Casshern


‘Reincarnated with an invincible body to fight an iron devil.
If Casshern does not do it, who will?’


Originaltitel: Casshern (2004) Regie: Kazuaki Kiriya
Drehbuch: Kazuaki Kiriya, Dai Sato, Shotaro Suga & Tatsuo Yoshida
Darsteller: Yusuke Iseya, Akira Terao, Toshiaki Karasawa FSK: 16


Die Zukunft:
In einem großen Krieg zwischen der großasiatischen Republik und der europäischen Gemeinschaft gelingt es ersterer Partei, beinahe die gesamte eurasische Platte zu erobern. Man feiert sich schon als Sieger, doch tobt der Krieg unerbittlich weiter und durch die Folgen der Umweltverschmutzung treten immer mehr Mutationen bei der menschlichen Bevölkerung auf.

Familienbande sind schneller
zerbrochen, als man denkt.
Bei einer ’kleinen, ethnischen Bevölkerungsgruppe’, findet Dr. Azuma, dessen Frau todkrank ist, sogenannte Neo-Zellen, deren Manipulation es möglich machen soll, menschliche Ersatzteile herzustellen.
Sein Sohn Tetsuya will von der Forschung und einer Zukunft als Arzt nichts wissen, sondern für sein Vaterland kämpfen. Das Militär ist allerdings sehr an Azumas Experimenten interessiert. Als sich erste Ergebnisse zeigen, erweist sich das ’Neo-Zellen’-Projekt als gescheitert. Die behandelten Subjekte verfügen über außergewöhnliche Kräfte, sind verformt und werden ohne großes Federlesen von den Soldaten niedergeschossen. Doch einigen dieser neuen Wesen, genannt ’Neo Sapiens’, gelingt die Flucht.
Unterdessen (bzw zur gleichen Zeit) ist auch Tetsuya aus dem Krieg heimgekehrt. In einem Sarg. Ergriffen von den Ereignissen behandelt Dr. Azuma auch seinen toten Sohn mit den Neo-Zellen und erschafft somit das Wesen ’Casshern’. Scheinbar gerade rechtzeitig, um die Menschheit vor der kommenden Bedrohung durch die überlebenden ’Neo-Menschen’, unter deren neuem Führer Burai, zu beschützen, denn diese sind der Meinung:

“Als eine neue Rasse werden wir Neo-Menschen die Menschheit vernichten!“

Ob furchtbare Kriegs-Szenarien...

Ganz klar: ’Casshern’ hat seine Wurzeln in den japanischen Animes und das nicht nur vom Titel her (er basiert auf der Anime-Serie ’Chasshan’, aus dem Jahre 1973).
Als einer der ersten Filme, die komplett vor digitalen Hintergründen (also Green-Screens, die später mit Computer-Animationen belebt wurden) gefilmt wurden, verlässt er sich auf typische Techniken, Bewegungen und stilistische Mittel seiner Vorbilder.

...oder fantastische Landschaften...
Duelle in stilsicheren Posen, direkt vom Papier und ganze Schlachten, zu denen mal rockige Gitarren-Musik, mal Beethoven ’Mondscheinsonate’ erklingt… es gibt viel zu sehen in ’Casshern’. So wird beispielsweise die beinahe 5-minütige Sequenz, in der die überlebenden Super-Sapiens ihr neues Heim finden, ohne jegliche Dialoge gezeigt und nur von ergreifend orchestraler Musik untermalt. Dann plötzlich wird der Filter gewechselt, einige einzelne Szenen in schwarz/weiss dargestellt, um später gänzlich ins Monochrome umzusatteln. Zooms, Rotationen, wilde Schwenks; diese Welt voller bizarrer Gebäude, Apparaturen und Soldaten im Nazi-Look wird aus jedem erdenklichen (und undenkbaren) Blickwinkel eingefangen.
Unaufmerksame Zuschauer dürfte dieses an Themen und Bildgewalt reiche Epos mehr stressen als erfreuen (wir ’Langnasen’ zählen ohnehin nicht unbedingt zum Zielpublikum). Hier ist Hingebung, Sitzfleisch und Hirnschmalz gefragt… leider, leider, leider übertreiben es die Macher hierbei. Es werden die selben Botschaften, Philosophien und Monologe immer und immer wiederholt, da hilft es auch nicht, dass sich Casshern über eine Laufzeit von zweieinhalb Stunden zieht. Der Film will einfach kein Ende finden und bei einem solch ’gedankenschweren’ Werk hinterlässt das strapaziert, pochende Schläfen.

...der Film zeigt alles. Und mehr!

’Casshern’ ist ein episches Werk, das dem Publikum viel abverlangt. Geht Letzteres auf die Forderungen ein, wird es mit einer großen Geschichte, großen Bildern und großen Emotionen belohnt. Für Liebhaber von kinetisch-gewaltigen Mangas und asiatischen Genre-Epen unbedingt empfehlenswert. Aufgrund der zeitweise aufkeimenden Konfusität und der strapaziösen, scheinbar endlosen Tour durch gute 160 Minuten, kann ich ihn jedoch nicht uneingeschränkt empfehlen.

Hudson