Blood: The Last Vampire - FilmFlausen.de
                          




Blood: The Last Vampire


‘Now that She's Here, There Will Be Blood...’


Originaltitel: Blood: The Last Vampire (2009) Regie: Chris Nahon
Drehbuch: Chris Chow, Kenji Kamiyama & Katsuya Terada
Darsteller: Gianna Jun, Allison Miller, Liam Cunningham FSK: unbekannt


Superheldenfilme und solche über jugendliche Vampire sind schwer angesagt in diesen Tagen. Was läge also näher, als eine frische Fusion beider Genres, wo doch Buffy längst den Pflock an den Nagel geschraubt hat. Ganz frisch ist der Stoff von ’Blood: The Last Vampire’ nicht (der Film basiert auf einem Anime aus dem Jahre 2000) und Pflöcke gibt’s hier auch nicht mehr, dafür aber ein scharfes Katana, an dessen Ende nicht etwa ein schwarzer Asskicker posiert, sondern eine entfernte Verwandte aus dessen Spezies, der guten alten Mensch/Vampir-Mische (in ähnlichen Filmen auch ’Dhampir’ genannt).

Once upon a time in
Flashback County...
Saya heißt die Dame, die schon einige Jahrhunderte durch die Weltgeschichte tingelt und auf der Suche nach Onigen, dem mächtigsten aller Unwesen, einen Blutsauger nach dem anderen zur Strecke bringt. Natürlich in Form einer zuckersüßen, wenn auch leicht spröden Sechzehnjährigen, schließlich kommen uralte Kornmumen bei der Zielgruppe nicht halb so gut an.
Vorgestellt werden die Geberqualitäten unserer einzelgängerischen Heldin in einem wenig überzeugenden Teaser, in welchem sie einen scheinbar harmlosen U-Bahn-Passagier halbiert. Solche Sauereien werden nach begangener Tat dann von den Handlangern einer undurchsichtigen Organisation weggemacht, die sich ’The Council’ nennen und einen losen Pakt mit Saya geschlossen haben. Das Mädel spürt die Dämonenbrut auf und eliminiert diese, dafür bekommt sie von ’Council’-Member Michael (Liam Cunningham) regelmäßig Blut in Buddeln. The girl’s gotta eat!
Ihr neuester Auftrag führt Saya auf die Yokota US-Militärbasis in Tokio, wo Onigen seit Kurzem sein Unwesen treiben soll. (Zu eurer Information: Es sind die Siebziger. Das wissen wir, weil die Leute Klamotten mit überbreiten Kragen tragen und Musik aus den Lautsprechern plärrt, die sonst in Filmen von Quentin Tarantino läuft.)
Natürlich würde so eine sechzehnjährige Killermieze zwischen all den G.I.s (die keine überbreiten Kragen haben) auffallen, deswegen bekommt Saya zur Tarnung … was verpasst?

Na was wohl?

Ganz recht, Freunde: In cute ’Sailor Moon’-Disguise wird das Halbblut in die Klasse von Alice gesteckt, der Tochter des befehlshabenden Generals der Basis. Alice, das typisch amerikanische, oft unzufriedene Quengelkind des hohen Tiers freundet sich nach einer Reihe seltsamer und recht blutiger Zwischenfälle mit dämonischen Klassenkameraden, einem wandelbaren Sportlehrer (Colin Salmon) und allerlei Vampirgesocks mit Saya an und bald schon machen sich die beiden Grazien gemeinsam ans Werk. Doch auch die Schergen vom ’Council’ haben mehr in Planung, als nur die Überstunden beim ’Leichenteile entsorgen’ abzuleisten.

Blumenkind und Ballerdaddy
Wenn ’Blood: The Last Vampire’ erst einmal in den Overdrive schaltet, dürfte es bei Action-Fans kein Halten mehr geben. Klar, hier gibt’s Blutfontänen und Kreaturen die ganz offensichtlich im Computer gerendert wurden und auch eine Überdosis Wire Fu, aber der rasant inszenierte Rabatz mit all seinen gewagten Stunts, beeindruckenden Schwert-Choreographien und der Extra-Portion Monster-Metzelei wird (auch erfahrenen) Genre-Freunden das breite Grinsen auf die Lippen spannen.
Richtige Probleme bekommt der Film nur, wenn es um Story, Charakterentwicklung und Motivation aller Beteiligter geht.
Der ewige Kampf gegen das Böse … ja gut und weiter? Nicht viel.
Saya, die Jahrhunderte alte Schwertkämpferin im Körper des Mädchens… aha, was passiert mit der? Sie trinkt Blut aus Flaschen, läuft in Schüleruniform mit ihrem Katana zu Höchstform auf und freundet sich mit einem US-amerikanischen Highschool Girl an. Gegen Ende bekommt man ein Flashback zurück in ihre Kindheit, in dem sie mit ihrem großväterlichen Mentor die Kunst des Ärschetretens trainiert. Aber so handwerklich einwandfrei diese in einer blutigen Rachefantasie mündende Rückblende auch sein mag, sie gibt über die Figur nicht mehr Preis, als die vorangegangene Inhaltsangabe.

Slicing in the Rain
Und was hat es gleich noch mit dem ominösen ’Council’ auf sich? Da gibt es mittendrin einen Cameo der britischen Kultfresse Michael Byrne (’Indiana Jones und der letzte Kreuzzug’), der den ’Council…ieris’ (?) irgendwelche Instruktionen zuflüstert, die kaum Relevanz für den Rest des Films haben. Auch das übliche ’Zuständigkeits-Hubbub’ zwischen der Militär-Kommandantur und den (als CIA getarnten) Geheimniskrämern bringt dem Film einfach keine Punkte. Diese überflüssigen oder einfach nur angerissenen Storyfäden vermitteln zuweilen den Eindruck, als würde man eine Art ’Readers Digest’ Version eines breiter angelegten Epos’ sehen.
Auch die eigentlichen Bösewichter geben lediglich ein kurzes Stelldichein, machen auf die Schnelle etwas Böses™ und verschwinden dann von der Bildfläche, nur um zum Showdown wieder aufzutauchen und da auch noch dolldreist die olle “Ich bin dein *Insert relative here!*“-Nummer abzuziehen. Die Heldin sagt’s ja selber “You mean nothing to me.“ und das Publikum wird ihr Recht geben. Liebe Macher, wenn ihr mit solchen dramatischen Kniffen kommt, dann lasst sie etwas bedeuten!
Den Schauspielern darf man dieses Manko jedoch nicht anlasten. Hauptdarstellerin Gianna Jun (’My sassy girl’) hat neben den üblichen Posen und trotz (oder gerade wegen) ihrer kühlen Art ein gewinnendes Wesen und kann den Film auf ihren schmalen Schultern tragen. Colin Salmon (der früher des Öfteren Filme von Paul W.S. Anderson aufwertete) versprüht in der kurzen Zeit die ihm gegeben wird Macho Charme, Liam Cunningham (’Dog Soldiers’) verpasst dem Film als mahnender Erklärbär, irgendwo zwischen Bosley und Obi Wan, dringend benötigten Charakter und selbst die Nebenrollen sind mit Nippon Beauty Koyuki (’Last Samurai’) und der ’Ninja Kampfmaschine’-Superfrisur Yasuaki Kurata fabelhaft besetzt.

Der Schal ist harmlos. Der Dämon darunter nicht.

Wer nach Originalität und einer neu zu entdeckenden Mythologie sucht, wird bei ’Blood: The Last Vampire’ nicht glücklich werden. Was das angeht ist die amerikanisierte Anime-Umsetzung ’as basic as it get’s’. Die gute Nachricht ist: Dem Tadel bezüglich der Substanzlosigkeit kommen immer wieder wuchtige Martial-Arts Fantasy-Action und anmutige Bilder in die Quere. Um es kurz zu machen: Das hier ist ’ne Schippe Spaß und damit hat sich noch keiner ein Grab geschaufelt.


Hudson