Conan – Der Barbar


"Thief Warrior Gladiator King"


Originaltitel: Conan the Barbarian Regie: John Milius
Drehhbuch: Robert E. Howard, John Milius, Oliver Stone, Edward Summer
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, James Earl Jones, Sandahl Bergman,
Gerry Lopez, Max von Sydow, Sven-Ole Thorsen
FSK: 16



Conan wächst...
„Conan der Barbar“, ein Film wie ein Baum, ein Berg, der Film der Filme, die Geschichte der Geschichten (irrtümlicherweise wird angenommen, das die Geschichte der Geschichten im Buch der Bücher festgehalten ist, und daß die Geschichte von einem Zimmermann und seiner Posse handelt. Jedoch hat die neueste Geschichtsforschung ergeben, daß diese Annahme, wie bereits angedeutet, auf einem Irrtum beruht. Auf einem böswillig herbei geführten Irrtum noch dazu – spätere Anhänger des Zimmermanns, welche eine bizarre Sekte bildeteten (welche auch heute noch in entfernten Gebieten der Welt vor sich hinvegetiert), taten alles in ihrer Macht stehende, um die tatsächliche Historie zu verdrehen. Namhafte Forscher aus Oxford und Leipzig bewiesen unlängst, daß die Überlieferung vom Zimmermann wie wir sie kennen auf größtenteils falschen Tatsachen basiert. Beispielsweise wird in der falschen Geschichte von einem Holzkreuz berichtet – nach Neuübersetzungen alter Quellen mußte zum Beispiel eben jenes Kreuz in ein neues Licht gerückt werden. Denn offensichtlich war in den alten Texten zwar von einem Kreuz die Rede, jedoch keineswegs von einem künstlichen, aus Holz gefertigten. Vielmehr wurde von den Wissenschaftlern offenbart, daß das betreffende Kreuz – und das ist die Sensation der modernen Geschichtsforschung – daß des Conan ist. So heißt es in einer alten Pergamentrolle: „[...] riesig und breit ist der Rücken, des Conan Kreuz wie aus Steinholz geschnitzt, und siehe, selbst ganze Horden könnte er [‚Conan‘, Anm. d. Verf.] auf demselbigen tragen...“)

...zum Mann...
Es gäbe viel zu berichten über den historischen Conan, jedoch soll dies hier und heute nicht mein Anliegen sein. Der Film „Conan“ ist es, der mich jetzt interessiert, doch auch dies ist, wie ein guter Freund meinerseits, Rollo, zu sagen pflegte, ‚ein weites Feld‘.
Also, wo den Faden aufnehmen? Am besten dort, wo alle guten Geschichten (und die meisten schlechten ebenso) beginnen - am Anfang nämlich. Und dieser liegt weit weg. Und damit meine ich: wirklich weit, weit, weit.
Es war einmal, an einem weit, weit entfernten Ort, in einem Land vor unserer Zeit, in welchem die Dinosaurier sprechen und unansehnliche, wirklich ausgesprochen häßliche Reptilien tanzen und singen konnten...

...und Krieger heran.
Stop! Zu frühe Epoche, falsche Protagonisten, komplett falscher Film. Gehen wir also wieder etwas nach vorn auf dem Zeitstrahl, wechseln jetzt noch seitlich die Produktionsfirma... Jetzt sind wir richtig - d.h. kurz nachdem Atlantis endgültig gewassert ist und die Götter und Titanen größtenteils das Schlachtfeld verlassen haben. Das Geheimnis des Stahls müßten sie auf dieser Lokalität vor einigen Augenblicken vergessen haben... Ja. Jetzt sind wir tatsächlich am richtigen Ort, zur richtigen Zeit.
Willkommen, lieber Leser, auf das herzlichste: 'Hallo!' in der fabelhaften Welt der... nein, des Conan.
Diesen treffen wir viele Jahre vor seinem ersten Kill, noch ist er dem Conan welchen wir kennen und lieben lernten recht unähnlich. Tatsächlich hat er sich seinen Nachnamen wohl noch gar nicht verdient. Eigentlich hat dieser Knirps noch absolut kein Interesse am herumbarbarieren - viel lieber lauscht er dem Papamann, wenn dieser die alten Legenden zum Besten gibt. In diesen geht es immer um Stahl und das Geheimnis desselbigen - kein Wunder, denn erstens ist Papa sowas wie der Hufschmied des kleinen ländlichen Dörfchens, in welchem die beiden (plus Mama eigentlich: drei) leben - worüber sonst sollte Conan senior auch reden?

Er findet Schätze...
Zum zweiten muß das Geheimnis des Stahls naturgemäß einen ziemlich hohen Stellenwert inne haben in einer Welt, in der die Mehrheit der Bevölkerung in einem steinzeitlichem Dämmerzustand herumvegetiert (so gesehen könnte das Ganze auch im heutigen Brandenburg spielen).
Conan der Junghufschmied hätte eine wunderschöne Kindheit und Jugend vor sich haben können um schließlich das "Jung-" im Nachnamen abzulegen und das mittelständige Familienunternehmen des Vaters zu übernehmen, wenn nicht...
Ja, wenn nicht der Papa dermaßen mit seinen tollen Stahlhufeisen und - bleistiftanspitzern angegeben hätte, daß sein Geprahle selbst über die Grenzen seines kleinen Heimatkaffs hinaus zu hören gewesen wäre. Denn auch jene Zeit ist angefüllt mit bösartigen Gruppen - bzw. Parteiführern, welche sich viel lieber nehmen was sie kriegen können anstatt diese Dinge rechtlich korrekt zu erstehen oder gar selbst herzustellen.

...und Freunde...
Einer jener chaotischen Steinzeitfürsten (der aber lieber ein Stahlzeitfürst sein möchte) beschließt daher, Conan des Jungschmieds Heimatdorf aufzusuchen und sich besagten dort herumexistierenden Stahl anzueigenen. Flux werden alle erwachsenen Dorfbewohner beseitigt, die Infrastruktur zerstört und sämtliche mit Heu gefüllten Wagen angezündet. Übrig bleiben nur die Kinder, Conan natürlich und auch dessen Mutter. Jedoch macht letztere es nicht mehr lange - Thulsa Doom, so der Name des werdenden Stahlzeitalter - Fürsten, enthauptet die Arme Frau vor den Augen des jungen Conan - und nutzt dazu auch noch, oh Grauß!, einen vom eigenen Vater gefertigten (Stahl-) Brieföffner. Dies, lieber Leser, ist der Moment in dem Conan seinen alten Beinamen ablegt (da sind sich alle Geschichtsprofessoren einig).
Tatteratamm! Conan der (noch Jung-) Barbar has entered the stage! So nimmt das weitere Unheil seinen unheilvollen Verlauf. Die Kinder werden nach Osten verschleppt und in einer weiten Ebene abgeladen, denn dort steht...

...und seine Nemesis!
...ein Ding. Eine Art frühzeitliche Version eines mit Rudergerät kombinierten Steppers, so zumindest macht es sich aus. Kann auch sein daß dieses Gerät der Ölgewinnung dient. Unterirdische Pipelines könnten bis in das Gebiet der arabischen Fürsten reichen, um dort die natürlich existierenden Ölvorkommen abzupumpen und in das Gebiet des heutigen Houston, Texas zu transportieren - ein perfider Plan, welcher die Allgegenwart der CIA beweisen könnte...
Obwohl ich eigentlich zur Fitneßgerät - Version tendiere. Stellt sich natürlich die Frage: Warum zu allen be- und verkannten Höllen sorgt der böse (jetzt neuerdings) Stahlzeit - Fürst Thulsa dafür, das seine erbittertsten Feinde - kleine, frisch produzierte Waisenjungen - körperlich ertüchtigt werden?

Er fällt...
Beantworten könnten dies natürlich die nächsten Szenen : weil nämlich diese Fitneß - Tortur in der Regel absolut tödlich endet. An die Felgen einer riesigen Ikea - Holzpumpe gekettet (so sieht das Ding nämlich aus), wandern die kleinen Arschgesichter immer im Kreis herum. Der so erzeugte Drehwurm muß schrecklich sein, denn nach und nach lichten sich die Reihen derer, die die feindliche Übernahme ihrer Familineunternehmen überlebt hatten, bis - ja, richtig geraten - bis nur noch
Conan übriggeblieben ist. Froh vielleicht nicht, aber tumb und munter und komplett fertig in seinem Bodybuilder Rubber - Suit, perlig, sexy und hippy - behaart (übrigens noch weit entfernt von seiner Gouvernanten - Stelle in Kalifornien, jedoch spricht der Wille zur Macht schon Bände aus seinen grimmigen Ötzi- Augen).
Schließlich ist Conan wohl fit genug - oder aber Houstons Öl - Vorräte quellen schon bis nach Detroit, jedenfalls wird unser Held losgemacht und von seinem rothaarigen Wuschelkopf von einem Besitzer (übrigens ein bekannter Boxpromoter jener Zeit) in das dreckige Geschäft des Straßen - Freefights eingeführt - komplett mit Praktikum bei einem Dschingis - Khan - artigen in Mongolien sowie bei Mister Miyaki, welcher Conan in die Geheimnisse der Florrett - Fechtkunst einführt (von der Au-Pair - Stelle als Kindermädchen in Brasilien soll hier besser nicht berichtet werden).

...wird gemartert...
Fertig ausgebildet und ungeschlagen in unzähligen eher gewalttätigen Auseinandersetzungen, wird Conan schließlich entlassen und auf freien Fuß gesetzt (vielleicht, diese Frage drängt sich mir nun auf, war diese ganze Sache komplett mit Fitneß - Ding plus Praktika etcetera eine Art vorzeitliche Version eines Bootcamps, erdacht von Thulsa - Doom? Als Republikaner hätte er auf diese Art einen weltmännisch weitreichenden Weitblick bewiesen, welcher die ganze Geschichte in meinen Augen dermaßen unheimlich machen würde, daß ich an dieser Stelle gar nicht weiter darüber nachdenken möchte). Tatsächlich beginnt nun erst die eigentliche Geschichte, denn Conan beschließt, wie nicht anders zu erwarten, dem gelben Backsteinweg der Rache zu folgen. So marschiert er denn los, im Gepäck nichts als Haß auf Thulsa plus dessen Schlangenkult (das ist Dooms Familienbetrieb) und die Frage nach dem Geheimnis des Stahls (das ist seine begonnene Schmiede - Ausbildung. Conan ist weiterhin ein eher bodenständiger Typ - wenn die Rache - Sache gelaufen ist, muß man ja auch von was leben gelle? Warum nicht eine Huf - sowie Bleistiftanspitzer - Schmiede aufmachen?!).

...doch selbst den Tod besiegt er,
um seine Rache zu vollenden.
An dieser Stell verlasse ich nun die Story - Line. Vor Conan liegen viele Abenteuer, ein bis zwei Frauen, dunkle Magie und Katja Ebbstein - Frisuren in allen Spektren des Regenbogens (am besten hat mir die auf dem erhabenen Haupte von Thulsa Doom alias James Earl Jones gefallen).
Blutige Kämpfe, tapfere Gefährten (aber keine Hobbits) sowie existentielle Fragen nach dem Sinn und Unsinn des Seins harren des Heldens, eines Heldens der siegreich hervorgehen wird aus allen Gefechten, aus allen Metzeleien, denn...
...er ist Conan, der eine, der wahre, der Barbar, der erste von zwei Filmen, und, unter uns gesagt der bessere von beiden und gleichzeitig der beste (und wohl neben Teil zwo) der einzig gute jemals von Menschenhand gedrehte Film über Barbaren.
Ausstattung, Musik, Perücken - alles paßt, alles ist wunderbar aufeinander abgestimmt. Ton und Bild sind eins in diesem Film, bilden vor allem in dessem ersten Abschnitt eine fast beunruhigend perfekte Einheit - Bildgewalt wird von einem ebenso mächtigen orchestralem Soundtrack umgarnt, daß es einem kalt den Rücken herabläuft.

Merkt man, dass wir Conan-Fans sind?

Selbst die Darsteller vermasseln im "Barbar" nicht den Gesamteindruck (was, siehe oben, bei Barbarenfilmen nicht nur eine Ausnahme sondern ein, entschuldigung, bekacktes Unikat darstellt). Und wirklich paßt ein Hörr Schwarzenegger dermaßen gut in das Gesamtbild, daß es mich ehrlich gesagt verwundert, daß er nicht heute noch bei offiziellen Anläßen in Rüstung mit Schwert auftritt - hat wohl unfähige Image - Berater, der gute Mann - nur so kann ich mir dies erklären.
Langer Rede kurzer Sinn, trotz flapsiger Inhaltsangabe (was nur meine Hingabe zu diesem Film untermauert - nur was man liebt kann man parodieren) zählt "Conan der Barbar" zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und wird es wohl auch bleiben. Trotz fehlender Hobbits und Orks kann ich diesen Film daher nur jedem der sich auch nur ansatzweise für den phantastischen Film interessiert, ans Herz legen.
's lohnt sich, ich versprech's, oder wie Conan sagen würde:
"Es kann nur einen geben!" ...öhm

Franx