Bloodrayne 2 - FilmFlausen.de
                          




BloodRayne II: Deliverance



Originaltitel: BloodRayne II: Deliverance (2007) FSK: keine Jugendfreigabe
Regie: Uwe Boll Drehbuch: Christopher Donaldson & Neil Every
Darsteller: Natassia Malthe, Zack Ward, Michael Paré


Ach, schau mal einer an, Uwe Boll ist da angekommen, wo er hingehört. Direct to DVD. Jedenfalls mit einem Bein. Drei andere hat er kürzlich ja noch ins Kino stemmen können. Aber das muss ja nicht so bleiben, da gibt sich uns Uwe schon Mühe genug.

Bloody bloodless lass
Bei ’Bloodrayne 2 - Deliverance’ gibt man uns eine Geschichtsstunde ganz besonderer Art. Rayne, eine weibliche Mensch-Vampir-Mische (gennannt ’Dampier’), die schon in Teil Eins im mittelalterlichen Rumänien für Wirbel sorgte, ist jetzt im Wilden Westen unterwegs, komplett mit langem Ledermantel, Stetson und nicht mehr gespielt von Kristana Loken, sondern von Ex-Model Natassia Malthe.
Raynes neuer Widersacher ist Billy the Kid (Zach Ward). Der ist auch ein Vampir (hmh) und hat kürzlich das Kuhkaff Deliverance eingenommen, von dem aus er Amerika zu erobern gedenkt. In ein paar Tagen wird hier nämlich die Eisenbahnlinie angeschlossen, die Billy aka William H. Bonney aka Mr. Das Kind und seinen Vampir-Männern (“rekrutiert“ aus den Cowboys der Umgebung) das Tor in den Westen öffnen soll. Rayne stolpert in dieses gut durchdachte Szenario und muss erst einmal etwas Ärger einstecken, bevor sie sich mit Pat Garett (Michael Paré) verbünden, und ein paar weitere Dampfnasen zur Unterstützung gegen die Bultsauger anheuern kann. Showdown. Ende.

“Ich denke, wir beide sollten uns vielleicht zusammen tun.“
“Ich reite allein.“
“Da wird sie eine ganze Menge von diesen Blutsaugern erwarten. Eine Frau wird damit kaum allein fertig werden.“
“Ihr Hosenstall ist offen.“

Désenchantée: Michael Paré

Holy Cow. Ich kann nur raten: Boll wollte einen dreckigen Western drehen… ?
Problem: Selten war ein Western “unwesternhafter“ (das Wort musste ich mir kurz mal ausdenken, sorry). Dass Winterlandschaften durchaus für Pferde-Opern herhalten können, bewies Sergio Corbucci anno ’68 mit ’Il grande silenzio’. Aber Boll und sein Kameramann bekommen schon in Sachen Optik nichts gebacken. Die von ihm trübe in Szene gesetzte kanadische Einöde ist einfach nur schrecklich. Das macht den faulenden Kohl allerdings auch nicht fett, denn größtenteils spielt der Film nachts (Vampire und so) und zwar in einem lächerlich schäbigen Cowboy-Set, das sich nicht einmal mit der simplen Westernstadt im Filmpark Babelsberg messen kann.
Eine zufriedenstellende Story hat man sich gleich komplett verkniffen. Hier und da taucht noch einmal der Name der Anti-Vampir Gesellschaft ’Brimstone’ auf (siehe Teil Eins), außerdem versucht man dem Publikum einen hauchdünnen Nebenplot zu verkaufen, in dem es um die Entführung aller Kinder des Kaffs geht, was zum Finale noch einmal Spannung und Drama erzeugen soll, aber niemanden interessiert.

Fehlt nur noch 'ne Tätowierung
des Wortes BÖSE auf der Stirn.
Dann hat es bestimmt auch der
allerdümmste Knödel gerafft.
Passable Darsteller, wie das ’Tideland’-Duo Brendan Fletcher und Jordelle Ferland, werden hier in armseligen Nebenrollen verheizt, während Bolls neuer Busenkumpi Zack Ward den schlechtesten Vampir seit langem spielt, inklusive dürftiger Platitüden (“Schließ dich mir an. Akzeptiere, was du bist.“) und steifer Grinsekatzen-Mimik. Kein Scheiß, der Typ sieht aus, wie ein Statist aus ’Cats’. Chris Coppola (wer?) ist als fetter Schreiberling mit Comic Relief-Funktion einfach nur erbärmlich und Michael Paré als ’heruntergekommen’ zu bezeichnen, ist noch geprahlt. Parés Auftritte in Bolls Machwerken sind nur noch Mitleid erregend. Erregend ist Nastassia Malthes Spiel zwar in keiner Weise, dennoch kommt wenigstens sie einigermaßen (streckt dieses Wort bitte etwa so: “eeeiiiiniiigeeermaaaaaaaaaßeeen!“) cool daher. Raynes Lieblingswaffen, die beiden Klingen, kommen hier aber kaum zum Einsatz, auch ihr Vampir/Dampier-Dasein spielt keine große Rolle.
Auch wenn Boll geradezu krampfhaft versucht, Stil und Flair der alten ’Spaghetti Western’ zu kopieren, gelingt es ihm nie, diese auch nur annähernd zu erreichen. So etwas wie eine Atmosphäre gibt es überhaupt nicht, ebensowenig nennenswerte Spezial-Effekte. Die Musik besteht fast komplett aus zweitklassigen Versatzstücken diverser Themen aus dem ehrwürdigen Italo Western und die unbefriedigende Minus-Menge an Action, die uns Boll hier zugesteht, wurde viel zu dünn auf das staubtrockene Story-Knäckebrot geschmiert.

“Wenn Bullenscheiße Musik wäre, wärst du ne verdammte Blaskapelle!“ (irischen Akzent dazudenken)

Und jetzt gut zielen und uns die Fortsetzung ersparen!

Fazit: ’Bloodrayne 2’ delivered gar nix, sondern ist mit Abstand Bolls schlechtester Film. Hatten seine anderen Machwerke immer noch Ansätze von Mainstream Appeal und Production Values, herrschen hier karge Optik, Figuren ohne Zugang und ein Drehbuch … hm nee, warte… welches Drehbuch? Ach egal. Wenn einem soviel Bullshit widerfährt, dann macht man lieber auf dem Absatz kehrt.



PS: Ich komme nicht umhin, auch hier wieder eine kurze Anekdote aus Bolls deutschem Audiokommentar zu ’Bloodrayne 2’ zu erwähnen:

Zitat: “… Ja und äh von daher waren wir mit der Natassia Malthe hier äh voll zufrieden, aber das Problem, was sie hat, was eben - ich mein, is einfach so - neun von zehn Frauendarstellern sind eben nicht hundertprozentig überzeugend. Also man hat einfach - ganz brutal gesagt- viel mehr gute Männer als Schauspieler als Frauen. Und ich weiß nicht, woher das kommt, vielleicht weil die Frauen einfach, äh einfach nur reich werden wollen oder’n gutes Leben oder auf Parties gehen oder was auch immer. Aber ’ne andere, vielleicht haben viele Frauen ’ne andere Agenda dahinter, als Männer, wenn’s um Schauspielern geht. Dass sie einfach anfangen zu schauspielern, weil sie denken es ist cool, aber nich weil sie’s wirklich wollen oder können.“ Zitat Ende.

Yeah, Uwe, that’ll show ‘em bitches!

Edit von Kollege Nool: Ich hatte die Gelegenheit, mir den englischen Regiekommentar auf der ’BloodRayne 2’-DVD anzuhören. Auch hier gab es wieder aufschlussreiche Einblicke in die Gedankenwelt des Herrn Boll:

Zitat: “The interesting thing is in the internet the… all ‘Boll Haters’ äh everything äh is… it’s a little changing now after ‘Postal’-Trailers are out and people see the first stuff of ‘Postal’. So people… people getting äh a little… let’s say äh… they changed a little in the reception. And it was before also – if you really analyze it – like people that wrote in the internet negative about me. A lot of these people, they have no clue from filmmaking, they will never make more as a Super 8 or Video piece of shit movie on their own and what makes them no sense in editing, no sense in acting, no sense in story. But it’s easier to critizise movies as to make movies. And they don’t see the effort and the work what it is to make real professional movies, like this what we do. And now even they have to admit, that they can not say anymore, that I make the worst movies or even if they try and give us low ratings on imdb. Ähm, because there is more and more people äh öh, they see it’s a little different. Even with movies ‘House of the Dead’ or ‘Alone in the Dark’ they are far far above 95 % of the newer Film Production of the… in the world. And this is the reality you only have to switch on TV and look what movies getting made and movies getting shown. Not only the TV-Movies, also the free Independent Movies. They’re like… 95% of that movies are in everything less quality as for example here ‘BloodRayne 2’. In camera, in music, in editing, in CG, in costumes, in acting. They are under it. But they didn’t get the big whoop. Hehehe.” Zitat Ende.

So, of course, we ought to whoop the others first. Ah, it all makes sense now!
A friend of mine once said the following about you, Mr. Boll:
“Who knows, maybe one day he will be able to reveal some evidence of the ‘Army of Fans’ he is recruiting from all the 3rd World countries, where his films happens to be successful, only because the military leaders of those countries are force feeding them to the people, to keep them in a dazed state or make them violent on purpose.”
I guess my friend must be a hateful wannabe filmmaker, who doesnt know about editing and acting and storying and stuff. On the other hand he wont stop insisting on the fact, that you are a filmmaker (minus the ‘wannabe’), getting paid for it and all, but still have no clue about those things. Everytime I ask him “Don’t you see the effort and work that was put in his movies?” his answer is always the same “NO!”.
But don’t mind. He’s an idiot who doesn’t know, that filmmaking is first and foremost about business and not about loving films and working on them and even making them above standard, to stand out and actually convince an audience.
And really, I’m all in for criticizing shitty TV and Independent Movies first. But often times, those don’t have much marketing and cool publicity like boxing matches with stoopid critics... but that’s their fault, isn’t it? I also try to keep in mind, that Big Budget-Crappies like ‘Electra’ and ‘Stealth’ suck too. Even worse.
Like you said, it’s easier to criticize, then to really think about… no wait… lost my train of thought. Anyway, thanks for your good and honest words, Mr. Dr. Uwe Boll, Sir.
That’ll show ‘em haters, too!


Hudson