Das Geheimnis des blinden Meisters


‘It challenges your courage, tests your manhood and throws you into an arena of life and death.’


Originaltitel: Circle of Iron (1978) Regie: Richard Moore
Drehbuch: Stirling Silliphant, Stanley Mann, Bruce Lee & James Coburn
Darsteller: David Carradine, Jeff Cooper, Christopher Lee FSK: 16


’Circle of Iron’ aka ’The Silent Flute’ aka ’Das Geheimnis des blinden Meisters’ ist ein Martial-Arts Film mit Fantasy-Touch, der sich thematisch an den Lehren des Zen orientiert und dessen Drehbuch auf einer Geschichte von Bruce Lee und James Coburn basiert.

Training für Munkars Turnier?
Der Film handelt von Cord (Jeff Cooper), einem starken und stark behaarten Kämpfer, der zu Beginn in einer Arena eine Art ’Mortal Kombat’-Wettkampf gegen diverse Gegner ausficht, nur um am Ende wegen Regelverstößen vom Schiri (Roddy McDowall) disqualifiziert zu werden. Das kratzt nicht nur an Cords Männlichkeit, sondern versagt ihm auch die Suche nach dem ’Buch der Erkenntnis’, die nur dem Gewinner des Kontests gestattet ist. Das besagte Buch (Inhalt: Das Super-Rezept des Universums) ist in den Händen des Magiers Zetan (Christopher Lee) und der Weg dorthin ist schwierig und voller Tücken. Trotzig hängt sich der stolze Krieger an den Rockzipfel des Gewinners, der jedoch schon an der ersten Prüfung auf der Quest zum Buch scheitert. Jetzt ist Cord am Zug. Seelische Unterstützung erhält er dabei von einem blinden Flötenspieler (David Carradine), der ihm auf dem Weg immer wieder begegnet. Einem Weg voller Gefahren, wie einem Affenkönig (David Carradine), einem Nomaden-Fürsten (David Carradine) und einem Panter-Ninja (David Carradine)…

”One year ago I vowed an Oath of Silence!”
“When did you break it?“
“Now!“

"...und dann sagte ich 'Bei dreifacher Gage mache ich alles mit!'"

Was einst von Bruce Lee und seinen ehemaligen Martial Arts Schülern James Coburn und Sterling Silliphant (Oscar für das Drehbuch zu ’In the heat of the night’) als philosophische Reise durch den Zen-Mystizismus geplant war, wurde nach Lees Tod von den Produzenten in ein obskures, jedoch nicht uninteressantes Genre-Filmchen verwandelt.
Neben den verquerten Ideen, dem Fantasy-Szenario und aberwitzigen Situationen, sind die Zen-Philosophien Lees zwar immer noch zu finden, jedoch dürften ungeduldige Zuschauer Probleme haben, diese im Wust der höchst unterhaltsamen Absurdität ernst zu nehmen.

"...und als mich der Blonde
vom Kreuz geschossen hatte,
hab ich mich hier in dieser
feinen Tonne niedergelassen."
Einmal mehr übernahm David Carradine eine, nein, gleich vier Rollen aus Bruce Lees Fundus. Gottseidank enttäuscht er auch hier nicht und verleiht jeder einzelnen von ihm gespielten Figur einen einmaligen Touch. Hauptdarsteller Jeff Cooper, der vorher in Fernseh-Schmand wie ’Dallas’ unterwegs war, dürfte die Meinungen der Zuschauer da eher spalten. Er hat zwar die Figur eines Martial Arts-Fighters, doch sowohl seine voluminöse Frisur, als auch sein beschränktes Schauspieltalent (in Kombination mit einem Antlitz, das mich erschreckenderweise an meine alte Mathe-Lehrerin erinnerte) ersticken dramatische Glaubwürdigkeit im Keim. Sympathisch war mir der Knausel trotzalledem. Christopher Lee gibt uns den Führer durch das absonderliche Finale (das ebenfalls die Gemüter spalten dürfte) und Eli Wallach spielt einen Mann, der in der Wüste seit zehn Jahren in einem Ölfass sitzt und darauf hofft, dass ihm sein Schniedel abfällt (ich hab mir das nicht ausgedacht!) Roddy McDowall ist lediglich in einer Nebenrolle zu sehen, dabei wäre er geradezu prädestiniert für einen Part inmitten des Affen-Zirkus gewesen, der die erste Hürde auf dem Weg zum Buch ist. Den Rest besorgen Martial Arts-Keilereien, die nicht unbedingt auf dem höchsten Stil-Niveau rangieren, gelungene Ausstattung (die stark an ’Conan’ erinnert), stimmige Musik und zum Kichern einladende Dialoge:

“Do you answer every question to a question?”
“Do you question every answer?“
“Oh, talking to you is like talking to a wall.”
“Buddha once sat before a wall and when he arose he was enlightened.”
”Do you compare yourself with Buddha?“
“No, only to the wall.”

"...und so wurde ich vom Karpatenfürst zum blauen Zipfelmützen-Kultisten."

Fazit: Der Weg ist das Ziel. Der Film ist der Weg. Und der Weg ist reichlich schräg. Also weg mit den Vorurteilen gegen Martial-Arts-Epen die an verprasstem Anspruch und einer Salve unfreiwilliger Komik leiden und rein ins Getümmel. Vielleicht zieht ihr ja doch eure Lehren draus.


Hudson