Die Schlacht der Centurions



Originaltitel: Guerrieri dell'anno 2072, I (1984) Regie: Lucio Fulci
Drehbuch: Elisa Briganti, Cesare Frugoni, Lucio Fulci & Dardano Sacchetti
Darsteller: Jared Martin, Fred Williamson, Howard Ross FSK: 18


Bei ’Schlacht der Centurions’ handelt es sich zwar nicht um einen Endzeitfilm im herkömmlichen Sinne (sprich Wüsten-Krieger, Vehikel-Action und Wasser/Öl/Weiberknappheit), sondern um einen Film der Sorte ’Running Man’. Will sagen: Welt im Arsch, aber nicht durch Nuklear-Verseuchung, sondern dank medialer Verseuchung des menschlichen Gehörns.

Aaaaah, die Piazza di Spagna
mit schicker Skyscraper-Deko.
Sowat jibt's nur bei Fultschi!
In dieser Welt ist Rom die Hauptstadt und der fragwürdige Sender W-Basic (eine Art RTL 2 der Zukunft) herrscht über Quoten und Zuschauer. Die Attraktion zur Prime Time: Das Kollosseum. Dort werden wie einst zu Zeiten von Asterix und Maximus zur Belustigung des Pöbels Gladiatoren aufeinander gehetzt. Ein Superstar der Szene ist Drake, der sich nach seiner Hochzeit jedoch aus dem Geschäft zurückziehen will, um ein beschauliches Leben im Weichzeichner-Ambiente zu führen. Da hat er die Rechnung ohne die fiesen Studiobosse gemacht. Die hetzen Killer auf Drakes Frau, welche sie mittels Pfeifkonzert umbringen (kein Witz!). Da sich Drake nun “…des schlimmsten Verbrechens überhaupt…“ schuldig macht (nämlich die Mörder seiner Frau selbst zu richten) wird er mit dem Tode bestraft, darf aber als Alternative in die Arena zurück, um dort nochmal kräftig im Sand zu rühren. Mithilfe einiger Symphatisanten deckt er den ganzen Schwindel schließlich auf…

“Cortez, fahr zur Hölle!“
“Das würde ich tun, wenn dadurch unsere Einschaltquoten steigen würden.“

Was sich hier erst einmal recht flink und locker liest, gerät auf dem Schirm wegen hahnebüchener Idiotie und wiederkehrendem Funktionsversagen diverser Mittel gewaltig ins Stottern.

“Oben links bitte etwas
mehr Magic Marking!“
Ein sprechender Schreibtisch, der Morde anzettelt? Eine Strobo-Disco, in der die Kombattanten gegen virtuelle Abbilder ihrer schlimmsten Alpträume kämpfen? Bestrafung durch eine grüne Taschenlampe?
Schon möglich! Aber in einem Film? Oh doch, oh doch! Das gibt es. Man muss nur Lucio Fulci fragen. Klingt wieder schön trashig? Ja, aber diesmal nervt der funzelige Schrottanteil mitsamt allem achso verrückten Cyberpunk/ Welteroberungs/Gladiatoren-Schmus gewaltig.
Jared Martin (’Hydra’) spielt den Helden, wie ihn wohl jeder zweite Import-C-Darsteller auch verkörpert hätte: Witzlos, charmlos, harmlos. Illustrer gibt sich da schon die Riege der Nebendarsteller, die Genre-Kennern nicht unbekannt sein dürfte.
Da sind: Italiens Sparten-Asiate Al Yamanouchi als Kung Fu Killer Akira, ’Troll 3’ Veteran Donald O’Brien als verbrutzelte Hackfresse Monk, ’Texas Gladiator’ Al Cliver als Großmaul Kirk und Blaxploiter-Haudegen Fred Williamson als Messerstecher Abdul (letztere waren kurz darauf auch im nicht unähnlichen ’Endgame’ von Joe D’Amato zu sehen).

“Yohohoho, a Nazilife for me!“
Lustig wie er ist, spachtelt Fulci seine bestenfalls absurd wirkende Handlung mit Versatzstücken aus ’Clockwork Orange’ und ’Frankensteins Todesrennen’ voll, verkleistert hier und da noch eine Prise Gore und kittet das ganze mit verwanzter Ausstattung, welche die klischeehaften Nazi-Bösewichte Mützen mit Piraten-Emblemen auftragen lässt.
Der reine Wahnwitz ist die Soundkulisse. Wenn es nicht aus Synthesizern röhrt, wie aus ’nem Elcharsch, dann piept es, tickt es, blubbert es und schmirgelt es, wie im Proberaum einer Waldorf-Waschküchen-Band mit elektrischer Nebelhorn-Begleitung.
Bis es zur finalen ’Schlacht der Verdammten’ kommt (einem Motorrad-Battle der besonders lächerlichen Trash-Mechanik), sollen noch einige Schenkelklopfer-Einfälle folgen. Mein persönliches Highlight: Dank verschlucktem Microchip kann Drake nicht nur Kameras ausschalten, Computer manipulieren und auf fremden Frequenzen furzen, sondern auch ganze Löcher in Wände schmelzen und zwar indem er die zu beeinflussenden Objekte einfach anstarrt. Kein Wunder, dass der Film in den Staaten von Troma vertrieben wird.

“Wieso hängen wir hier?“
“Siehst du die schwarzen Löcher an den Füßen der Wachen?“
“Ja...“
“Darum!“

“Merkwürdig, wie langsam einem die Lichtgeschwindigkeit vorkommen kann, was?“

Ich glaub mein Weltraum dampft! Soviel Blödsinn auf einen Haufen konnte sich wahrlich nur ein Italiener aus den Achtzigern ausdenken. Leider ist der Film nicht annähernd so unterhaltsam, wie er blöd ist. Zu allem Übel klafft im Mittelteil ein riesiges ’Nix passiert’-Loch, das weder Fred Williamsons Schnurre, noch die trashige Grundstimmung füllen kann. Für ganz hartgesottene Leuchtdioden-Fanatiker, Stirnband-Biker und Trash-Patronen vielleicht unter Zuhilfenahme von drei Flaschen Grappa in Richtung Spaß drehbar. Aber wer trinkt schon freiwillig Grappa!?

Hudson