B.O.R.N. - Die Organjäger - FilmFlausen.de
                          




B.O.R.N. - Die Organjäger


‘Eine Fiktion, die vielleicht heute bereits Wirklichkeit ist!’


Originaltitel: B.O.R.N. (1988) Regie: Ross Hagen
Drehbuch: Ross Hagen & Hoke Howell
Darsteller: Ross Hagen, P.J. Soles, Hoke Howell FSK: 18


B.O.R.N., ein reißerischer und reißend dämlicher Action-Thriller aus der Pfütze des späten Fahrwassers von Michael Crichtons ’Coma’, zeigt gleich zu Beginn wo der Trash klingelt, wenn die Protagonisten uns auf einer ur-amerikanischen Tanzveranstaltung vorgestellt werden, wo sie tatsächlich Ringelreihen (kein Scheiß) tanzen.

Ross Hagen: Schauspieler, Autor,
Produzent, Regisseur und Ruineur
seines eigenen Filmes.
Happy Trallala ist jedoch nur kurz angesagt, denn kaum sind die Töchter von Cowboy Buck (Ross Hagen) mit einem fröhlichen “Ich freu mich schon drauf, wenn ich so alt bin, wie ihr seid.“ “Wieso?“ “Wegen der Jungs… und BUSEN!“ auf den Lippen aus der Tanzhalle gestiefelt, kommt plötzlich ein röhrender Krankenwagen um die Ecke geschossen, öffnet seine Türen, lässt drei Grobiane hinausspringen und die Mädchen einsacken.
Buck wird gerade noch Zeuge der Entführung, kann diese jedoch nicht verhindern. Als die Polizei sich so inkompetent wie möglich zeigt (“Wir haben Verständnis für ihre Sorgen, aber wir sind dafür nicht zuständig.“), ist dem Zuschauer klar, in welche Richtung es den Film und seinen Protagonisten schlagen wird. Die Mädels wurden von einem Organschmuggler-Ring unter einer gewissenlosen Frisur-Schurkin, die mit einem skrupellosen Arzt (William Smith) und dessen hemmungslosen Personal (u.a. Clint Howard & Hoke Howell) kooperiert. Buck muss die Schurken ausfindig machen, bevor es zu spät ist und seine Mädchen ausgeweidet und in die Weltgeschichte umverteilt werden…

William Smith: Barbar, Biker,
Schläger, Soldat, Schläger
und jetzt auch Mad Doktor
Die dramaturgische Brisanz von B.O.R.N. präsentiert sich am besten in folgender Szene: Cowboy Buck Cassidy ist (natürlich ohne jeglichen nachvollziehbaren Recherche-Ansatz) auf Spurensuche bei einer Pool-Party und wird von einer wildfremden, toupierten Blondine angesprochen: “Eine Frage, Cowboy. Hast du wirklich Pferde auf deiner Ranch?“. Darauf antwortet Opa Buck mit den Worten “Aber sicher. Wie wär’s denn mit einem kleinen Ausritt. Wärst du interessiert?“. Und das, nachdem seine drei Töchter entführt und seine Frau und sein kleiner Sohn zu Hause von einem Irren bedroht werden. Class act.
Ross Hagen führte hier selbst Regie (was er tunlichst hätte unterlassen sollen), schrieb auch das Drehbuch (dito) und somit sich die Rolle des Good Old Boys praktisch auf den Leib (plus einer Klausel, dass er mindestens während zwei Drittel der Laufzeit einen Cowboyhut tragen dürfe). Hagen reißt hier genau so wenig, wie P.J. Soles (’Jawbreaker’) als wehrlose Tochter, Clint Howard (’Evilspeak’) als sleaziger Rape-Pfleger oder William Smith (’The Hunter’) als keuchender Arzt. Letzterer hat mich mittlerweile auch endgültig davon überzeugt, dass er doch in mehr beschissenen Filmen mitgespielt hat, als es meiner Vorliebe für seine Bildschirmpräsenz gut tut.
Anstatt wenigstens die Action gleich loszutreten und damit nicht auf die letzten zehn Minuten zu warten, latschen die Protagonisten am Flachmann nippend den Hollywood Boulevard entlang und lamentieren über das Monstrum Großstadt.

“Wie heißt der Film über den Polizisten, der besonders schlau sein wollte? Ein schlechter Tag für einen schlechten Polizisten!“

Clint Howard: Ach komm... lassen wir's gut sein.

S.C.H.L.E.C.H.T. wie B.O.R.N. gibt’s wirklich nur selten. Der Film ist ein Quell wahrer Freude, in dem Mütter und Kinder abgeknallt und junge Mädchen entführt und “ausgenommen“ werden. In den richtigen Händen vielleicht brauchbares Thriller-Material, aber die Hände waren den Machern dieses Bodensatz-Videoreißers durch kosmische Unfähigkeit gebunden.
Dass aus dem Thema auch im B-Bereich mehr gemacht werden kann, bewies Larry Cohen zwei Jahre später mit ’Ambulance’.


Hudson