Black Dynamite - FilmFlausen.de
                          




Black Dynamite


‘Cuz there aint no hope for dudes who deal dope’


Originaltitel: Black Dynamite (2009) Regie: Scott Sanders
Drehbuch: Michael Jai White, Byron Minns & Scott Sanders
Darsteller: Michael Jai White, Mykelti Williamson, Tommy Davidson
FSK: unbekannt


REVIEW - Powered by Pimp Daddy Wear

Lang, lang ist’s her, dass Freunde des altehrwürdigen Blaxploitation-Genres einen authentischen schwarzen Reißer vor die Augen gesetzt bekamen. Nicht der Hip-Hop/Steven Seagal in der Hauptrolle/Gangsta-Shit, der einem heutzutage vorgesetzt wird, nein, der echte Scheiß, the real Deal. Ihr wißt schon, Afros, Spitzkragen, Funky Sounds, Sweet Mamas, Pimp Daddys und eine volle Ladung Blei. Wer jetzt meint “Wie auch? Die Siebziger sind vorbei!“, dem kann die Verzweiflung aus der Stimme gehobelt werden. ’Black Dynamite’ ist da. You dig?

Ladies love cool Black
Im Ghetto hängt mal wieder der Straßensegen schief. Gangs beherrschen die Neighbourhood, die Drogen haben selbst das lokale Waisenhaus erreicht und Undercover Cop Jimmy wird von skrupellosen Dealern durchsiebt. Zuviel für dessen Bruder, den Ex-C.I.A. Mann, Vietnam Veteran, hauptberuflichen Asskicker und Ladiesman Black Dynamite. Hatte dieser schließlich seiner Mama am Totenbett versprochen, auf den kleinen Jimmy aufzupassen. Wenn er schon dieses Versprechen nicht halten konnte, will er den Schuldigen wenigstens die Grütze aus dem Leib prügeln und das offensichtliche Komplott aufdecken. Doch der Ursprung dieser Misere ist hinter den Grenzen des Ghettos zu suchen, ganz oben in den höchsten Reihen der US-Regierung, die einen teuflischen Plan ausgeheckt hat, um alle schwarzen Brüder ihrer ”Würde” zu berauben. Black Dynamite und seine Homies nehmen den Kampf gegen ’The Man’ auf…

“Oh, Black Dynamite this is so much bigger then me and you.”
“Baby, it may be bigger then you and it may be bigger then me. But it aint bigger then you and me! You dig it?”

Sucka can run but he can't hide
from our man Black Dynamite
‘Black Dynamite’ ist ein Kind der Liebe. Trotz der Tatsache, dass hier ein Brüller dem nächsten folgt, waren die Macher nicht etwa in erster Linie darauf aus, die offensichtlichen Klischees und Peinlichkeiten des berühmten schwarzen Subgenres durch den Kakao zu ziehen, sondern einen Film zu schaffen, der sich genau so anfühlt, genau so aussieht und mindestens genau so cool ist, wie die großen Vorbilder von ’Shaft’ und ’Coffy’ bis ’Superfly’ und ’Black Belt Jones’.
Was ’Shaun of the Dead’ für das Zombie-Genre war, ist ’Black Dynamite’ für die Blaxploitation. Und um das Offensichtliche gleich aus dem Weg zu räumen: Ja, ’Black Dynamite’ ist urkomisch.
Jive-getränkte Sprüche (“I’m blacker then the ace of spades. I’m more militant then your whole army!“) schallen aus den Boxen, es gibt zahllose Referenzen an die alte Garde, sowie Goof-Details, wie ein Mikro, das versehentlich aus dem Bildrand direkt in den Afro hängt, unpassende Rückprojektionen und absichtlich gesetzte Anschlussfehler. Hier wird weder vor albern steif herausgekotzten Dialogen (“Who the hell is interrupting my Kung Fu?“), noch vor absurder Situationskomik haltgemacht (die ’Parkspaziergang’-Montage mit seiner Freundin, bei der Dynamite vor lauter Badassness nicht ausgelassen herumtollen kann). Der Film begnügt sich nicht mit bloßen Anspielungen, sondern spielt konsequent einige der völlig überzogenen Story-Elemente aus der guten, alten Zeit aus (Kung Fu Island!).

Honky done fucked up now!
Dazu zieht Regisseur Scott Sanders jedes technische Register, um ’Black Dynamite’ wie einen Film der 70er Exploitation-Ära aussehen zu lassen. Das Bild ist grobkörnig, die Kostüme akkurat und nur einen Hauch überzogen (wenn das überhaupt möglich ist, bei Seventies Fashion), die Musik vereint Soul, Funk und Lachsalven (’Jimmys Appartment Theme’), zwischendurch ertönt immer wieder ein typisch schrilles ’Black Dynamite’-Jingle und eingeleitet wird der Film mit einem herrlich käsigen Malt Liquor Commercial. Die Masse an Details, die Arbeit die hier reingesteckt wurde, um ein authentisches Feeling heraufzubeschwören ist bewundernswert. Was Tarantino und Rodriguez mit ihrem ’Grindhouse’-Double Feature angerissen haben wird bei ’Black Dynamite’ bis zur Vollendung zelebriert.
Was wäre ein zünftiger Blaxploiter ohne eine handfeste Portion Sex und einen Kessel Action? Nicht viel wert. Und deshalb wird auch hier alles ausgepackt, was möglich und unmöglich ist. Gleich zu Beginn wird uns der Held im flotten Fünfer vorgestellt, bevor er sich aufmacht, Rauferien (Black Fu Panther Stlye), Schiessereien (Maschinengewehr-Salven können ihm nichts anhaben), Explosionen und Stunts (da wird immer wieder das gleiche Archivmaterial für einen Klippen-Stunt mit anschließendem Feuerball benutzt) zu bestehen. Und, ja klar, den klassischen Nunchak-Fight gibt’s genau so, wie eine Rückblende nach Vietnam (wo man laut B.D. chinesisch spricht). Hier geht es mit Black Power gegen ’The Man’ und da sind alle Mittel recht.

Kung Fu Treachery: Fiendish Dr. Wu & Crew
Hauptdarsteller und Co-Autor Michael Jay White, den der eine oder andere schon als ’Spawn’ aus seiner Erinnerung verdrängt hat und der zuletzt in ’The Dark Knight’ einen Kurzauftritt absolvierte, zeigt sein ganzes Potential und legt hier die Show seines Lebens hin. White hat sowohl das Charisma, als auch die Statur und die Martial Arts-Skills eines echten Badass Mofos. Er zieht seine Performance durch, ohne mit der Wimper zu zucken und würde genau so gut in einem Film, der nicht als Komödie konzipiert ist, den Superschlegel abgeben. Hinter den Helden der schwarzen Ecke muss sich dieses Paket von 100% Machismo wahrlich nicht verstecken. Nur schade, dass keiner von denen vorbeischaut, um die ansonsten starke Besetzung (u.a. Arsenio Hall und Mykelti Williamson) zu unterstützen. Egal, Jim Kelly, Fred Williamson und Pam Grier wären (sind) sicher stolz auf White. Selten wurde Humor und Badassness so brüderlich in einen Kontext gezwiebelt. Wir erlauben uns nicht, über Black Dynamite zu lachen. Wir lachen mit ihm. Er würde uns sonst die Kauleiste polieren.

“I’ll put the hammer down on any clown that comes around.”

Wenn Witz, Action, Flair und die Leistung der Darsteller auf diesem Niveau zusammenspielen, um ein unvergessliches Genre-Highlight zu fabrizieren, dann ist mir das eine Empfehlung an alle wert. Exploitation Brothers, Soul Sisters, Snitches, Bitches, Crooks & Honkys, unite and dig Black Dynamite!


Hudson