Blood Tide - FilmFlausen.de
                          




Blood Tide


‘The myth is alive!’


Originaltitel: Blood Tide (1982)
Regie: Richard Jefferies Drehbuch: Nico Mastorakis & Richard Jefferies
Darsteller: James Earl Jones, José Ferrer, Lila Kedrova FSK: 16


Aus unserer Reihe ’Verlorene Horror-Filme, die keiner finden wollte, dann aber letztlich in unserem Besitz landeten’ kommt heute der Arte-Okkult-Monster-Horror ’Blood Tide’.

Herzlich Willkommen?
Das frisch verheiratete Pärchen Neil und Sherry verbinden den Honeymoon mit der Suche nach Neils Schwester Madeline, die auf einer mysteriösen griechischen Insel als verschollen gilt. Auf dem Eiland angekommen treffen sie auf wenig freundliche Einwohner, die größtenteils verschwörerisch dreinschauen und Maulaffen feil halten. Bei dem exzentrischen Schatzsucher Frye finden sie Madeline schließlich. Gemeinsam gehen die vier einem alten Mythos nach, der besagt, dass in den Unterwasserhöhlen der Insel ein Monster haust, welches nur durch das Blut frischer Jungfrauen zu besänftigen sei…

Liebe Macher, als ein kluger Mann einst meinte, es sei clever, sein Monster während des Filmes im Verborgenen zu lassen, meinte derjenige ganz sicher nicht euren Film! Und wisst ihr auch warum? Weil der außer eurem albernen Trashmonster a la ‘Big Bad Momma from the Evil Dead Fruit Cellar’ ja mal gar nix zu bieten hat, was Horror oder Monster-Fans vor der Glotze bannt!
Na schön, wir haben noch James Earl Jones, den ’Ich bin dein Vater!’-Röchler aus diesen Science-Fiction-Filmen. Der hat sich wahrscheinlich gedacht, “Na Mensch, ich mach da Urlaub in Griechenland und bekomm auch noch Schotter dafür.“

Hätte er sein Antlitz während
des gesamten Films unter der
Dunstkiepe behalten, wäre
seine Credibility vielleicht
nicht ins Bodenlose gesunken.
Dementsprechend schluckt er auch alle fünf Minuten aus der Grappa-Pulle und zitiert hin und wieder Shakespeare. Bis ich kapiert hatte, das dies Kunst war, hatte der Film mich schon verloren. Eine zweite Chance wird er nicht bekommen.
Lustig, dass Jones hier des öfteren im Neoprengewand eines Tiefseetauchers durch die Lagune stapft, mit dem praktischen Sauerstoffgerät hätte er ja wenigstens mal “Ich bin dein Vater!“ zu Martin Kove sagen können. Warum man für so einen Kunst-Monster-Horror ausgerechnet den engagiert hat, ist eine ganz andere Frage. Kove irritiert und/oder nervt schon rein optisch mit riesiger Lockenpracht (sowohl auf dem Haupt, als auch auf der Brust), Goldkettchen und hautengen Bluejeans. Schon eine Art Running Gag, wie der Knallkopp in jeder seiner Szenen mit aufgeplustertem Brustkorb vor seiner Frau, den Dorfbewohnern oder einer Nonne steht und verwirrt bis böse dreinschaut.
Ebenfalls dabei: Jose Ferrer, seines Zeichens Hollywood-Altstar. Dieser gibt hier den mysteriösen Dorfältesten, der ununterbrochen “Geht nicht zu diesem Ort!“ zu sagen scheint, ohne es jemals auszusprechen. Auch eine Kunst, aber wie ihr euch denken könnt, kann das ebenfalls den Film nicht vor seiner triefartigen Langweiligkeit retten.
Dafür bekommt man okkulten Insel-Hokuspokus, griechische Lebensart und Lokalkolorit, bis der Tsatzicki brodelt.
Ein Vergleich mit Brian Yuznas ’Dagon’ drängt sich meinem zerfurchten Filmhirn irgendwie auf, nur halt ohne die bedrohliche Stimmung und im prallen Sonnenlicht gedreht. Was das soll brauchen wir erst gar nicht zu fragen. ’Sollen’ sollen Filme ja allerdings auch eher selten sollen.
Wenn man das beste aus dem Film holen will, kann man zu den glibbrigen Kurzauftritten des Monsters spulen, vorbei an knackigen Strandhasen, die zu aufgedrehter Fahrstuhlmusik ins Meer hinausschwimmen, einer fliegenden, kreischenden Katze und einer Frau, die durchdreht, weil sie ein Gemälde vom großen Puller des Monsters sieht. Toll.

“Ja, so ist's fein, Schwester.
Erst mal ein Schnäpperken auf diesen doofen Film!“

Fazit: Langweiliger Monster-Schmus mit ganz viel Schmus und ganz wenig Monster (aber dann auch noch mit einem extrem trashigen). Das passt hinten und vorne nicht. Schäm dich, Darth Vaders Stimme!

Hudson