Cat Ballou


'Hängen sollst du in Wyoming'


Originaltitel: Cat Ballou (1965)
Regie: Elliot Siverstein Drehhbuch: Walter Newman
Darsteller: Jane Fonda, Lee Marvin, Michal Callan FSK: 12



“Round and round and round they rode... Oh, what an episode!“

Erste Liebe!
Manche Filmtitel spuken seit Unzeiten in den Köpfen einiger Leute herum. Titel, die man gelesen oder von denen man gehört hat, die anzuschauen man aber nie die Gelegenheit hatte. Für mich war einer dieser Filme ’Cat Ballou’. Auf was man sich bei diesem Westernklassiker aus dem Jahre 1965 gefasst machen kann, ahnt man schon, als das Wahrzeichen der ’Columbia Pictures’ plötzlich die Toga fallen lässt und sich in ein wild um sich schießendes Cowgirl verwandelt.

Zwei lustige Musikanten (Nat King Cole und Stubby Kaye, die mit ihren Liedern durch die gesamte Handlung führen) schwingen ihre Banjos und erzählen uns singend die Geschichte von Cat Ballou, die hinter schwedischen Gardinen auf ihren Henker wartet. Wir blicken zurück: Catherine Ballou (die junge, junge Jane Fonda) ist eine angehende Lehrerin, auf der Heimreise zu ihrem Vater. Sie liest zwar mit Begeisterung Groschenhefte über die Western Legende ’Kid Shelleen’, ist ansonsten aber ein anständiges Mädchen. In ihren ersten Konflikt mit dem Gesetz gerät sie doch schon bald, als sie dem Kleinganoven Clay Boone im Zug zur Flucht verhilft. Zu Hause angekommen hat sich einiges verändert: Die Ranch ist heruntergekommen, der Vater wird von den Wirtschaftsbossen der nahen Stadt Wolf City unter Druck gesetzt, das Land zu verkaufen.

Home sweet Home
Alles andere in der Gegend (das Gesetz inklusive) haben diese Schufte schon ’erworben’ und als sie den gefürchteten Killer Tim ’Slibernase’ Strawn auf den alten Ballou ansetzen, muss zu drastischen Mitteln gegriffen werden. Die Ganoven Clay und Jed sind ebenso wenig für den Kampf bereit, wie der junge Indianer Jackson, der sein täglich Brot auf der Ranch verdient und selbst ein Hühnchen in Wolf City zu rupfen hat. Von ihm erfährt Cat zu ihrer Überraschung, dass der Held ihrer Western-Schmöker tatsächlich existiert. Und da es keinen gibt, der den Wilden Westen besser zähmen kann als Kid Shelleen, wird er per Post und 50$ Check nach Wolf City beordert. Leider entpuppt sich die Legende als Faules Ei. Der einst so stolze und schnelle Kid Shelleen (der großartige, großartige Lee Marvin) hat seine besten Tage schon längst hinter sich und ähnelt eher einer unrasierten, verkaterten Oma, als einem berühmten Westernhelden. Als ihr Vater jedoch von ’Silbernase’ erschossen, und letzterer von Stadt und Sheriff gedeckt wird, hält Cat Ballou nichts mehr auf. Mit Hilfe des ’feigen Indianers’, des ’besoffenen Revolverhelden’, des ’lüsternen Schürzenjägers’ und des ’Onkels’ macht sie sich auf, den Zug nach Ghost City, der einen Safe voll mit dem Geld der Bosse transportiert, auszurauben.

Lass den Kopf nich hängen,
den Oscar haste dir verdient!

Von der klassichen ’Chaplin’ Szene (Schneller Vorlauf unter Beschallung stimmungsvoller Orgelmusik) über Schurken mit falschen Metallnasen, bis hin zur ’Building Up: Kid Shelleen’ Montage ist alles drin, was in eine gute Komödie gehört. Und um eine Komödie handelt es sich hier ganz klar, da können die eingestreuten ernsten Töne noch so dran rütteln. Ein stimmiger Westernscore, so wie er war, bevor Signore Morricone die musikalische Untermalung dieses Genres beherrschte, trägt uns mal leise und mal beschwingt durch den Westen. Die Schauspieler sind eine Offenbarung für das Material. Jane Fonda spielt die Unschuld vom Lande und überzeugt mit unberührbarer Anmut, um sich dann allmählich in eine Rache nehmende Kratzbürste zu verwandeln. Und Lee Marvin, der als versoffener Halunke wie Phoenix aus der Asche steigt (und wieder hinein fällt), ist wohl das beste was einer Westernkomödie je passiert ist. Seine oskarprämierte Darstellung ist prägend für diesen Film, und seinen Worten: “Wir werden in die Geschichte eingehen. Kid Shelleen und Cat Ballou!“ ist nichts mehr hinzuzufügen.

Hudson