stattgefundenen Desasters, der im angekokelten Kittel und mit Schaum vor dem Mund für passende Stimmung sorgt, als er die Dumpfbacke mit der blonden Dauerwelle ins gebräunte Winkfleisch beißt.

Dialog folgt:

Blondie mit Make-Up das auch einem peitschenden Hochseesturm standhält: „Was für merkwürdige Fische!“
Spargeltarzan mit Brille: „Die haben sie mit einer Taucherglocke gefangen. Fische dieser Art gibt es nur in großen Tiefen?“
Le Blonde (verarbeitet die großen Worte ihres Gesprächspartners): „Dann sind sie… tot?“
Nerd (unbeeindruckt): „Natürlich. Sie sind konserviert worden.“
[…]
Hohle Brünette: „Was ist das denn?“
Nerd (ist mittlerweile in seinem Element): „Das sind Fischzellen. Wer weiß, was die damit anstellen?“
Lady Gaga (perplex): „Weeer?“
Professor Untat (leicht genervt): „Die Chemiker natürlich. Ich wette, das hier ist ein Elektro-Mikroskop.“
Und sie so: „Woher weißt du das?“
Und er so: „Ich hatte Bio-Leistungskurs in der Schule.“

Aaaawww, sleepy face!
Und außerdem war er mal Fensterputzer in einem Wettbüro. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, erkennt bereits die bedenkliche Darstellung der rundum fehlenden weiblichen Intelligenz, die hier geradezu unverhohlen zelebriert wird. Die Frauen im Film sind entweder dumm oder hysterisch (meist beides), die Männer geil und hirnlos oder überfordert und intellektuell. Obwohl ich Nerd Mike mit dieser Verallgemeinerung Unrecht tue, immerhin hat er eine Freundin und die ist auch noch schwanger. Wahrscheinlich sogar von ihm. Damit ist er allerdings der einzige, der halbwegs die Sympathien des Publikums auf einen Notgroschen anhauen kann.

„Wir kommen hier nie lebend raus! Wir werden hier alle sterben!“

Das kann man nie wissen. Fest steht jedoch, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Jaaa, greif der Lampe an den Schalter!
Spätestens wird das klar, als das gebissene Minipli-Madel nach dem Abendbrot (zappelnde Sprotten aus der Flambier-Pfanne) ganze Hirschkäfer auskotzt. Was rein akustisch immer noch erträglicher ist, als der Großteil der Debilo-Vertonung, die vor allem bei den weiblichen Darstellern dank Unmengen von Geschrei und Gezeter die Grenze zur Erträglichkeit schrammt. “Abyssmal“ würde der Angelsachse sagen.
Bevor dieser Text hier aber zu einer abwatschenden Mömömö-Show wird, will ich mal schnell die Kurve zu den zuweilen unglaublichen Schauwerten des Filmes kriegen.
Das geht schon los bei der knallbunten Neon-Optik, die zuweilen an den Look Frühneunziger-Hong-Kong-Streifen erinnert und ‘Creatures from the Abyss‘ visuell von ähnlichen Produktionen des Genres abhebt. Wenn dann schließlich die Effekt-Register gezogen werden, dürfte Freunden von überbordender Grütz-Darstellung die Hose tropfen: Da fliegt der Augapfel, da tropft der Schleim, da blinken die Tiefseeglupschguckerchen, Tentakeln kommen aus Abflüssen geschossen, krustige Extremitäten aus Frauenärschen, Kaviar-Muppe aus dem Schlüpferbereich, Fischköpfe aus Männerschlünden. Exzessiv. Und zwischendurch wird natürlich auch immer mal wieder die eine oder andere blanke Brust vom blauen Neonlicht zärtlich umspielt. Gerne auch paarweise.

Dem platzt der Kragen...
„Es gibt einige Dinge die mich verwirren. Der Typ, den wir im Wasser gesehen haben war sicherlich einer der Schiffscrew. Er sah ziemlich Scheiße aus, als ob Piranhas an ihm herum geknabbert haben. Aber wie wir hier alle wissen, leben Piranhas in Flüssen. Vielleicht finden wir ja im Labor eine Antwort darauf, ob das wahr ist oder nicht“

Ob Piranhas in Flüssen leben? Da solltet ihr doch lieber in Flüssen nachschauen. Vielleicht auch keine schlechte Idee für ein Sequel: ’Creatures from the Ab-Flüss’ (sorry), auf das (typisch für diese Art von Film und ich HASSE dieses Klischee) in der letzten Einstellung hingedeutet wird.
Ein weiterer Wermutstropfen ist die Tatsache, dass zwischen den amüsanten Attacken – in denen es den Viechern mit Macheten, massiven Kieferknochen und Matschbirnenlogik an die Schuppen geht - immer wieder erstaunlich viel Ruhe in den Film zurückkehrt. ZU VIEL Ruhe für eine Klamotte, in der soeben ein fliegender Fisch einer Dame in den Ausschnitt geflogen ist und einen Parkplatz auf dem Warzenhof sucht.
Während dann auf der einen Seite gevögelt wird, analysiert der Nerd im Labor die Daten oder liest dem Publikum aus seiner Koje die Datenanalyse der kürzlich dahingeschiedenen Mad Scientists vor: „Bezeichnend ist das Fehlen jeglicher weiblicher Form. Die Kreaturen sind fleischfressend und schwul. Was für eine Scheiße!“

„Professor! Seit wann bumsen sie diese Fische?“
„Grrrr… Sie haben das richtige Alter… das richtige Alter!“

...dem platzt der... Platz!

‘Creatures from the Abyss‘ kommt wie ein letztes Auflehnen gegen den Untergang einer glorreichen Tradition grün-weiß-roter Zurschaustellung exploitiver Resteverwertung daher und darf getrost als Nachwehe einer der wundervollsten Ären des Schund-Kinos bezeichnet werden. Bald darauf hieß es „finito, amico“.
Der Streifen ist schlichtweg strunzdoof, funktioniert aber als abgespeckte Version aus den Fugen geratener italienischer Genre-Exzesse a la ‘Demons‘ und ‘Die Insel der neuen Monster‘, leider ohne die kultigen Darsteller, dafür mit der Extra-Portion Neon-Grütze. Kein guter Film, aber unterhaltsam genug, um diese ganzen gut/schlecht-Dogmen links liegen zu lassen und sich ob der offenbarten Absurditäten freudig zu wundern. Was mich persönlich am meisten gewundert hat, war, dass ‘Creatures from the Abyss‘ trotz seiner unverblümten Zurschaustellung dreier Bimbo-Bratzen doch tatsächlich den Bechdel-Test besteht.


Hudson