Liebe im Raumschiff Venus


‘Tomorrow's Sexiest Comedy Today!’


Originaltitel: Cinderella 2000 (1977)
Regie: Al Adamson Drehbuch: Bud Donnelly
Darsteller: Catharine Burgess, Jay B. Larson, Vaughn Armstrong FSK: 18


Die Zukunft im Jahr 2047.

Von ihm wird sie beherrscht.

Und wie der Hase läuft, sehen wir schon ein paar Minuten später, als ein haariger Arsch eine dickbrüstige Dame nagelt und plötzlich der trashigste Humanoiden-Roboter seit Dörbel zur Tür hereinstürmt und “Caught in the act. Caught in the act!” quietscht.
Der aufgebrachte Schrotthaufen ist Roscoe, der Moral Offizier des Controllers und der hat unlängst beschlossen, dass Sex verboten ist. Wer gegen die strengen Auflagen verstößt wird in ein Superkondom gesteckt, auf einen Mad Scientist-Tisch gepackt und (“Ready to reduce! Ready to reduce!”) auf Handpuppengröße geschrumpft. Was für ein Schicksal.
Inmitten dieser knallbunten Version des Orwellschen Überwachungsstaates lebt Cindy, ein junges hübsches Ding, das von ihrer Stiefmutter und ihren beiden Schwestern Stella und Bella tagein tagaus malträtiert, getriezt und verhöhnt wird. Jedenfalls wenn sie nicht gerade in die Kamera singen, als würden sie sich für ’The Sound of Music’ bewerben. Eine Unart, die etliche Protagonisten dieses Filmes pflegen.
Als Cindy endlich einen freien Tag hat und raus in den Wald darf, begegnet sie dem Fairy Godfather, einem Wesen von einem anderen Planeten, auf dem freie Liebe zelebriert wird und der mit seinem Zauberstab die Tiere des Waldes in rammelnde und tanzende Gestalten verwandeln kann. Aber seht selbst…

Ihr erwartet doch nicht wirklich einen Kommentar an dieser Stelle?

Als er Cindy die wahre Bedeutung von Liebe erklärt, entschließt sie sich gegen den Willen ihrer kratzbürstigen Semi-Verwandschaft, den großen Maskenball des Controllers zu crashen und die freie Liebe zu propagieren. In Tom, dem emotionalen und gut bestückten Bruder des Controllers scheint sie ihren Prince Charming gefunden zu haben…

“What is love?”
“Love is… you know, love is… take off your clothes, rub up against someone til the sparks fly and get it on.”

Leute, Leute, Leute, selten hab ich dermaßen Tränen gelacht, wie in den bescheuertsten Szenen von ’Cinderella 2000’ (Originaltitel).
Kein anderer als B-Movie-Maestro Al Adamson (’Brain of Blood’) ist für diesen wundervollen Deppen-Klumpatsch im Groß-Trash-Format verantwortlich, in dem sich dämliche Science Fiction-Ideen, ausschweifende Sexszenen und schräge Musical-Einlagen die Klinke in die Hand geben.
Die Gesangs-Szenen gehören wahrlich zum Absurdesten, was sowohl SciFi, Trash als auch Musical-Comedies hergeben. Die oben ausgeschilderte Szene im Wald ist das Paradebeispiel für den hier dargebotenen Höchstgrad an liebenswerter Schwachsinnigkeit.

Die grausamen Konsequenzen unerlaubter Kohabitation.

Sogar der bekloppte Robo Roscoe bekommt eine Musical Nummer und singt zu Country-Klängen “Mechanical Man is what I am oh wont you turn me on. What button can I press, what knob can I spin and where do I plug it in?”
Die Darstellerriege beheimatet zwar lediglich ausgelassene Kasperköppe und die dramaturgische Leine wird locker gelassen, als hätten wir es mit einem Episodenfilm zu tun, doch wenn Schneewittchen sich auf einmal ins Geschehen drängelt und Adamson Regular Angelo Rossitto (Zwerg ’Master’ aus ’Mad Max 3’) ihr mitsamt sechs Zwergen-Kumpis Befriedigung verschafft, ist das schnell vergeben.
Die europäische Version des Films wurde allerdings durch einige Softcore-Szenen angereichert, die den Film in seinem absurd albernen Flow hin und wieder arg hemmen und ihn auf eine geradezu verschwenderische Laufzeit von 103 Minuten aufblasen.
Zum Glück gibt es immer zur rechten Zeit eine bekloppte Nummernrevue oder einen doofen Gag der die Stimmung wieder anheizt. So zum Beispiel, als sich die schnurrbärtigen Henchmen des Controllers bei der Fest-Dekoration zu glatt anstellen und dieser sie scheltet: “You don’t know anything about balloons. That’s why you deserve to be enforcers.“

Skandal. Märchenfiguren bei unzüchtigem Geschlechtsakt gefilmt.

Fazit: Herrlich. ‘Liebe im Raumschiff Venus’ ist eine ausgelassen dämliche Science-Fiction-Sex-Comedy vom Schlage eines ’Flesh Gordon’ (oder besser noch ’Flesh Gordon 2’) und gehört jedem Trashfan als Mutprobe vor die Nase gesetzt. Nicht vergessen: “Be it rabbit, hen or flee, we all need love!


Hudson