Reise ins Zentrum der Zeit



Originaltitel: Journey to the Center of Time (1967)
Regie & Drehbuch: David L. Hewitt
Darsteller: Scott Brady, Anthony Eisley, Gigi Perreau FSK: 16


"Wir müssen uns beeilen. Bei dieser Geschwindigkeit kann uns noch der Laser explodieren!"

Nö, geht noch.

Der Stanton ist tot. Es lebe der Stanton.
Stanton Sr. war ein gutherziger Millionär, der viel Geld in außergewöhnliche Forschung steckte und leider kürzlich den silbernen Löffel an Stanton Jr. abgab, welcher nix von Friede, Freude, Wissenschaft wissen, sondern Geld machen will und zwar pronto.
Glaubt man dem alten Doc Gordon (der erschreckende Ähnlichkeit mit Henry Kissinger aufweist), will Söhnchen die Photonen und Laser seines Labors, das er mit dem jungen Dr. Manning und der reizenden Dr. White betreibt, lieber für die Entwicklung irgendeiner Superwaffe benutzen. Zugegeben, das klingt nicht allzu abwegig. Was haben sich die Damen und Herren Scientists denn gedacht? Wir bauen ’nen Laser und nutzen ihn für die Verwirklichung des Weltfriedens?

Aus dem Darkroom...
...in die Pappmenagerie.
So klappt das nicht, Leute. Dabei war das Team doch kurz davor, das Reisen durch die Zeit erst möglich zu machen. Und das ohne Fluxkompensator! Stanton Jr. gewährt ihnen eine Gnadenfrist von 24 Stunden, um Resultate heranzunerden. Aufgrund des Druckes überlastet man die Apparaturen und reist tatsächlich in die Zukunft, wo man Zeuge des Laser-Holocaustes wird, schlecht geschminkte Duselköppe mit Warnbotschaft für die Menschheit antrifft und schnellstmöglich wieder zurück ins gute alte 1968 will, um den ganzen Wahnsinn zu vergessen…

"Blockieren sie die Zeitsynchronisation!"
"Es geht nicht. Wir werden abgetrieben!"

Um Himmels Willen… ich werde das ähm… einfach mal unkommentiert lassen.
Wir erinnern uns lieber an ’Mutanbestien gegen Roboter’ aka The Time Travellers’, den Film dessen Remake ’Reise ins Zentrum der Zeit’ ist. Da gab es nämlich ganz ähnlich dämliche Sprüche ("Zeit ist sowieso ein Anachronismus, wir erschaffen sie durch unser Auftauchen!") und auch eine reichlich hanebüchene Ausstattung, die im Vergleich mit dem Set Design des vorliegenden Filmes allerdings wie von Profis gezimmert erscheint.

Monitore der Zukunft: Riesig und monochrom
Ich persönlich liebe ja solche provisorischen, aber schön bunten Kulissen. Sie regen die Fantasie an und erschaffen Lücken, die der Zuschauer mit der eigenen Vorstellungskraft füllen muss. Fast wie beim Theater. Trägt auch enorm zum Charme dieser alten B-Movies bei. Wo bitte hat man heutzutage noch einen Wandbildschirm, bei dem man unweigerlich das Verlangen verspürt "Normaaales Biiiiiild!" zu schreien?
Wo sieht man heute noch den Protagonisten minutenlang beim Anstarren diverser Szenen aus Kriegsfilmen, Western, einem Piratenfilm und einem Sandalenschinken zu? Übrigens Regisseur Hewlitts (der auch die Vorlage für das Original verfasste und sich als Special FX-Guy für Streifen von ’Horror of the Blood Monsters’ über ’Anthony’ bis hin zu ’Willow’ verdingte) Vision einer Zeitreise durch die Epochen der Weltgeschichte. Am Ende gibt’s sogar Stock-Footage aus einem Saurierschinken (kurz zuvor gab’s auch Stock-Footage aus ’nem Godzilla-Streifen, das den Zerfall einer Großstadt während des Laser-Holocausts verdeutlichen sollte) und schließlich trampeln die Wissenschaftler durch einen botanischen Themenpark, auf der Flucht vor einer Riesenechse (Rückprojektion!) und einer außer Kontrolle geratenen Nebelmaschine.
Wird nicht gerade Techno-Babble in rauhen Mengen ausgekotzt ("Monitor, hier Zentrale. Videoüberlastungsanzeige in Bereitschaft. Wir versuchen’s noch mal."), hört man vor allem Machosprüche der Sorte "Du bist eigentlich viel zu hübsch für eine Wissenschaftlerin."
Und wenn auf die Entdeckung einer Edelstein-Mine durch Doktor Gordon und dessen Frage "Ist ihnen klar, was das heißt?" ausgerechnet der Millionär mit einem grunzenden "Ja! Wir sind reich!" reagiert, hat der Film uns eine Botschaft mehr mit dem Holzhammer aufs Silberbrett geklöppelt.

Labore der Zukunft: Gut beschriftet und bunt

Schauspieltalent in Maßen, Stock-Footage (hab ich die Lava-Archivaufnahmen erwähnt?) aus dem Eimer und pseudo-wissenschaftliches Gequatsche bis Doc Brown kommt und den Käse im DeLoreon zum Schmelzen bringt. Trash wird selten bunter, blöder und biederer als hier präsentiert.
Aber eins sach ich euch im Guten, Leute. Die Laserwaffen werden die Erde als Schlacke im Weltraum hinterlassen. Lasst die Hände von den Scheißlasern und bleibt bei nuklearen Sprengköppen.



PS:

Beinahe hätt ich die Micespider-Stockfootage aus
’Weltraumschiff MR 1 antwortet nicht’ vergessen!



Hudson