Carvers’ Gate



Originaltitel: Carver's Gate (1995)
Regie: Sheldon Inkol Drehbuch: Doug Bagot, Sheldon Inkol & Timothy Lee
Darsteller: Michael Paré, Marian Skretas, Tara Maria Manuel FSK: 18


“Ich heiße Carver. Ich bin Dreambreaker. Ich überwache die schmale Grenze zwischen Flucht und Sucht“, stellt sich Michael Paré in ’Carver’s Gate - Das Tor zur Hölle’ vor.

Ready for a
Shotgun Wedding?
In seiner Welt, einer postapokalyptischen Techno-Hölle herrscht ein Konzern names ’Dream Core’ über das Leben der restlichen Menschheit, da dieses überwiegend in einer virtuellen Welt der Spiele ’Dreamlife’, ’Sexlife’ und ’Afterlife’ stattfindet. Was soll man in der echten Welt auch machen, die ist schließlich zerstört und beinahe unbewohnbar, wenn auch von den meisten Gewaltverbrechen verschont. So propagiert es jedenfalls die Administration.
Doch als seine Freundin Diana, die Erfinderin des ’Afterlife’ beim Spielen ermordet wird, steht Carver vor einem Rätsel. Kurz vor ihrem Tod entwickelte Diana einen ’Transzender’‚ der es ermöglicht, die virtuelle mit der Realen Welt zu verbinden und Spieler ohne spezielles Equipment an den Games teilnehmen lässt. Für die Administration bedeutet dies, dass sie im Cyberspace nun alles kreieren und heraus holen können, von der Kinderüberraschung bis zum Sklavenarbeiter. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Während sich die führenden Köpfe darüber streiten, ob man das Gute in die Realität holen, oder den dreckigen Rest der Menschheit in die virtuelle Realität umsiedeln soll, kommt es zu den ersten Problemen in der Utopie. Im ’Afterlife’, einer Art Virtual Reality ’Doom’ ensteht eine Spalte, aus der Trashmonster und Höllenkreaturen aller Couleur entfliehen können…

"Okay, okay, du hast die Rolle!"

Ja, geben wir’s ruhig zu: ’Carver’s Gate’liegt eine ziemlich coole Idee zu Grunde. Und wenn man den Wachowski-Brüdern nach ’Matrix’ für die Neuerfindung der Science Fiction dankte, dann kann man den Machern von ’Carver’s Gate’ ruhig einmal anerkennend zunicken. Leider hatten letztere keinen Joel Silver als Producer und so blieb der Film an einem viel zu kleinen Budget und der dazugehörigen 90er Jahre TV-Optik hängen.
Der Zufluchtsort der Menschheit (jedenfalls der Protagonisten von ’Carver’s Gate’) ist ein nicht sonderlich gekonnt designter Hochhauspilz in einer rot ausgeleuchteten Wüstenlandschaft, in dem scheinbar nur 20 Leute wohnen (mehr Darsteller/Statisten sind jedenfalls nie zu sehen). Leider geben sich auch die paar Hanseln keine sonderliche Mühe. Michael Paré führt eine unterkühlt ausdruckslose Truppe Second Hand Darsteller durch lustlos zusammengeschweißte Future Noir-Kulissen und absonderlich wirkende Traumwelten, in denen Nebelmaschinen, karge Sträucher und oranges Licht die Optik beherrschen. Hier tümmeln sich auch die erwähnten Höllenkreaturen, die für Trashfans Grund Nr. 1 sind, sich durch ’Carvers Gate’ zu kämpfen.

Regel Nr. 1:
Duck & Cover!
Krude Gummi-Orks, pappige Sensenmänner, Halloweenmasken-Tragende Schaumschläger, glucksende Schädel-Mutanten und und und. Die Auswahl ist groß und die Freunde von Müllmonster-Liebhabern um so größer.
Man hätte großen Suptertrash daraus bauen können. Eine wilde Fahrt durch die Welten, rasant, dreckig und gut. Stattdessen entschied man sich in der zweiten Hälfte, den Karren mit hoffnungslos überspanntem Laberei-Nonsens, lahmem VR-Wirrwarr, verwirrendem Charakter-Gemurkse und Planlosigkeit in den Dreck zu fahren.
Alle optischen, designtechnischen und schauspielerischen Unzulänglichkeiten von ’Carvers Gate’ wären in Anbetracht der guten Grundidee zu verschmerzen gewesen. Dass der Film dann aber einfach nicht zu Potte kommt und letztlich viel zu weit über’s Ziel hinausschießt, ist nach der interessanten ersten Hälfte um so ärgerlicher. Und das dämliche, käsige Ende kostete ihn dann auch noch das Mittelmaß. Verarschen kann sich der Zuschauer nämlich alleine.


Hudson