Bye Bye Vietnam - FilmFlausen.de
                          




Bye Bye Vietnam



Originaltitel: Angel Hill: l'ultima missione (1988)
Regie: Ignazio Dolce Drehbuch: Tito Carpi
Darsteller: Richard Hatch, Vassili Karis, Donald Pleasence FSK: 18


Bye Bye Vietnam. Der Titel ist Programm.

Hier wollten alle raus und nach gefühlten 5673 Nam-Streifen aus Italien wahrscheinlich auch die letzten Fans verschwitzter Dschungel-Actionreißer. ’Bye Bye Vietnam’ aka ’The Last Platoon’ aka ’Angel Hill’ ist der 5674te und nein, es ist nicht der schlechteste von allen, aber bei weitem nicht als ’gut’ zu bezeichnen.

NAM, was sonst!?

Richard Hatch (bekannt als ’Apollo’ aus ’Kampfstern Galaktika’) spielt den desillusionierten G.I. Costa, der laut Aussage seines Senior Officiers (Donald Pleasence) schon seit Erfindung des Vietnamkrieges in der grünen Hölle hockt und einen Kameraden nach dem anderen verloren hat.
Gerade von einer Höllenmission zurückgekehrt, wird er schon auf’s nächste Himmelfahrtskommando geschickt. Er soll eine Brücke in die Luft jagen und damit den Nachschub des Gegners lahmlegen. Dafür soll er endlich in die Freiheit geschickt werden. Vielleicht. Mal sehen. Ausgestattet mit einem Tornister voller Blei und begleitet von einer Handvoll Frischlingen (u.a. ein feiger Nerd mit Brille) und einer anderen Handvoll Ex-Knackis (u.a. ein Schwarzer namens ’Smiley’) wird Costa hinter feindlichen Linien abgesetzt und muss nun zusehen, wie er sich durch Schimpf und Charlie furcht, um den großen amerikanischen Alptraum namens Nam endlich hinter sich zu lassen. Vielleicht. Mal sehen…

“Wo müssen wir lang?“
“Das wirst du niemals aus mir rauskriegen!“
“Dann knall ich dich ab! Also, wo müssen wir lang?“
“Nach da hinten!“

Morgens halb 10 in Vietnam und kein Frühstückchen weit und breit.

Vietnam. Wo Strohhüte nie aus der Mode sind.
Vietnam. Wo jeder Nerd die Nerven verliert.
Vietnam. Wo es immer nur um’s Töten ging.
Vietnam. Wo jedem bald das Hirn zerschmiert.
Warum hat eigentlich noch niemand ein Musical über den Vietnamkrieg gemacht?
Es sind doch fast alle Zutaten da: Drama, Strohhüte…
Also schön, vielleicht kein Vietnamkriegs-Musical, aber bei ’Bye Bye Vietnam’ (bitte laut vorlesen!) gibt es immerhin eine sülzige Liebesgeschichte, die nicht von ungefähr an die aus ’Hot Shot 2’ erinnert.
Davon abgesehen ist der Film nicht halb so absurd, wie einige seiner Genre-Vettern, teilweise aber genauso grob und mindestens ebenbürtig in seiner Klischeebeladenheit.Leider gibt es keinerlei Sympathiefiguren. Jeder versucht jeden reinzureiten und auch dem Protagonisten ist es egal, welcher seiner Männer überlebt und welcher nicht. Das Material fordert keine darstellerischen Großleistungen und bekommt auch keine.

Ein Brite als Amerikaner
für Italiener in Vietnam...
Einmal mehr müssen wir eine von Donald Pleasence’ müden Vorstellungen für seine italienischen Brötchengeber miterleben. Es tut mir in der Seele weh.
Immerhin hauen die Action-Szenen mit den urtypischen Ballereien und Explosionen, und der gelegentliche Einsatz von brutalen Dschungel-Fallen in genau die Kerbe, die Fans solcher Run&Gun-Streifen durchaus zu schätzen wissen dürften. Das mag ein kleiner Trost sein, täuscht aber nicht über die banale Durchschnittlichkeit von ’Bye Bye Vietnam’ hinweg. Denn, wie der Film selbst eindrucksvoll beweist: Man stirbt auch mit ’nem Pflaster auf der Backe.


Hudson