Caprona – Das vergessene Land


‘Journey to a savage world where time is extinct!’


Originaltitel: The Land That Time Forgot (1975) Regie: Kevin Connor
Drehbuch: Edgar Rice Burroughs, James Cawthorn & Michael Moorcock
Darsteller: Doug McClure, John McEnery, Susan Penhaligon FSK: 12


“Keiner Bewegung!“
Als ein englisches Handelsschiff nahe der Arktis von einem deutschen U-Boot während des 1. Weltkrieges versenkt wird, fassen sich die überlebenden Schiffbrüchigen ein Herz und kapern kurzerhand das ’German Submarine’. Nach langem hin und her, wer hier nun eigentlich der oberste Käse an Board ist und die meiste Ahnung von Navigation und überhaupt hat, einigt man sich, die nahegelegene und sagenumwobene Insel Caprona anzusteuern, die irgendwann mal ein Kumpel von Captain Cook entdeckt hat. Caprona erweist sich auf den ersten Blick als eine Eiswüste, doch mit dem ’German Submarine’ kann man gut und gerne durch eine Höhle des Eises hindurchfloddern und kommt auf der anderen Seite im subtropischen ’Land that time forgot’ an. Hier hausen Kautschuk-Echsen, gigantische Amphibien (“Ich werd verrückt, ’n Riesenkrokodil!“), Flugsaurier an Strippen und lustig geschminkte Höhlenmenschen. Um das U-Boot wieder flott zu machen, machen sich die Männer auf die Suche nach Öl, das sie in Treibstoff umwandeln können. Doch die Gefahren des Eilands zwingen sie in die Knie und ein ausbrechender Vulkan besiegelt ihr Schicksal…

Todesfalle Klimawandel!

‘Caprona’ ist der erste von mehreren Abenteuer-Monster-Filmen nach Motiven Edgar Rice Burroughs, die Regisseur Kevin Connor für die Produktionsfirma ’Amicus’ mit seinem Lieblingsstar Doug McClure inszenierte.
Allerdings braucht ’Caprona’ zunächst recht lange, um richtig in Fahrt zu kommen. Vor allem in der ungeschnittenen Fasung ist die ’Anreise’ mit ihren ’Wir kapern das Boot! – Ihr kapert es zurück’-Intermezzos viel zu lang geraten.
Trotzdem ist der Film ein charmantes Beispiel dafür, wie man mit viel Fantasie technische Hürden überbrücken kann.

Kommt ein Vogel geflogen...
Obwohl die wacklig-pappigen Gummisaurier doch ziemlich lächerlich aussehen, kann man den Aufwand, der hier betrieben wurde, um eine fremde Welt zu gestalten, nicht leugnen. Die Schauspieler sind durchweg passabel. Besonders die Darstellung des charismatischen und undurchsichtigen Kapitän von Schönfeld von John McEnry (’Die Duellisten’) gefiel mir sehr gut. Selbst der von mir des öfteren belachte Doug McClure erweist sich als standhafter Held mit Ausstrahlung und Danneberg-Synchro (was, falls das noch keiner mitbekommen hat, von mir immer einen Bonuspunkt gibt). Außerdem tragen die Reibereien zwischen den Engländern und Deutschen ein gleichzeitig spannendes und witziges Element zur Geschichte bei. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Etwa als man bei Tisch einen erlegten Saurier verspeist, während aus dem Grammophon der Radetzky-Marsch schallt und der eine oder andere urige Dialog zum Besten gegeben wird:
“Wenn das so weitergeht, wird unsere Munition knapp werden.“
“Nein, nein. Ein Schuss hätte vielleicht schon gereicht, meine Herren. Primitive Nervensysteme wie bei diesem Urtier können wahrscheinlich eine tödliche Wunde im Gehirn erst mit einer gewissen Verzögerung registrieren.“

“Nicht anfassen! Ich bin Doug McClure!“

Fazit: ’Caprona’ ist ein amüsanter Ausflug ins Land der Klappsaurier und Augenbrauenwülste. Wer herzhafte Abenteuer-Hausmannskost mag, wird sich hier wie zu Hause fühlen.


Hudson