Contaminator - Mordmaschine aus der Zukunft


‘A terrifying odyssey into the unreal.’


Originaltitel: Terminator II (1990)
Regie: Bruno Mattei Drehbuch: Claudio Fragasso
Darsteller: Christopher Ahrens, Haven Tyler, Geretta Geretta FSK: 18


Venedig ist tot. Es lebe Venedig.
In einer womöglich nicht allzu fernen und ziemlich italienischen Zukunft ist die Stadt der Kanäle und Gondolieri eine verlassene Zone, in deren Untergrundtunneln eine Anlage installiert wurde, die dafür sorgen soll, das Wasser mal wieder ein bisschen aufzuklären. Doch da kommt ein Notruf aus den Gemäuern: ’Zu Hülf. Zu Hülf! Wir derden attackiert!’
Im Auftrag der ’Tubular Corporation’ wird ein Einsatztrupp standhafter Männer und Frauen der ’Megaforce’ in die ’Todeszone’ geschickt, um die Situation zu klären, das Hauptquartier zu evakuieren und wichtige Unterlagen zu sichern. Doch unter der einstigen Toursimus-Metropole lauert das unbeschreibliche Grauen und unter den Marines befindet sich ein Verräter, der nur auf den richtigen Zeitpunkt wartet. Die Mission ist zum Scheitern verurteilt…

“Was verdammt nochmal denkt ihr, ist das hier? Ein Vergnügungstrip nach Venedig in einer plüschbesetzten Gondel? Ihr seid keine Pfadfinder auf Entdeckungsreise. Ihr seid Marines! Die Megaforce! Der nächste, der sich meinem Befehl widersetzt kriegt eine Kugel zwischen die Augen. Ist das klar?!“

"Kann mir jemand mal die Nase putzen?"

Mit ’Contaminator’ lieferten Vincent Dawn (aka Bruno Mattei aka der Regisseur von ’Die sieben glorreichen Gladiatoren’) und Clyde Anderson (aka Claudio Fragasso aka der Mann, der uns ’Troll 2’ gab) den wohl frechsten Genre-Ripoff aller Zeiten ab.
Zu sagen, der Film bediene sich bei James Camerons ’Aliens’, käme der Behauptung gleich, auf der Sonne wäre es ganz schön warm.
Schon nach fünf Minuten ist klar: Hier ist überhaupt nix okinal! Das geht schon bei den Gestalten los, die uns als ’Schauspieler’ auf der einen, als ’Charaktere’ auf der anderen Seite präsentiert werden. Allesamt und durch die Bank weg bei dem ’86er Sci-Fi-Horror-Action-Hit gemopst.
Wir haben einen ’Ripley’-Aufguss, ein ’Vasquez’-Derivat, eine ’Hudson/Drake’-Mische einen ’Hicks’-Verschnitt, einen ’Newt’-Abklatsch (mit rosa Schleifchen im Haar!) und eine ’Gorman/Burke/Bishop’-Schnittmenge.
In einem Moment sabbeln sie noch in der Umkleide und ahmen das übergroße Vorbild nach, im nächsten wandern sie schon duch die infizierten Katakomben, sprich: Kilometerlange, unterirdische Heizungskeller einer ausrangierten Spaghetti-Fabrik und ’hochtechnisierte’ Commando-Zentralen, die an alte Stasibüros erinnern.

"Tja öhm... und sonst so."
"Joa, ne... muss ja."
Statt richtiger Militär-Ausrüstung gibt’s blau-gelbe Neopren-Westen, Moped-Helme (C.H.I.P.s lässt grüßen) und schwarz lackierte Wasserpistolen.
Die Monster sehen aus wie geschmolzene Spielfiguren von der ’Wilden Horde’, haben nur die ’Buhu-der-Butzemann’-Moves im Repertoire und schleimen um die Wette.
Dass hier tatsächlich Effektleute am Werk waren, die schon bei ’Star Wars’ und später bei ’Starship Troopers’ mitarbeiteten, ist schlichtweg absurd.
Aber nichts ist so absurd, wie der ungeniert zelebrierte Raubbau bei ’Aliens’.
Der ’Motion-Tracker’ (plus der gesamten ’Countdown’-Szene) ist hier genau so mit dabei, wie das kleine verängstigte Mädchen, das aus den Zwischenböden gezerrt werden muss (ja, sie beißt auch einem Marine in die Hand), eine ’Mann-ist-in-Kokon-eingesponnen-und-keucht-“Tötet mich!“ Szene und und und…
Jetzt denkt der eine oder andere vielleicht: ’Ja, krieg dich mal ein, Keule!’ aber NIX DA! Dieser Film klaut so frech ganze Einstellungen, Sequenzen, Beleuchtung, Geräuschkulisse und Dialoge (“Die haben den Strom ausgeschaltet“ “Was soll das heißen, ’die’?“), dass es Mattei und seinem Team gar nicht aufgefallen ist, wie bescheuert er dadurch im Vergleich ausfällt.

Im falschen Film?
Wer nun meint, das Minus-Flausen-Urteil wäre bereits beschlossene Sache, der irrt. Denn (auch auf die sichere Gefahr hin, mich zu wiederholen und mir selbst zu widersprechen) obwohl dieser Film ein dreistes Versatzstück ist (oder vielleicht auch [Schock!] gerade deswegen!) zuckt er so locker flockig an einem vorbei, dass Kollege Nool (Gott verfluche ihn!) einst meinte: “’Contaminator’ ist ’Aliens’ nur ohne Budget, gute Schaupieler und [Argh!] auch ohne die langweiligen Teile.“ Obwohl jeder Mensch weiß, dass es keine langweiligen Teile in ’Aliens’ gibt, hat er auf gewisse Art Recht. Würde sich ein trashfester Sci-Fi-Onkel ’Terminator 2’ (unter diesem Alternativ-Titel wurde der Film in Italien nämlich vermarktet. No Shit!) abseits des ’Aliens’-Schatten ansehen, würde er sich wahrscheinlich sogar gut unterhalten fühlen.
Und langweilig wird’s hier selten, denn wenn mal die ’Aliens’-Zitate aufhören, fängt der Film an, auf eben dieselbe rotzfreche Art bei ’Terminator’ zu mopsen.
Eins haben Mattei, Fragasso und ihre Strippenzieher auf jeden Fall gewusst: Wenn du klaust, dann mach’s beim Besten.

“Mami hat immer gesagt, dass es sowas wie Monster nicht gibt. Aber das ist nicht wahr!“ Uups völlig falscher Film!

"SARAH CONNOR!?"
"Ähm... nein!"

Fazit: Dreist, dreister, ’Contaminator’! Der Film kopiert beinahe Szene für Szene eins der besten Genre-Werke aller Zeiten und schon allein deswegen sollten seine Macher mit dem vorliegenden Tape windelweich geprügelt werden. Für ’Aliens’-Hardcore-Fans birgt der Film ein Ärgernis nach dem anderen.
Doch obwohl ich selbst zu besagten Leuten gehöre, schlägt ein schwarzer Teil meines Herzens für genau solche schamlosen Ramsch-Granaten, die einen auf Kosten anderer irgendwo zwischen fassunglosem Kopfschütteln und fiesem Grinsen sitzen lassen.
Zuschauer mit Sehgewohnheiten oberhalb des Meeresspiegels sollten tunlichst ihre Netzhäute schonen und gleich zum Original greifen. Das gleiche empfehle ich allen Anderen natürlich auch. Aber die ganz harten Jungs… Ja ihr! Ihr wisst schon! … die ziehen sich dieses Teil danach zum Dessert rein. Mhm… Saure Gurken mit Nutella!


Hudson