Brain Slasher - FilmFlausen.de
                          




Brain Slasher


‘In the future, life will be a dream.
And reality a nightmare.’


Originaltitel: Mindwarp (1990) Regie: Steve Barnett
Drehbuch: John D. Brancato & Michael Ferris
Darsteller: Bruce Campbell, Marta Alicia, Angus Scrimm FSK: 18


Wenn im Vorspann zu großen Worten ein Atompilz erscheint, weiß der Filmkenner: Es ist Zeit für Endzeit! Ein etwas anderer Vertreter dieser Gattung ist ’Brain Slasher’ aus dem Hause ’Fangoria-Films’ (ja, die hatten sogar mal ein Produktions-Studio, dessen Halbarkeitsdatum allerdings bald abgelaufen war).

'Chopper Freaks in Mutant Town'

Hier lebt die Menschheit freiwillig angekoppelt an eine Art ’Matrix’, in der sie sich nach Lust und Laune ausleben können. Judy (Marta Alicia) reicht das nicht mehr. Sie will leben. Erleben! “Warum? Hier ist doch nichts.“ wird sie von ihrer Mutter ermahnt. Doch Judy stellt sich quer, was ihr letztlich zum Verhängnis wird. Der Operator des Progammes (eine Art Schiri-Borg-Queen) koppelt sie vom System ab und lässt sie an die Luft setzen. Hier bemerkt Judy erst, wie Recht Mutti doch hatte. Ein riesiges Nichts breitet sich vor ihren Augen aus. Eine leere Einöde, wüst und einsam. Gesellschaft leisten lediglich ein paar abgenagte Knochen-Kallis. Natürlich trügt der erste Blick meist und da wir uns in einem waschechten Endzeit-Film befinden, lassen kannibalistische Mutanten, ’Kriecher’ genannt, nicht lange auf sich warten. Zu Judys Rettung eilt Einsiedler (als ob er eine Wahl hätte) Stover (Bruce Campbell, the greatest Chin in the Universe!).
Nach kurzer Verschnaufpause (inklusive der obligatorischen Annährung, oh wie zwischenmenschlich!) sind die Kriecher aber schon wieder da und entführen die beiden aus ihrem Liebesnest in ihr subterranes Reich, durch kilometerlange Erdlöcher (wahrscheinlich sogar dieselben, durch die auch später in ’Mortal Kombat 2’ gekugelt wurde).
Während Stover mit anderen Sklaven als Buddelflink in die unterirdischen Müll-Halden geschickt wird (dort sind nämlich Mixer, Barbie-Puppen und andere, längst vergessene Schätze der Zivilisation begraben), kommt Judy in die verlässlichen Hände des Seers (Angus Scrimm, das lange Elend aus den ’Das Böse’-Filmen). Dieser ist zwar selbst kein ’Kriecher’, kann aber mit einer Kapuze aus Menschenhaut (Augen anstelle von Bommeln) und Krallenhänden aus der ’Freddy Krüger’-Ausschuss-Kiste auftrumpfen. Am liebsten hängt der Seer übrigens den lieben langen Tag an einem überdimensionalen Entsafter (ala ’Die Leichenmühle’) herum, um das Blut aus seinen Sklaven zu pressen und dieses aus einem halben Schädel zu saufen. Cheers! Richtig dramatisch wird es, als Judy erkennt, dass der Seer ein alter Bekannter ist, der reichlich ekelhafte Dinge mit ihr plant…

Your Host tonight:
Mr. Bruce 'Bloodsplattered' Campbell

Tja, das hat man davon, wenn man den Hals nicht voll genug bekommen kann. Sie hatte doch die Chance, ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten, in der sorglosen, virtuellen Cyber-Welt…
Klingt doch eigentlich ganz nett, oder? NEIN, du Nase! Das wär die Hölle! Keepin’ it real! Verstehste?

Zurück zum Film:
Wo Fangoria drauf steht, da ist auch drin, was auf dem Cover des gleichnamigen Magazines meist zu sehen ist. Nämlich Monstren, Mutanten und uriges Make-Up.
Für letzteres ist die KNB-Truppe verantwortlich, die ja auch schon bei ’Tanz der Teufel 2’, ’From Dusk till dawn’ und etlichen weiteren Genre-Klassikern Gummi, Kleber und Pinsel schwangen. Und davon braucht es ganze Eimer voll in ’Brain Slasher’. Der Gore & Glotter Faktor wurde für die erste hauseigene Produktion von Fangoria nämlich mächtig angehoben. Bruce Campbell ist wie gewohnt gut und wie gewohnt mit irgendeiner 0815-Synchro ausgestattet (Menschenskinder, grade der hätte einen Dauersprecher verdient!). Außer Marta Alicia und Angus Scrimm ist der Rest des Personals hinter künstlichem Narbengewebe und Mettgut versteckt.
Storytechnisch geistert der Film irgendwo zwischen ’Total Recall’ und ’Futurekick’ herum, auch könnte man behaupten, die Herren Wachowski hätten sich die eine oder andere Idee für ihre Hyper-Cyber-Trilogie bei ’Mindwarp’ (so der Originaltitel) abgeschaut. Andererseits geht der Film bis zum Finale auf konkreter Bahn den Weg alles Endzeitlichen, so dass man ihm das verschwenderisch twistige Ende beinahe übelnehmen will.

"Gimme some sugar, baby!"

Brainslasher! Splattrig, trashig und endzeitig, nicht ohne Längen, dafür aber mit Bruce Campbell in Metzel-Laune. Also launig und teilweise erstaunlich.

Hudson