Captain America



Originaltitel: Captain America (1979/I) Regie: Rod Holcomb
Drehbuch: Don Ingalls, Chester Krumholz, Jack Kirby & Joe Simon
Darsteller: Reb Brown, Len Birman, Heather Menzies FSK: 12


“Ihr Vater entwickelte und perfektionierte das ultimative Steroid. Er gewann es aus seiner eigenen Nebennierendrüse. Und entwickelte daraus in einer langen Versuchsreihe ein Superhormon. Er nannte es F.L.A.G. Full Latent Ability Gain. Volle Entwicklung verborgener Fähigkeiten.“
“Das sagt mir gar nichts.“

Ich erklär’s dir, Junge.

Ist es ein Vogel?
Laut Doktor Mills können Menschen eigentlich nur 3% ihrer körperlichen Fähigkeiten nutzen und mit F.L.A.G. sind’s dann bei vorteilhaften Wetterbedingungen und guter Führung fast 100%. Und weil der Steve (frisch entlassener Westpoint-Absolvent und muskulöser Beachboy) Papas Sohn ist, möchte Mad Doc Mills das Serum nun an ihm ausprobieren.
Doch davon will Steve nichts wissen. Stattdessen gurkt er lieber noch 'ne halbe Stunde durch einen ’Mord ist ihr Hobby’-Plot, in dem sein Kumpel Jeff von zwielichtigen Gestalten ermordet wird, die hinter geheimen Dokumenten her sind, welche möglicherweise etwas mit Mills Organisation zu tun haben oder auch nicht. Als Steve ebenfalls von den Banditen verfolgt und eine Klippe hinab gejagt wird, kann nur noch das F.L.A.G. ihn retten. Was für ein Zufall! Und jetzt kann auch die Action losgehen und Cappi Am tritt in Erscheinung, gelle?
Nix da. Steve Rogers will sich lieber der Malerei widmen und benötigt erst noch einen Diskurs mit den Gangstern (in Schlaghosen mit Rollkragenpulli unter einem Westover - ob das schon sein Kostüm ist?), einen Strandspaziergang mit Doktor Mills, einen Badeausflug mit Mills Assistentin und dutzende nervtötender Labereien, bis man ihm endlich die Ausrüstung überreicht: Einen Plasteschild, ein Flitzebike und schließlich auch seinen Strampelanzug, der von einem klobigen Helm mit einem großen ’A’ vorne drauf gekrönt wird. Jetzt aber mal auf zur Action und den fiesen Schurken (die mittels Neutronen-Bombe die Welt zerstören wollen) in den Arsch getreten...

“Tina denke nach. Gab es etwas besonderes? Etwas, das nur euch beide anging? Was für Dinge tatet ihr gern zusammen? Dinge die ihr besonders gern gemocht hab?“
“Es gab so viele Dinge. Spielen, Lesen, Fischen *schaut verträumt* Fischen…“

Ist es ein Flugzeug?
Wem soll sich Captain America zuerst stellen? Der herzerweichend nostalgischen Tochter des Superwissenschaftlers? Seinem Vorgesetzten, der ihn zu ausgedehnten Strandläufen zwingt und mit patriotischen Sprüchen nervt? Oder doch den tumben, gesichtslosen Gangstern, die ihn den gesamten Film über im Hubschrauber verfolgen, wenn sie nicht gerade hinter Schreibtischen sitzen und Parolen reißen?
Was haben sich die Macher dieser Schundschote bloß gedacht? Erst einmal 40 Minuten ohne jeglichen Superhelden-Anstrich verstreichen zu lassen, wäre ja noch akzeptabel. Bei ’Batman Begins’ hat das ja auch bestens funktioniert. Nur, dass Batman halt keinen alten Surfer-Kumpel besucht hat, mit Bürohengsten die Ozean-Promenade entlang gespurtet ist und in Laboren abhing, während von allen Seiten öde Dialoge einflogen.
Von actionreichem, gar aufwändigem Superheldentum ist hier nicht viel zu sehen. Wenn er mit seinem Auftraggeber labert (und labert und labert) und später seinen Supersprung mit passendem Sound-Effekt absolviert, erinnert der Titelheld viel eher an ’Sechs Millionen Dollar Mann’ Steve Austin, als an ’Captain America’ Steve Rogers. Nur, dass Lee Majors ein besserer Darsteller war. Nix gegen Reb Brown (REB BROWN!) aber die Schauspielkunst mit all ihren Feinheiten, prallen an dem Mann ab, wie Kugeln von Supermans Brust.
Was übrig bleibt, sind Sprüche aus der Klischee-Sprechblase (“Warum sollten sie sich mit Millionen aufhalten, wenn sie Milliarden kriegen können?“), Gangster, die von einer Rinderhälfte (nein, nicht Reb Brown) platt gemacht werden und kontinuierlich eingestreute Zoom Ins auf das verdutzte Gesicht des Helden.

Ist das ein Schauspieler?

“Und jedes Mal, wenn sie ihre Stärke und Fähgikeit benutzen, wird es sein, als würden sie ihren Namen an den Himmel schreiben.“
“Das ist möglich.“

Warum so zurückhaltend, Reb? Hau mal auf die Kacke, Junge. So wie bei ’Yor’ oder ’Cobra Force’. Dein ’Captain America’ war jedenfalls ein Schuss ins Laue. Vielleicht reißt ja der zweite Teil was…


Nein, das meinte ich nicht, mit "auf die Kacke hauen"!


Hudson