Black Platoon - Das schwarze Kommando - FilmFlausen.de
                          




Black Platoon - Das schwarze Kommando


‘Operation Othello’


Originaltitel: Othello, el comando negro (1978) Regie: Max H. Boulois
Drehbuch: Max H. Boulois & William Shakespeare
Darsteller: Tony Curtis, Joanna Pettet, Max H. Boulois FSK: 16


In Afrika peitscht die Seuche durch den Busch, was Ärztin und Millionärstochter Desdemona dazu bewegt, sich das rote Kreuz auf die Bluse zu malen. Bevor es auf den schwarzen Kontinenten geht, muss Verstärkung herbei, schließlich handelt es sich um ein Krisengebiet voller böser Ballermänner.

"Vielleicht gibt es eine Lösung?"
"Das schwarze Kommando!"
"Die Green Berets?"
[…]
"Sowas wie legale Söldner?"
"Hier im Fort Lafayette ist ihr Trainigscamp. Es sind die Männer von General Othello."

Schwarz/Grün ist die Söldnerkluft
Yup, die schwarz-grünen Teufel von General Othello, dem schwachzen Superfighter mit Sauerkohl und finsterer Mine. Nach anfänglicher Missgunst zwischen Desdemona und Othello wärmt sich deren Beziehung im Laufe von Gefecht und Verarztung etwas auf. Kein Wunder, wer gemeinsam zu Beethovens 5. aus einem Flugzeug springt, ist sich bald näher als Heidi und Peter. Aus zarten Gefühlen gedeiht die große Liebe heran und die ersten Unkenrufe aus den eigenen Reihen werden laut. Besonders Colonel Iago verabscheut seinen schwarzen Vorgesetzten und dessen Anbändelung mit einer Weißen. Noch bevor Billy Idol ’Black & White Wedding’ singen kann, sind allerlei Intrigen gesponnen, Freunde gegeneinander aufgespielt, Dünkel gestreut und Drama gepflanzt…

Na, klingelt‘s bei den Namen oder habt ihr da im Unterricht gefehlt? Othello, Desdemona und Iago sind die drei Protagonisten eines klassischen Shakespeare Blaxploiters, den Hauptdarsteller, Regisseur und Co-Autor (den Credit teilt er sich mit Willy) Max H. Boulois nach eigenem Gutdünken in ein preiswertes Militär-Drama umwurstete. Mit Boulois ist das so eine Sache. Schon bei seiner ’The Most Dangerous Game’-Variante ’Mad Mex - The Blackfighter’ (kein Witz) vermischte er ein klassisches Set Up mit Schwerpunkten der schwarzen Kultur. Nicht uninteressant, technisch jedoch reichlich verhunzt. Ähnlich murksig packt er hier Shakespeares Stoff in ein (zu dieser Zeit) modernes Setting und mischt zeitgenössisch relevante Themen und einer Prise Action hinzu. Dabei kann man dem Auteur (darf ich?) nicht einmal den üblichen Exploitation-Vorwurf machen. Reißerisch wird’s bei ’Black Platoon’ fast nie.
Auch als Darsteller hat Boulois so ein gewisses fusseliges Etwas. Und damit meine ich nicht seinen Bart. Die Ausdruckskraft lässt zu wünschen übrig, aber seine Präsenz ist unbestritten. Um es mit Black Dynamite zu sagen "He’s so damn righteous!"

R.I.P., Tony. Du warst'n Guter.
Nicht unbedingend in dem Film
hier, aber sonst fast immer!
Seine Co-Stars agieren ähnlich durchwachsen. Tony Curtis scharwenzelt als Iago umher, als befände er sich in einem ’Die Zwei’-Best Of, was ohne Brandt-Synchro natürlich nicht funktioniert.
Auf absurde Art sehenswert ist die Beziehung zwischen Boulois und Desdemona-Darstellerin Joana Pettet (’Terror in Paradise’). Diese beginnt mit einer Konfrontation, bei der sich beide anstarren und sich ihren Teil denken. Wortwörtlich! Die Kamera zoomt heran und aus dem Off hört man einen inneren Gedankenaustausch:

Sie: "Er sieht aus wie ein Mörder. Mein Gott ist der widerlich."
Er: "Tu doch nicht so, als ob dich eine Million Neger interessieren."

Später sieht man sie zu ’Für Elise’ auf einem Boot den Limpopo entlang düsen, Tennis spielen und bekleidet im Pool schwimmen. Überhaupt findet hier allerlei klassische Musik (vor allem von Beethoven) Verwendung und ’Ode an die Freude’ passt vielleicht ganz gut in den humanistischen Kontext, aber ein paar funky Tunes und ’ne handfeste WahWah-Gitarre wären mir lieber gewesen.
Leider wird auch in Sachen Shakespeare-Sprech zum Ende hin ein wenig dick aufgetragen, was vor allem aus Tony Curtis Schnute gehörig verderblich klingt. Dennoch entwickelte ich im Laufe des Filmes die obskure Faszination der Sorte ’Wer ist denn bloß auf diese Idee gekommen?’. Die Ausführung ist zweifelsfrei holprig, laienhaft oder (Butter beie Fische) einfach nur misslungen, die Ambition sei den Machern jedoch unbelassen.


Hudson