Blutiger Freitag - FilmFlausen.de
                          




Blutiger Freitag


‘Killer kennen keine Gnade!’


Originaltitel: Blutiger Freitag (1972) Regie: Rolf Olsen & Lee Payant
Drehbuch: Valeria Bonamano & Rolf Olsen
Darsteller: Raimund Harmstorf, Amadeus August, Gianni Macchia FSK: 16


“Man, jetzt krieg bloß kein’ Moralischen. Was wär’n gewesen, wenn ich geballert hätte? Hör mal zu, Luigi! Was wir vorhaben ist kein Scheissdreck und Bullen sind keine Heilsarmisten. Also Hemmungen: Null. Rücksicht: Null! Wenn du Schiss hast, steig aus!“

Welcome to the Jungle

Heinz Klett (Raimund Harmstorff), hauptberuflicher Kleinganove mit Hang zu Gewalttaten wird bei seiner Überführung ins Café Viereck von seinen beiden Kumpanen Stevo und Luigi befreit. Nachdem Stevo allerdings geschnappt wird, brauchen Klett und Luigi einen dritten Mann für den geplanten Banküberfall. Da kommt ihnen der Bruder von Luigis schwangerer Freundin Heidi gerade recht. Christian ist gerade aus der Bundeswehr-Kaserne desertiert und hat zwar nichts mit Gangstern am Hut, aber letztlich sowieso nichts mehr zu verlieren.
Gemeinsam wird zuerst ein Waffentransport der US-Besatzer überfallen, um ein paar schusskräftigere Argumente zu besorgen. Dann machen sich die drei auf, um in der nächstbesten Bank-Filiale damit zu argumentieren. Natürlich eskaliert die Situation und die Polizei umstellt das Gebäude, in dem ein unerbittlicher Kampf um Geld, Leben und Gewissen tobt…

“Wir verhandeln nur mit massgeblichen Bonzen. Und keine Tricks! Wir sind nicht hirnverbrannt und sind bereit, uns nötigenfalls mit den Leuten da drin zu vernichten.“

Trittbrettfahrer R.M.F. (Rote Mützen Fraktion)

’Raimund Harmstorff in seiner härtesten Rolle’ steht großspurig auf dem DVD-Cover und da mag schon was dran sein. Auch wenn Harmstorff hier keine Tüften mit blanker Faust zerquetscht, macht er nicht viel Federlesen, wenn es um harte Sprüche und harte Taten geht. ’Blutiger Freitag’ ist ein schonungsloser Film aus der Ära, als auch in Deutschland die Exploitation-Leier angekurbelt wurde. Mit Ausnahme von Harmstorff, bleiben die Figuren jedoch auf dem Teppich. Vom Migrationshintergrund, über die brüchige Fassade des gutbürgerlichen Bürojobs, bis hin zu altklugen Anmerkungen Schaulustiger im Doku-Stil spart Regisseur Rolf Olsen nicht an gesellschaftskritischen Kommentaren und schafft so eine teilweise fast bedrückend realistische Atmosphäre, die von den überzogenen Kunstprodukten der Grindhouse-Ära deutlich zu unterscheiden ist. Nicht, dass Olsen nicht auch ein paar deftige Kracher mit einbauen würde. So ist das Kind mit der Handgranate und die anschließende Auflösung der Situation schon scharf am Rande der Absurdität und mit dem Ketchup-Blut, das von offensichtlich unbegabten Effekt-Leuten angerührt und verteilt wurde, wird genau so wenig gespart, wie an fetziger Swing-Musik im Soundtrack.
Unter den durchweg überzeugenden Darstellern befinden sich übrigens auch Ernst H. Hilbich, der sonst eher aus Komödien a la ’Rudi, benimm dich’ und ’Betragen Ungenügend’ bekannt ist, hier aber eine absolut schräge Rolle als desillusionierter Bankangestellter spielte und damit seiner Karriere einen ganz besonderen Kniff gab.

"Schuld daran ist aber auch die Gesellschaft!"
"Also wir alle?"
"Ja... außer Onkel Theo. Der is im Kriech gestorben!"

’Blutiger Freitag’ ist eine dramatische Krimi-Thriller-Angelegenheit, bei der bis zum bitteren Ende keiner sicher ist. Aufrichtig genug, um auch von Gelegenheits-Glotzern mitgenommen zu werden und reißerisch genug für den dreckigen Rest.


Hudson