Chain Gang Women


‘Chained like animals - treated like trash.’


Originaltitel: Chain Gang Women (1971) Regie: Lee Frost
Drehbuch: Wes Bishop & Lee Frost
Darsteller: Michael Stearns, Robert Lott & Barbara Mills FSK: unbekannt


Bevor ich 'Chain Gang Women' reviewe, muss kurz geklärt werden, dass es sich hier nicht um einen 'Women in Prison' Film handelt, wie der Titel vermuten lässt. Die erste Frau diesem Film kriegen wir erst nach 40 Minuten zu Gesicht. Aber man nennt es ja schließlich nicht umsonst Exploitation - und das Frost / Bishop Gespann (The Black Gestapo) haben trotzdem einen gelungenen Film gemacht!

Die Gelegenheit pack ich beim Schopf
jetzt gibts was auf den Hinterkopf!
Beinahe 10 Jahre nach ihrer ersten Zusammenarbeit mit 'House on Bare Mountain' und einigen gemeinsamen Exploitation-Hits wie 'Die Folterranch der gequälten Frauen' oder 'Love Camp 7' liefern Lee Frost und Wes Bishop mit ’Chain Gang Women’ ein weiteres kleines, dreckiges Drive-In-Juwel ab. Der fälschlich als WiP Film promotete Streifen beginnt als typischer Gefängnis-Film, so dass wir in der ersten halben Stunde unsere beiden Hauptfiguren kennen lernen. Der Neue im Knast, Weed, ein netter Kerl, der nur noch 6 Monate abzusitzen hat - und Coleman (Wes Bishop himself), ein rauer Verbrecher der noch sein ganzes Leben im Knast verbringen darf. Als es zum Ausbruch kommt, bei dem die Beiden gerade zusammengekettet ihre Arbeit machen, ist eine hektische Flucht zu Hillbilly-Mucke angesagt, bei der die Jungs bei Weeds Freundin abtauchen können. Um sie vor dem unberechenbaren Coleman zu schützen, lässt Weed seine Freundin abhauen. Die beiden Männer suchen einen neuen Unterschlupf - was bietet sich da mehr an, als ein abgelegenes Haus, in dem ein alter Farmer mit seiner Tochter wohnt! Aber auch dort geht es nicht so friedlich zu, wie man auf Anhieb meinen würde... Spätestens dann nicht mehr, wenn Weed und Coleman durchs Fenster etwas beobachten, was den Verdacht, dass es sich bei den Bewohnern um Vater und Tochter handelt schnell kaputt macht - “if you know what I mean and I think you do”.

Even Chain Gang Women has
a split screen montage!!!
Chain Gang ist ein wirklich nicht zu verachtender Verbrecher-auf-der-Flucht Streifen mit einer großen Portion Sleaze und einem exzellenten Country & Hillbilly Soundtrack. Die erste Hälfte des Films mag heute wie der absolute Klischee-Gefängnisfilm wirken, war aber 1971 einigen Klassikern dieses Genres sogar ein Bisschen voraus. Trotzdem wird von Sprüchen wie "The only way you gonna get out of here is in a box!" bis zum Gemeinschafts-Schlafraum nichts ausgelassen. Und was ab der wilden Flucht-Szene dann erstmal wie ein weißes 'Flucht in Ketten' Szenario aussieht, wird schnell zu einer fiesen kleinen Reise ohne Happy End. Denn auch wenn dies kein Women-in-Prison Film ist, mangelt es nicht an sleazigen Sex-Szenen (immerhin lest ihr hier ‘nen Beitrag von Sleazy Spoon!) - die erste Frau kommt zwar erst nach 40 Minuten vor, die ersten nackten Brüste aber dann schon nach 43. In Sachen graphischer Gewalt hält der Film sich verhältnismäßig zurück. Blut gibt es eigentlich nur in einer kleinen Szene, aber das ist auch gar nicht so entscheidend - die schmutze Stimmung ist eigentlich schon brutal genug. Zu lachen gibt es hier neben den Chase Szenen und deren musikalischer Untermalung nicht viel. Die Schauspieler machen ihre Sache für einen Film dieser Sparte nicht übel - zwar ist Michael Stearns in der Hauptrolle recht unauffällig, aber Wes Bishop hat sich den Part des groben Psychopathen wie auf den Leib geschrieben.

"Du verdammter Zivi hast mir zum letzten Mal die blauen Pillchen weggenascht!"

Fazit: Für Exploitation-Fans, die es gerne roh mögen, ist 'Chain Gang Women' durchweg zu empfehlen. Über die Tatsache, dass der Titel einfach irreführend ist, muss man natürlich hinweg sehen können. Passable Darsteller, fetziger Landeier-Soundtrack und ein paar schöne Bilder - mehr hat von diesen Beiden keiner erwartet und mehr gibt es auch nicht.


Spooner