Conquest


‘A terrifying odyssey into the unreal.’


Originaltitel: Conquista, La (1983) Regie: Lucio Fulci
Drehbuch: Gino Capone, José Antonio de la Loma, Giovanni Di Clemente, Carlos Vasallo Darsteller: Jorge Rivero, Andrea Occhipinti, Conrado San Martín FSK: 18


“Da strahlte der Bogen in einem göttlichen Glanz und sandte einen Pfeilhagel aus tödlichem Licht gegen alle seine Feinde!“
“Das war Zauberei, nicht war Vater?“
“Nein, das war ein Zeichen dafür, dass aus Kronos ein Mann wurde.“

Uups, naja, auch ein Barbar kann sich mal irren. Und unser Held Ilias ist gerade mal ein halber. Von seinem Vater in die Welt hinausgeschickt, mit einem Zauberbogen als Waffe, gelangt er in ein düsteres Reich, das nicht nur mit dem schwammigsten Weichzeichner diesseits italienischen Softporns aufwartet, sondern auch Gefahren birgt, denen sich Ilias alleine nicht stellen kann.

Da fehlt doch was!
Die Bedrohung in ’Conquest’ ist eine nackige Hexe mit Federboa, deren Schädel unter einer Goldmaske verharrt. Ocron (Sabrina Siani), so heißt die Irre, herrscht über eine Armee von muskulösen Masken-Meuchlern und sprechenden Trash-Wookies, die für sie durch die Büsche robben und knackige Jungfrauen einsammeln.
Um der Monster-Mischpoke Stand zu halten, verbrüdert sich Ilias mit dem einsamen Super-Warrior Mace (“Meine Feinde nennen mich Mace.“ “Und deine Freunde?“ “Ich habe keine Freunde.“). Gemeinsam versuchen sie, Ocron von ihrem Thron der Finsternis zu stoßen. Doch die Übermacht ihrer Diener ist beinahe allmächtig…

Das Conquest-Bestiarium: Eimerköppe, verschiedenster Coleur

Um ganz ehrlich zu sein: Ich erwarte gar nix von Filmen, bei denen Lucio Fulci seine Griffel im Spiel hatte. Mag er in einigen Kreisen als noch so kultig und/oder talentiert gelten, ich konnte dem Mann und seinen Werken bislang nichts abgewinnen.

"Gibt's hier denn überhaupt
keine richtigen Pfeile?"
’Conquest’ war Fulcis Beitrag zum boomenden Barbaren-Genre. Warum nicht. Er ist Italiener, kennt sich mit Blut und Brüsten aus, beste Vorrausetzungen für ein weiteres ’Conan’ Rip-Off, ich war entgegen besseren Wissens gespannt.
Den ersten Eindruck, den der Film erweckt ist: Oha! Fulci hatte ’nen Vetter in der Nebelmaschinen-Branche, den er reich machen wollte. Denn was hier an blassem Dunst verschossen wird, ist schon nicht mehr feierlich. Praktisch ist es freilich auch, denn durch den Schummerfilter werden die exorbitanten Unzulänglichkeiten der Ausstattung, Darsteller und Beleuchtung auf einfachste Art kaschiert.
Jorge Rivero (’Fist Fighter’) ist ein Art Synthese aus Miles O’Keefe und Ralph Möller, stampft seiner Rolle entsprechend emotionslos durch die dichten Nebelschwaden und haut drauf, wenn’s drauf zu hauen gibt. Sabrina Siani hielt ihr Gesicht (das hier völlig verdeckt bleibt) bereits in ’Ator’, ’Gunan’, ’Throne of Fire’ und ’Schwert des Barbaren’ in die Kamera, somit ist sie wahrscheinlich die barbarischste Schauspielerin aller Zeiten. (Glückwunsch! Den Preis dafür kann sie sich in der FlausenZentrale abholen.)

"Sagt mal, übertreibt's der Lucio
nicht ein bissel mit dem Nebel?"
"Och, wir finden's ganz nett!"
Als Ersatz für ’echte Namen’ haute Fulci auf seine Trademark-Bluttrommel, matschte Eiterbeulen, Platzwunden und deftigen Hirn-Pansen unter den Rauch und hetzte einige urige Wesen (moddrige Wasserzombies, staubige Spinnweb -Eumel und Gummifledermäuse) durch die Landschaft. Dabei kommt er auf ein paar abgefahrene Ideen, die man ihm wirklich zu Gute halten muss (Stichwörter: ’Mit Asche einreiben’, ’Zora’ ’die blauen Pfeile’ und ’Ocrons wahres Antlitz’). Alles andere als gut ist der Score. Die Mucke erinnert vornehmlich an ein altes Leierkasten-Mixtape, das irgendwann die Biege machte und sich jetzt nur noch rückwärts abspielen lässt (ab und an ertönt sogar das Geräusch, das ’Super Mario’ macht, wenn er ein Extra-Leben bekommt).

“Das ist Elsa.“
“Ist sie deine Frau?“
“Sie ist es jedesmal, wenn ich diesen Ort besuche. Du kannst sie auch haben, wenn du möchtest.“
“Nein, das möchte ich nicht“
“Gut, dann nimm ihre Schwester.“

’What the world needs now, is love, sweet love.’

Wenn man sich mit der 08/15-Story abgefunden, die Musik innerlich ausgeblendet und die Jalousien für die düster-schwammige Optik herunter gelassen hat, könnten gewillte Genre-Partisanen hier durchaus ihren Spaß haben. Fulci-Fans bekommen eine Hand voll Splädder, Barbaren-Fans bekommen Fellschürzen und Trashmonster und für romatisch-verkitschte Frauen gibt’s sogar Delphine, die einen muskulösen Mann vom Kreuz knabbern (jaha, wer geglaubt hat, dass Fulci seine ’Zombie vs Shark’-Chose nicht mehr toppen kann, der wird hier eines besseren belehrt!).


Hudson