Camelot - Der Fluch des goldenen Schwertes



Originaltitel: Sword of the Valiant Regie: Stephen Weeks
Drehhbuch: Philip M. Breen, Therese Burdon, Rosemary Sutcliff, Stephen Weeks
Darsteller: Thomas Heathcote, Miles O'Keeffe, Leigh Lawson FSK: 16



Manchmal muss man sich wirklich wundern, nach welchen Kriterien die deutschen Verleiher ihre Filme bearbeiten. Da gab es in den späten 70er und 80er Jahren zum Beispiel eine herrlich doofe Methode, alberne, aber auch bierernste Filme mit noch alberneren Synchronisationen zu versehen. Warum das nicht auch mit vorliegendem Titel geschah, ist mir ein Rätsel. Kein zweiter Film hätte sich so blendend für eine Neubearbeitung durch ’God of Schnodder’ Rainer Brandt geeignet. Schauen wir, warum!

Wenn ihr denkt, dass der
hier eine bekloptte Frisur hat...
Am Hofe König Arthurs (Trevor Howard) ist tote Hose. Die Ritter hauen sich die Bäuche voll und platzen fast aus den Rüstungen. Arthur selbst ist ’not amused’, was möglicherweise aber auch an dem unangenehmen Kunstgedudel liegt, die uns ’Komponist’ Ron Geesin in die Gehörgänge bläst (Selbst die Fanfaren klingen nach Casio!). Und während er seiner eigenen Legende nachtrauert, kommt aus weiter Ferne ein Grünes Licht herbeigeritten. Es ist der Grüne Ritter und jener wird von niemand geringerem als Sean Connery gespielt, der hier wohl das lächerlichste Kostüm seiner gesamten Karriere trägt (Geweih-Haarreifen, Glitter in Frisur und Gesicht und ein ’Catweazle’-Gedächtnis Bart). Dieser Ritter ist ein magischer Axt-Kämpe, der sich brustfrei (was bei Connery ja schon wieder bedeckt heißt) und smart lächelnd dem Hofe präsentiert. Er sucht einen mutigen Mann, der es wagt, ein Spiel mit ihm zu spielen. Es geht wortwörtlich um Kopf und Kragen. Am Hofe gibt es aber nur einen, der sich ihm stellt: Knappe Gawain (Miles 'Ator' O' Keefe). Und als er ins Bild tritt, erkennen wir auch, warum er tatsächlich der einzige ist, der dem Grünen Ritter die Stirn bieten kann. Denn nur Gawains Frisur (10, ach was sag ich; 11 Punkte auf der Prinz Eisenherz Skala) kann es mit des Ritters eigener Haarpracht aufnehmen (eine absolute Killermatte, welche wohl Jahre später die Frisuren von Patty & Selma Bouvier stark inspiriert haben muss).
Leider verliert Gawain das Spiel, bekommt aber vom Ritter ein Jahr Zeit, ein Rätsel zu lösen. Sollte ihm dies nicht gelingen, wird er einen Kopf kürzer gemacht. Au weiha, da wär er besser beim Hackbraten geblieben.

...dann schaut euch mal den an!
Zum Ritter geschlagen verlässt Gawain schon bald die Burg mit seinem neuen Knappen Humphrey und macht sich auf die Suche nach den Antworten des Rätsels, im sagenumwobenen Land Liones. An der Meeresküste findet er ein Horn, in das er hineinbläst. Daraufhin erscheint am anderen Ufer ein Regenbogen! Was heutzutage als Allegorie für nicht ausgelebte Homosexualität gedeutet werden könnte, ruft im Film aber Sir Schwarzer Ritter, den Wächter von Liones, herbei (der einen Sprücheverstäker im Helm hat und sich daher wie eine Stadion-Shouter Version von Darth Vader anhört). Der Kampf mit ihm wird nicht Gawains letzter sein. Schießlich treibt sich noch genug Märchengesocks, wie Zwerge, Zauberer (sogar ein Zauberzwerg; gespielt von David ’Time Bandits’ Rappaport), sprechende Kröten und Geisterritter in den Wäldern und Bergen herum.

Keine Frage; das bißchen Ruhm das ’Camelot - Der Fluch des goldenen Schwertes’ besitzt, hat der Film Sean Connery zu verdanken. Dieser ist nunmal ein verdammt guter Schauspieler und glänzt auch hier, nicht nur auf Grund seiner Rüstung. Es hat schon etwas Erhebendes, den Star zwischen lustig bemantelten Nebendarstellern agieren zu sehen. Bleibt immer noch die Frage, was er hier zu suchen hatte.

Plautze voll und Rüstung drückt!
Von den anderen (prominenten) Darstellern ist man ja Ausflüge in den B-Bereich gewohnt. So gibt Peter Cushing die x-te Variante seines ’Daumen ans Kinn’- Bösewichtes und lässt sich die Hälfte seiner Bildschirmzeit dekandent in einer Bahre rumkutschieren. John Rhys Davies und Ronald Lacey (Sallah und Toht aus ’Jäger des verlorenen Schatzes’) spielen Papa und Sohn (beide böse), wobei Lacey ein solch geschmackloses Kostüm trägt, dass sein Schauspiel wirklich nicht mehr ernst zu nehmen ist (fehlt nur noch ein Riesenlutscher, dann sähe er aus wie Mr. Burns als Kind. Der Hut ist echt der Hammer!). Seltsam ist auch, dass ich (nachdem ich seinen Namen im Vorspann gelesen habe) John Rhys-Davies mindestens drei mal im Film erkannt zu haben glaubte, es aber immer andere Darsteller waren, die letztlich viel mehr nach Rhys-Davies aussahen und sich auch nicht halb so sehr im Over Acting übten.
Trick- und effekttechnisch kann der Film durchaus überzeugen, aber Ausstattung und Kostüme sind eher gut gemeint, als wirklich gut.
’Camelot - Der Fluch des goldenen Schwertes’ kann ja mit so manchem Logikfehler auftrumpfen, aber keiner ist so schwerwiegend, wie die Tatsache, dass Gawain nie im Leben seine Haarpracht unter einen so engen Helm bekommen würde. Nee, da hört der Spass wirklich auf.

Nicht sehr ritterlich!

Hätte sich Rainer Brandt oder einer seiner Synchro-Kasper dieses Streifens angenommen, wäre ein Riesenspass draus geworden. So bleibt der Film letztlich nur ein unterhaltsames Märchen, mit glänzenden Rüstungen, einem glitzernden Sean Connery und einem ungeheueren Coiffeur-Potential.

Hudson