Captain America


‘Das Duell der Giganten’


Originaltitel: Captain America (1990) Regie: Albert Pyun
Drehbuch: Joe Simon, Jack Kirby, Stephen Tolkin & Lawrence Block
Darsteller: Matt Salinger, Ronny Cox, Scott Paulin FSK: 16


1943, The White House. Washington D.C.
“Es trägt den Namen Projekt Wiedergeburt, Mr. President. Dr. Vaselli, eine Wissenschaftlerin, die aus Italien geflohen ist, hat eine Methode entwickelt, mittels der sie aus einem behinderten Jungen einen Spitzensportler machen kann. Hitler hat bereits ein Exemplar dieses Supermenschen. Es ist ein italienischer Junge, der ’the Red Skull’ genannt wird. Wir werden ein Regiment dieser Männer erschaffen und haben bereits in Kalifornien einen Freiwilligen gefunden. Sein Name ist Steve Rogers.“

Kinder, vergesst nicht: Auch Supermenschen müssen zum Zahnarzt!

Na Mensch, selten hat es mir ein Film so einfach gemacht, sein Setup wiederzugeben und gleichzeitig ein passend albernes Zitat aus der Tastatur zu leiern, wie ’Captain America’.
Danke Albert Pyun (Regisseur). Danke Menahem Golan (Produzent). Und danke Stan Lee (Co-Produzent).

Mithilfe des Superserums, das durch den genre-typischen Blitzableiter injiziert wird, wachsen Steves Muskeln und der Hänfling wird vor den Augen aller beteiligten zum braven Brutus. Doch ein fieser Nazi-Infiltrant stört die Zeremonie mit lautem ’Heil Hitler’-Gebrüll, schießt Dr. Vaselli über den Haufen und wird von dem neugeborenen und scheinbar unverwundbaren Captain in das nächstgelegene Trafohäuschen gepfeffert.

Jajaja, wenn's im
Keller feucht ist...
Der Plan ist folgender: Cappi soll über Feindesgebiet abspringen, die Bösewichte ausspionieren und ruhig auch mal die grobe Kelle auspacken. Gesagt, getan. Doch als er schließlich auf sein böses Pendant, den Red Skull stößt, hat er scheinbar seinen Meister gefunden.
Flugs wird unser Held von dem widerlichen Schädel-Fiesor an eine Rakete gefesselt, die kurz darauf in Richtung Weißes Haus gefeuert wird. Glücklicherweise kann El Cappo das Geschoss in Richtung Alaska ’steuern’ (fragt nicht), wo er für die nächsten 50 Jahre eingefroren in der Gletscherspalte verharrt. Anfang der Neunziger erwacht er schließlich aus dem unterkühlten Dornröschenschlaf und sieht sich mit einem ganz anderen Amerika konfrontiert (es gibt jetzt Videos und die Leute haben viel buntere Sachen an). Doch auch Red Skull ist immer noch unterwegs und plant just die Entführung des amerikanischen Präsidenten…

’America, Fuck Yeah’, wie schon der missverstandene Philosoph Dr. Kantenstein sagte und dem schließen wir uns an. Wo so herrlich doof auf Raketen geklebt, im Stars & Stripes gemusterten Taucheranzug durch die Welt geböllert und mit glibbriger Knochenmaske das minderjährige Publikum begruselt wird, da fucken auch wir yeah!

Rocket Men
Neben Schildschwinger Matt Salinger (’Rache der Eierköpfe’), der eigentlich nur dank Danneberg-Synchro (positiv) und glotzblöden Blick (negativ) auffällt, haben wie Michael ’Flashdance’ Nouri, sowie das ‘Deliverance’-Dreamteam Ronny Cox & Ned Beatty am Start. Mit solchen Darstellern kann man nicht viel falsch machen. Vor allem, da sich Regisseur Albert ’Nemesis’ Pyun so schön Mühe gibt, einen Comic-Panel-Stil an den Tag zu legen, der das Material in all seiner Cheesiness glorreich unterstützt.
Zu weiterem Schmunzeln animiert eine Montage, in welcher der Cappi zu den Klängen eines schmalzigen Möchtegern-Springsteen-Songs durch seine Heimat irrt und ein Cameo von Peter Jacksons Sumatran Ratmonkey (bzw dessen Cheapo-Stop Motion-Version).
Es ist stark davon auszugehen, dass hier einiges an italienischen Penunsen ins Budget floss, schließlich spielt der Großteil der Handlung auf dem Stiefel, viele Nebenrollen sind mit italienischen Stars wie Francesca Neri (’Hannibal’) besetzt und der (im Comic kerndeutsche) Red Skull ist hier ein Typ names Tadzio de Santis, der den Captain mit Auszügen aus klassischen ’English Lessons’ nervt:

“Where is the pen of my aunt. The pen of my aunt is on the table. Ist meine Aussprache korrekt, Amerikaner? Ich möchte perfekt Englisch sprechen, wenn ich nach New York komme!”

Schildbürger Rogers

Passt schon. Pyuns ’Captain America’ reiht sich in die Tradition deppert-unterhaltsamer Low Budget-Superheldenfilme ein, wie wir sie schon in ’Spiderman - Der Spinnenmensch’, ’Die Rückkehr des unheimlichen Hulk’ oder eben bei der alten ’Steve Rogers’-Version mit Reb Brown gefeiert haben. Fuck, yeah!


Hudson