Bloodrayne - FilmFlausen.de
                          




BloodRayne


‘Revenge never tasted so sweet.’


Originaltitel: BloodRayne (2005)
Regie: Uwe Boll Drehbuch: Guinevere Turner
Darsteller: Kristanna Loken, Michael Madsen, Matthew Davis FSK: 18


Hier bist du Mensch, hier schläfst du ein.

Uwe Boll. Kein zweiter Filmemacher (nicht einmal sein ähnlich unbeliebter Kollege Paul W.S. Anderson) ist in den letzten Jahren mit mehr Beschimpfungen, Verhohnepiepelungen, gar Morddrohungen und ’Stay Away’-Petitionen der Genre-Fans und ihrer ’Vertreter’ in den Medien behelligt worden. Dabei will der Mann doch nur Filme machen und hatte bis vor kurzem auch noch ein cleveres Schlupfloch im deutschen Steuergesetz gefunden, um diese zu finanzieren.
Was anderen Movie-People Anerkennung und Lobhudeleien eingebracht hätte, brachte Boll nur Spott und Verachtung.
Boll selbst, der lange vor seiner ’Hollywood Karriere’ schon eine Trash-Comedy (’German Fried Movie’), eine Polit-Farce (’Mord in Genf’), eine Campus-Komödie (’Das erste Semester’) sowie diverse internationale Thriller (’Sanctiomony’, ’Blackwoods’) drehte, tut alles, um im Rampen- und Schlampenlicht der Aufmerksamkeit zu bleiben. Erst im ’Diskurs’ mit seinen Kritikern, die er zu jeder möglichen Gelegenheit (Interviews, Audiokommentare) beschimpft und dann bittet, eigene Schnittfassungen seiner Filme anzufertigen, später auch schon mal in Form eines Boxereignisses, in dem er seine größten Kritiker (jedenfalls jene, die dumm genug sind, darauf einzuwilligen, sich einem ehemaligen Amateurboxer zu stellen) im Ring vermöbelt. Das alles zeigt zwar, dass Boll sich prima als Rampensau mit Nehmerqualitäten präsentieren kann, einen guten Regisseur macht das aber natürlich nicht aus ihm. Und damit sind wir endlich dort angelangt, worum es hier eigentlich geht: Film.

’Bloodrayne’ ist kein guter Film. Aber im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern hat der Film geradezu einen Quantensprung gemacht und Uwe Boll beinahe aus der ’furchtbar’ in die ’durchschnittlich’-Kategorie gehebelt.
Na toll, noch ein durchschnittlicher Film? Im Gesamtbild ja.

Heroes without a clue
An den Details jedoch hat Boll kräftig geschraubt. So gibt es zuallererst einmal eine Cast, wie aus dem Märchenbuch. Kristanna Loken (vielen bekannt als die ’Terminatrix’ aus dem einen ’Terminator’-Film, der nicht großartig ist) spielt Rayne, eine sogenannte Damphir. Ein Wesen, halb Mensch, halb Vampir und weil nach Videospiel-Logik das immer noch eine Hälfte zu wenig ist, wird sie durch Training zum Superfighter. Ihr Ziel: Rache an Kagan, einem Vampirfürsten, der einst ihre Mutter leersoff. Gespielt wird Kagan mit grazilem Argwohn von Sir Ben Kingsley. Ja ’Gandhi’ selbst gibt sich die Ehre als stocksteifer Sesselhocker, dessen Thron schön zentriert im Saal steht, wobei mir gleich das ’MST3K’-Zitat mit dem ’praktischen Klo in der Mitte’ in den Sinn kam. Hört sich überzogen an, schaut aber genau so albern aus, wie sich Sir Ben (der seinem Titel zuletzt im Ultra-Trash ’A Sound of Thunder’ Schande bereitete) mit furchtbar falschen Haaren auf dem Stuhle windet.
Raynes Ausblilder sind die Vasallen der Brimstone-Gesellschaft, die sich gegen die anwachsende Herrschaft der Vampire organisiert hat. Die Trainer-Troika setzt sich zusammen aus dem erfahrenen Recken Vladimir (Michael Madsen, durfte nach ’Free Willy’ endlich mal wieder einen Good Guy spielen, war aber laut Set-Gerüchten ständig blau und spielt auch ein bissel so), dem Jüngling Sebastian (Matthew Davis, ’Tigerland’, hier als ’bad haired & bland’ Love Interest) und Katarin (Michelle ’Don’t drink & drive!’ Rodriguez, ’Resident Evil’, als das stierend-maskuline Backenhörnchen, als das wir sie mitlerweile alle kennen).

”Wem mach ich hier
eigentlich was vor?”
Gemeinsam fuchteln sie sich durch einige Übungs-Montagen, klappern die beeindruckenden Landschaften Transylvaniens nach Artefakten ab und reden wirres Zeug, wenn es das Drehbuch verlangt (eine unmotivierte Sexszene gibt’s auch). Von stimmender Chemie kann hier nur bedingt die Rede sein, zumindest reichte es für anzüglichen Klatsch bezüglich einer Liebesbeziehung zwischen Loken und Rodriguez.
Deren Film-Vater Elrich, einst ein Held von Brimstone, ist nun ein Verfluchter und steckt als eine Art Sub-Villain im Geschehen. Gespielt wird die Type von einem herzlich unengagierten Billy Zane, den ich eigentlich ganz gerne sehe, der hier allerdings nur eine gebremste Version seines blasierten Bösewichtes (mit ’Ranjid’-Perücke) spielt. Den Bogen überspannt dann Meat Loaf als unglaublich dekadente ’Global Player’-Vampirfettel, und lässt mit seinem exorbitanten Hairpiece, mehr noch als die ’Natural Born Skinheads’ Kingsley und Zane, den Film zu ’Bad Wigs - The Movie’ verkommen. Sein Spiel inmitten rumänischer Huren (die waren nämlich billiger als rumänische Laiendarsteller) ist dermaßen ’Out of Proportions’, dass er gut und gerne Sylvester Stallones Nachfolge in ’Over the Top 2 - Getoppt’ übernehmen kann (Moment mal… ’Black Dog’?). In weiteren Rollen sind uns Udo Kier (’Die Einsteiger’), Geraldine ’Mir doch egal, ob Papa im Grab routiert!’ Chaplin und die beiden Boll-Kumpis Michael Paré (’Eddie & the Cruisers’) und Will Sanderson (’Alone in the Dark’) beschert.

Fat out of Hell
Soviel zur Besetzung und zum Aufsehen erregendsten Element dieses Films. Ja, es gibt noch mehr. Nicht etwa in Sachen Story, die als eine Art Prequel zu dem populären (und in Deutschland meines Wissens indizierten) Videogames zu verstehen ist. Bei der dargestellten Gewalt kommt der Film seinem Titel verdammt nahe. Der deutsche Schmadder-Experte Olaf Ittenbach war für die oftmals drastischen Effekte verantwortlich und bietet seinem Klientel ordentliches Futter für die Sehnerven. Auch die übrige Ausstattung kann man als gelungen bezeichnen. Ein dermaßen nett gestaltetes Period-Piece hätte ich Boll gar nicht zugetraut, doch auch hier überrascht der Mann mit dem Doktorant in Literaturwissenschaften dank ansprechender Kulissen und Schauplätzen in echten Burgen und Schlössern. Mit Computer-FX ist man indessen eher sparsam umgegangen. Die Resultate (meistens Morphs) sind befriedigend, wenn auch nicht berauschend. Für Trash- und Monster-Fans ist immerhin ein bekloppter Wach-Orc mit Riesen-Hammer aus der ’Mortal Kombat’-Resterampe dabei, den Rayne nach allen Regeln der Kunst vom Schirm tilgen darf.
Dass Boll ein Fan von schnell geschnittenen Rückblenden ist, bewies er uns ja schon im Finale von ’House of the Dead’. Auch ’Bloodrayne’ kommt nicht ohne einen beträchtlichen Anteil selbiger Flashbacks aus und wieder fragt man sich: Musste das denn sein?
Auf der Habenseite ist der Score des deutschen Komponisten Henning Lohner und das - sagen wir mal ’ironische’ Ende- (SPOILER!) in welchem Rayne, (fast wie ’Conan’ himself) Kagans Thron besteigt. Weiß sie doch (im Gegensatz zu uns) nicht, dass sie soeben auf dessen Klo Platz genommen hat.

Immer schön die Stange halten!

’Bloodrayne’ ist also kein guter Film. Allerdings ist es ein zuweilen unterhaltsames Vehikel, das mit adäquater Ausstattung versehen wurde und seinen Schimmer von Anziehungskraft aus dem vielfältigen und buntgemischten Ensemble zieht, das nicht etwa durch darstellerische Glanzleistungen, sondern durch pure ’Wo ist Walter?-Power punktet. So bad it’s good?
Schwerlich. Aber eine Steigerung für Boll allemal. Schaun wir mal, was sich der Mann als nächstes leistet. 2007 stehen ganze VIER Filme (u.a. ’BloodRayne 2’) von ihm an.

Hudson