Brokeback Mountain - FilmFlausen.de
                          




Brokeback Mountain


‘Love Is A Force Of Nature.’


Originaltitel: Brokeback Mountain (2005) Regie: Ang Lee
Drehbuch: E. Annie Proulx (short story), Larry McMurtry, Diana Ossana
Darsteller: Heath Ledger , Jake Gyllenhaal , Michelle Williams FSK: 12


Ich muss zugeben, dass ich ein bisschen Angst vor ’Brokeback Mountain’ hatte. Vor Männern, die sich verliebt in die Augen gucken, flirten, rumknutschen… Aber schon in der ersten halben Stunde wurden meine vielleicht nicht ganz politisch korrekten Vorurteile in nichts aufgelöst. Blöde Sprüche erübrigten sich auch bald, da der Film von sich aus genug Anlass zum Schmunzeln gab. Die beiden sind aber auch zu putzig, der selbstbewusste Jack Twist (Jake Gyllenhaal), der alles locker nimmt und den es nicht die Bohne zu interessieren scheint, was andere von ihm denken und der wortkarge, für seine 19 Jahre schon ganz schön schrullige Ennis Del Mar (Heath Ledger). Gemeinsam arbeiten sie den Sommer über als Saisonarbeiter für einen Farmer, für den sie in den Bergen eine Herde Schafe hüten.

"Ich bin nicht schwul oder so."
"Ich auch nicht."
In völliger Abgeschiedenheit, bei tiefschürfenden und teilweise ordentlich whiskeygetränkten Gesprächen kommen sich die Cowboys näher. Und obwohl sie sich gegenseitig versichern, dass sie nicht schwul sind, entwickelt sich zwischen ihnen eine Liebesbeziehung, die sich für beide richtig anzufühlen scheint. Aber irgendwann ist leider auch das schönste Sommercamp zuende und jeder muss wieder nach hause.
Ennis geht zurück zu seiner Verlobten und Jack widmet sich wieder dem Rodeo-Reiten. Beide versuchen, sich damit abzufinden, dass ihre Freundschaft für immer auf diesen einen Sommer beschränkt bleiben soll. Ennis heiratet Alma (Michelle Williams) und auch Jack findet in der feschen Rodeoreiterin Lureen (Anne Hathaway) eine Frau fürs Leben. Nach jahrelanger Funkstille bekommt Ennis eine Postkarte, mit der Jack seinen Besuch ankündigt. Die beiden sehen sich wieder und werden sofort von ihren alten Gefühlen überrollt. Von nun an verbringen sie jeden Monat ein Angelwochenende auf dem Brokeback Mountain. Mehr als Jack, lebt Ennis in ständiger Angst, dass ihre Liebe entdeckt werden könnte, ohne zu ahnen, dass seine Frau längst bescheid weiß. Und während er sich mit der Situation der gelegentlichen Treffen auf der einen und dem Leben als Familienvater auf der anderen Seite arrangiert zu haben scheint, leidet Jack unter der Geheimniskrämerei und der ständigen Trennung. Er träumt von einem gemeinsamen Leben mit Ennis auf einer abgelegenen Ranch.

Jake Gyllenhaal
& Anne Hathaway
Das klingt alles nach einem klassischen Drama um eine unmögliche Liebe, die sich auch so ähnlich zwischen einem Mann und einer Frau abgespielt haben könnte. Und das ist genau die Stärke des Films. Er verzichtet vollständig auf die gängigen Schwulenklischees, peinliche Momente kommen nicht auf, weil die Liebe zwischen zwei Männen ganz und gar ungezwungen und natürlich und sehr subtil und zurückhaltend dargestellt wird und ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Zuschauer spätestens nach der Hälfte nicht mehr darüber nachdachten, ob es hier um ein homosexuelles oder heterosexuelles Paar geht. Es geht hier nicht um die Frage, wer mit wem schlief, sondern darum, ob es die eine große Liebe wirklich gibt und ob auch ohne sie ein erfülltes Leben möglich ist. Welche Opfer ist man bereit zu bringen auf der Suche nach dem großen Glück und was passiert mit jemandem, der ein Leben lang seine wahren Gefühle verstecken muss?

Regisseur Ang Lee hat mit ’Brokeback Mountain’ ein wirklich beeindruckendes Werk geschaffen, das durch Witz, Charme und eine ordentliche Portion Tragik schon allein großartig ist. Aber dann auch noch diese Musik. Ich bin normalerweise nicht jemand, der groß auf die Filmmusik achtet, aber hier ist sie mir mal wirklich aufgefallen. Ich musste gleich nachgucken, wer da den Taktstock im Spiel hatte. Es ist Gustavo Santaolalla (’Kaltes Land’), den sollte man sich merken.

Heath Ledger &
Michelle Williams
Auch die Schauspieler sind große Klasse. Allen voran natürlich Jake Gyllenhaall und Heath Ledger. Zwei echte Cowboys, im Sattel geboren und immer mit Hut. Das sind nicht mehr der Süße aus ’The Day After Tomorrow’ und der Schnuckel aus ’Ritter aus Leidenschaft’, das sind richtige Männer mit Charakter. Jake Gyllenhaall, der sonst immer eher schüchterne in sich gekehrte Rollen spielte (wie bei ’Donnie Darko’) gibt den aufgeschlossenen, lebenshungrigen Jack, der große Träume hat und bei deren Verwirklichung nicht unbedingt Kompromisse eingehen möchte und Heath Ledger beeindruckt als ernsthafter Mann, der unter seinem Doppelleben leidet und es trotzdem nicht schafft, seine Ängste zu überwinden und über seinen Schatten zu springen. Auch Michelle Williams, in der Rolle der betrogenen Ehefrau kann zeigen, dass weit mehr in ihr steckt, als das dahinphilosophierende Blondchen aus ’Dawson’s Creek’.

Fassen wir also zusammen: tolle Schauspieler, schöne Musik, tiefgreifende Story und Verzicht auf die von mir aufgrund des Trailers und der Plakate befürchteten Rührseligkeit macht unterm Strich, dass ich jetzt nicht mehr enttäuscht gewesen wäre, hätte nicht ’L.A. Crash’ sondern ’Brokeback Mountain’ den Oscar für den besten Film bekommen. Kurz gesagt, ich bin begeistert.

Leone