Brotherhood of Death - FilmFlausen.de
                          




Brotherhood of Death


‘Watch the brothers stick it to the Klan!’


Originaltitel: Brotherhood of Death (1976) Regie & Drehbuch: Bill Berry
Darsteller: Roy Jefferson, Le Tari, Haskell V. Anderson III FSK: unbekannt


’Brotherhood of Death’ wird in Insiderkreisen (in diesem Fall ein gewichtiges Wort für Obscure-Exploitaton-Fans und Tarantino-Anhänger) gerne als ’Epitome of Rural Blaxploitation’ angepriesen, was aber womöglich auch daran liegt, dass es nicht allzu viele Alternativen gibt. Normalerweise treiben sich die schwarzen Asskicker solcher Streifen ja im Ghetto, zumindest aber in urbanen Gegenden rum. Hier sind es die Backwoods des US-amerikanischen Südens.

The Brotherhood of Death
in their Bungalow of Balsaholz
Drei schwarze, junge Männer lassen sich zum Dienst in Vietnam verpflichten, lernen dort das Überleben unter Dauerfeuer, verkaufen Drogen und klopfen Sprüche. Nach geleisteter Dschungel-Maloche geht’s zurück in die Heimat, wo der Ku Klux Klan die Macht in bleichen Klauen hält. Das gefällt den Brüdern natürlich kein bisschen und man versucht zunächst mit legalen Mitteln, wie einer Wahl und der widerwilligen Hilfe des örtlichen Sheriffs, den schwarzen Mitbürgern Gerechtigkeit zu gewährleisten. Doch die Auseinandersetzungen eskalieren zu Schießereien mit Todesfolge und bald ist im Hinterland Guerilla-Krieg angesagt…

Und davon verstehen die drei Jungs eine Menge. Dass ihre Darsteller nichts vom Schauspiel verstehen, das Drehbuch ihnen jegliche Charakterentwicklung verwehrt und der Film vor üblen Klischees überschwappt, ist ärgerlich. Denn ’Brotherhood of Death’ ist zuweilen urig unterhaltsam. Jedenfalls für einen Film, dessen Budget kurz über der Schmerzgrenze gelegen haben muss.

Der Klan ohne Plan
Die Szenen, die angeblich in Vietnam spielen, finden irgendwo im Mischwald nahe Buxtehude, Tennessee statt. Hier läuft der Vietcong oberkörperfrei und in Blue Jeans durch den Busch. Die drei Darsteller asiatischer Abstammung, die man aufgabeln konnte, werden zwei, drei mal hintereinander abgeballert und in anderen Posen ins Gras geworfen. Die Beleuchtung ist derartig schwach, dass ich aus Verzweiflung eine Lampe auf den Bildschirm richten musste. Hat auch nichts gebracht. Ich bin halt kein Beleuchter.
Budgetknappheit ist oft genug das Problem bei dieser Art von Exploitaton-Ware. Man hat einfach nicht genug Zaster, um das angepeilte Rambazamba über die komplette Laufzeit abzuziehen und pantscht schließlich Subplots und oft verhunzte Versuche, dem Geschehen Drama und Bedeutung zu verleihen, hinein.
Das kann klappen, wenn Drehbuch und Darsteller Hand in Hand gehen, aber bei ’Brotherhood of Blood’ sind in der Beziehung Hip-Hopfen und Malt-Liquor verloren (sorry).
Unter den Darstellern, die man größtenteils aus populären Football Teams akquirierte, um wenigstens ein paar bekannte Namen in den Anzeigen vorzuweisen, sticht lediglich Le Tari (’Amazonen auf dem Mond’) hervor und auch nur, weil er aussieht, als hätte man Fred Williamson und Chris Rock in einen Mixer gepackt und auf ’Gawd dang!’ gedrückt.

Let's stick it to the man!
Während aus den Boxen Funky Music schallt (“High horse, gett offa your high horse. Sooo hiiigh!“), wird auf der Leinwand manipulierende Exploitation deluxe abgefeiert.
Was mir als Weißbrot bei vielen dieser Filme auf den Zeiger geht, ist die konsequent übertriebene Darstellung des Schwarz/Weiß-Gefüges, die mir gar keine Wahl lässt, als über die Comichaftigkeit des schwarzen Kampfes gegen die weiße Unterdrückung die Augen von Watts bis nach Compton rollen zu lassen.
Ich meine, klar, die Antagonisten sind allesamt Klan-Wichser. Aber auch keiner der anderen Whities hat irgendwelche rettenden Qualitäten. Der Sheriff weiß zum Beispiel genau, wer eine schwarze Frau vergewaltigt hat (“Gonna split me some black oak.“), denkt aber nicht daran, den Mann dafür zur Verantwortung zu ziehen, weil er Konsequenzen durch den Klan fürchtet. Ich bin kein Experte für Segregation oder die tatsächlichen Verhältnisse der damaligen Zeit in den Südstaaten, verstehe auch die exploitive Notwendigkeit der Übertreibung und weiß, dass diese Filme fast ausschließlich für ein schwarzes Publikum gedacht waren, aber ich glaube, dass sich die Macher mit dieser einseitigen Darstellung genau so ins eigene Fleisch schneiden, wie mit der absolut überflüssigem Szene, die ihre drei Protagonisten als Drogendealer in Vietnam zeigt.

“You got the shiiit?“
“You got the breeeaaad?“

GESTICKT!!!

Sieht man über die dramaturgischen und technischen Schwächen hinweg… ach Leute, ich würde an dieser Stelle echt gerne etwas Nettes über den Streifen sagen.
Ja, die Szenen in denen sich die Jungs in Klan-Outfits (da hatte Michael Bay also die Idee für ’Bad Boys 2’ her) unter ihre Peiniger mischen, sind klasse, vor allem wenn man bedenkt, dass die Produktion Gerüchten zufolge auf tatsächlichem KKK-Turf gedreht wurde. Aber im Gesamtbild ist ’Brotherhood of Death’ leider nicht mehr als eine handvoll netter Momente auf der Suche nach einem Film.


Hudson