Counter Destroy


‘Falltüre durch die Zeit‘


Originaltitel: Counter Destroyer (1989) Regie: Edgar Jere
Drehbuch: Die Seelen von 1000 Verwirrten
Darsteller: Richard Philips, Ted Wald, Eddie Leo FSK: 18


Äh... achso?!
Huch und Hilfe! ’ne ’Thomas Tang’ – Produktion (’Ninja: The Battalion’) und schon zu Beginn überschwemmen den Zuschauer bleiche Großstadt-Bilder (bei Tang wahrscheinlich Hong Kong, sieht aber eher nach Erfurt aus), zudem Zupfgeigenklänge, die möglicherweise einer x-beliebigen ZDF-Nachmittagsserie entlaufen sind. Willkommen in der großen, weiten Welt des Ninja-Films.
Zwei Damen, so häßlich wie die Nacht (nix für ungut Mädels, aber bei euch ist jeder Gesischts-Chirurg verloren!) beziehen ein leerstehendes Anwesen, um für einen ominösen ’Boss’ ein Drehbuch zu schreiben (dann kann nur Thomas Tang der Boss sein!).
Vor dem Haus werden die zwei Grazien von einem sogenannten Tao-Priester begrüßt, der gerade einen Unterschenkel-Knochen poliert und brennende Zigaretten verspeist. Die Begegnung führt zu einem der dämlichsten Dialoge die ich seit langem vernommen habe und gipfelt in einem Stand-Off zwischen Tao-Unterschenkelknochen und Lady-Mini-Beretta. Auch das führt zu nichts, was aber völlig egal ist, denn es folgt (in nicht unbedingt dieser Reihenfolge) die unzumutbarste Fun-Gülle, die man sich vorstellen kann:

- Hauptfiguren wechseln im Minuten-Takt, (deren Synchronstimmen immer ein bissel später)
- Melodien-Niveau rutscht auf Porno-Musical-Level, macht dann kehrt zu Cop-Film-Saxophon & Gitarren, um sich letztens für Hundepfeifen auf Steel-Drums zu entscheiden
- Hüpfende-Clown-Zombies (siehe auch ’Die unschlagbaren Supernieten’) bekämpfen manisch hampelnden Typen mit Riesen Yin-Yang auf der Brust
- Frau reißt chinesischem Gangster mit russischer Schapka ein Stück Haut von der Hand und schmiert Killer-Lippenstift drauf, worauf der Typ konvulsierend zu Grunde geht

Boah, dieses Shirt ist vielleicht scheußlich...

- mehr Hüpf-Zombies: Einer jagt einen Touri mit Cartoon-T-Shirt und Gürteltasche durch den Wald, zwei kämpfen gegen den Weißen Ninja ™ von Scarefoot-Castle und einer will im Swimming-Pool den beiden Ischen vom Anfang an den Bikini
- Gangstertreffen im Wohnzimmer des chinseischen Charles Bronson
- farblich unpassend hineinkopiertes Shoot-Out-Archiv-Material / Gegenschnitt -> Zurück im Film: Ein Gangster tut so, als wäre er getroffen und stolpert über die Palisade
- das Lovechild von ’Freddy Krüger’ und ’Sadako’ (hält sich selbst für den Geist des Kaisers von China) benötigt eine weibliche Hülle und wetzt im Haunted House umher
- eine Szene, in der ein Bösewicht von den Truppen des Guten umzingelt wird und als letzten Ausweg den Freitod per Kopfschuss wählt, woraufhin eine Protagonistin “Halt!“ schreit und ihn mit einem MG bedroht (nachdem der Schuft ihr dann aber doch zuvor gekommen ist, schafft er es tatsächlich noch, die Waffe auf den Fussboden zu legen).

...der rosa Gürtel hier
ist auch nicht besser.
Zum Finale gibt’s dann ganz, ganz großen Hau-Ruck, als zuerst der Touri von vorhin im Haus ankommt, wo eine der beiden Tanten schon von dem Freddy-Sadako-Amalgamat begattet wurde und die zweite gerade von seinem Geist (remember, remember: der Kaiser von China!) ’übernommen’ wird. Das wiederum veranlasst den Touri, sich 5 mal um die eigene Achse zu drehen und sich dann in die Plasteline-Version von RoboCop zu verwandeln, um gegen das Ding anzutreten. Derweil auf dem Nachbarsgrundstück: Der Leib der bereits begatteten Dame beginnt (zu deren Entsetzen) anzuschwellen, wird größer und größer, bis er explodiert. Heraus springt ein Hüpf-Zombie-Kind (nee, echt!), das sich zwei weiteren bösen Hüpf-Zombies mit den Worten: “Jetzt zahl ich’s euch heim, dass ihr meine Mutter getötet habt!“ zum Kampf stellt und sie kurz darauf vom Dach aus anpinkelt. Schließlich kommt der Tao-Prister vom Anfang und bringt dem Kind Manieren bei (nee, echt: “Das darfst du nicht machen.“ “Dein Vater ist ein Vampir, du darfst keine bösen Sachen machen, sonst wirst du wie er.“ etc.) Aftermath:
Am Grabe der Toten (den internen Kaiserschnitt hat die Gute schließlich nicht überlebt, sie hieß übrigens Cindy Smith, was mit Blut auf ihrem Grabstein gekritzelt wurde) steht Dame Nr. 2, die vom Touri mächtig angegraben wird. Während die beiden sich irgendein Motel suchen, schwenkt die Kamera zurück zum Grab, wo eine Klauenhand aus dem Boden schnellt. Na Mensch, jetzt hab ich ja schon wieder alles verraten.
Leute, ich muss wohl nicht mehr viel sagen, außer vielleicht:
Die aus zig Restebeständen zusammengestückelte Story verhindert, dass der Film zur supertollen Trash-Klamotte gerät und verscherzt es sich somit leider kräftig auch bei den standhaften Müll-Konsumenten.

Na endlich: Die Mode-Polizei!

Vor dem Film ist nach dem Film: Die schlechtesten Akteure Hong Kongs, mit den beschissensten Frisuren Asiens, synchronisiert von den miserabelsten Sprechern der Welt. So wertvoll wie ein kleiner Knochenbruch. Nur für die ganz, ganz, ganz harten Jungs mit kugelsicheren Schwimmärmeln.

Hudson