Godfather of Harlem - Der Pate von Harlem - FilmFlausen.de
                          




Godfather of Harlem - Der Pate von Harlem


‘Hail Caesar, Godfather of Harlem...
The Cat with the .45-Caliber Claws!’


Originaltitel: Black Caesar (1973) Regie & Drehbuch: Larry Cohen
Darsteller: Fred Williamson, Gloria Hendry, Art Lund FSK: 16


He's black ... he's bad.

Kult-Regisseur Larry Cohen ('The Stuff', 'American Monster', 'It's Alive') lieferte mit 'Black Ceasar' (so der Original-Titel) seine zweite Arbeit als Regisseur ab und landete damit, nachdem sein Debüt 'Bone' für ein wenig Aufsehen sorgte, gleich einen weiteren Treffer.
1973 war das, zwei Jahre vorher mit 'Sweet Sweetback's Baadassss Song' und 'Shaft' begründete, Blaxploitation-Genre auf dem Höhepunkt seiner Popularität und daher natürlich kommerziell ausschlachtbar. Die Regeln waren klar:
1) Jeder weiße Mann in einem Blaxploitation-Film ist böse, weil er ein schmieriger, unmenschlicher Verbrecher ist und alles verdient, was mit ihm passiert. Die weißen Frauen sind meist ganz einfach Flittchen.
2) Ob Mann (Shaft, Boss Nigger, etc.) oder Frau (Coffy, Foxy Brown, Cleopatra Jones, etc.), der Held in einem Blaxploitation-Film glänzt durch schwarze Coolness, hat es satt unterdrückt zu werden und will die Ärsche seiner Peiniger treten, bleibt dabei aber trotzdem noch menschlich.

Gegen diese Typen sieht selbst
der alte Don Vito blass aus
Nach diesen Regeln spielt im Prinzip auch dieser Film, obwohl Cohen eine Art Hommage an die Gangster-Filme der 30er und 40er Jahre - vornehmlich den Edward G. Robinson-Klassiker 'Der kleine Cäsar' (1931) - in 'schwarz' abliefert. Die klassische 'Aufstieg & Fall' Story ist seit James Cagney großer Bestandteil dieses Genres und wurde von Scorsese bis Leone genutzt und perfektioniert. Gerade in 'Black Ceasar' funktioniert diese Idee natürlich, denn wer könnte in den 50er bis 70er Jahren einen härteren Aufstieg haben, als ein Schwarzer, der in ärmlichen Verhältnissen in der Bronx aufwächst.

Der Film erzählt die Geschichte von Tommy Gibbs. In der ersten Szene sehen wir ihn als Teenager, der sich auf der Straße sein Geld als Schuhputzer verdient - aber Tommy weiß natürlich, dass das große Geld woanders liegt und lässt sich von einem Gangster für die Hilfe beim Abknallen eines anderen bezahlen. Sein nächster Auftrag führt den Jungen zum rassistischen, korrupten Bullen McKinney (Art Lund), der ihn daraufhin beschuldigt, ihn bestohlen zu haben und ihn erst krankenhausreif prügelt und dann für die nächsten 10 Jahre hinter Gitter sperrt.

A sex machine to all the chicks
Als Tommy wieder rauskommt - jetzt vom jungen Fred Williamson gespielt! - weiß er, wie der Hase läuft. Er nimmt einem italienischen Mafioso den Mord an einem seiner Feinde ab (inklusive Ohr meets Rasierklinge - etwas Ähnliches kriegen wir 20 Jahre später in 'Reservoir Dogs' zu sehen), um Eindruck zu schinden. Tommy bleibt also im Geschäft und übernimmt direkt seinen eigenen Teil der Gegend, um diesen auf Vordermann zu bringen. Spätestens jetzt kriegen wir zu sehen, dass Tommy Gibb ein 'Mean Mofo' ist, wie er im Buche steht und mit seinen Feinden kurzen Prozess macht. Mit Hilfe seines Jugend-Freundes 'Joe the Brain', der seine Finanzen verwaltet und einem weißen Anwalt, verschafft er sich bald genug Macht, um die korrupten (need I say white?) Gangster selbst aufs Kreuz zu legen, was zum einen oder anderen blutigen Shoot-Out führt. Sein Ziel - außer Geld, Macht und der Sängerin Helen - ist natürlich die Rache an McKinney. Dass diese Rechnung nicht aufgeht und sich irgendwann auch der kernigste Held mit emotionalen Problemen + bewaffneten Feinden auseinander setzen muss, ist wohl klar.

Die Story von Tommy Gibbs Aufstieg zum schwarzen Obermacker ist keine schöne. Gibb wird nicht als Superheld dargestellt, der alles richtig macht, sondern als ein ebenso wütender wie cleverer Mann, der sich von seinen Feinden bald nur noch durch die Hautfarbe unterscheidet.

Those bloody lawyers...
Gibb ist ein eiskalter Killer, ein machthungriger Mafioso und ein Biest gegenüber der Frau, die er liebt. Doch trotz allem - und das verdanken wir sicher auch Fred Williamsons Talent als Darsteller - eine erstaunlich tiefe Figur. Er handelt in erster Linie aus Wut auf seine eigene Vergangenheit und Angst, alles wieder zu verlieren, was er sich als Schwarzer in einer weißen Welt aufgebaut hat. Wir haben es mit einem verbitterten Helden zu tun, der von seinem Freund zuletzt nicht umsonst als 'White Nigger' beschimpft wird. Auch die anderen Figuren wissen größtenteils zu überzeugen. Das gilt vor allem für Gibbs besten Freund, den Prediger Rufus, der durch die Performance von D'Urville Martin (bekannt durch andere Blaxploiter ; 'Hammer', 'Dolemite', 'Boss Nigger', 'The Legend of Nigger Charly') wunderbar funktioniert und dem Helden teilweise wirklich die Show stielt. Aber auch Gibbs Mutter, die mit dem kriminellen Erfolg ihres Sohnes nicht umgehen kann, sein Vater, der sich nach 20 Jahren zum ersten Mal blicken lässt oder sein Freund Joe sind glaubhaft. Einzig Tommys Frau Helen verblasst im Vergleich etwas, was nicht zuletzt an der über-dramatischen Darstellung von Gloria Hendry ('Across 110th Street', 'Black Belt Jones', 'Savage Sisters') liegt, die weder das Aussehen, noch das Talent einer Pam Grier einbringt. Die weißen Bösewichter sind zwar Over-the-Top, geben aber als hasserfüllte Gangster trotzdem gute Leistungen ab. Hervorstechen kann Val Avery als Italo-Mafia Chef.
Dank Cohens Regie kann der Streifen sowohl in den Action-Szenen als auch in den ruhigen Momenten überzeugen. Filmische Anleihen und Anspielungen auf den 'Paten' (der sogar auf einem Kino-Plakat zu sehen ist) sind selbstverständlich. Dazu gibt es einen verdammt groovigen Soundtrack von James Brown persönlich zu hören, der einige wirklich starke Songs beiträgt.

Niggaz with Attitude

Fazit: Godfather of Harlem (der deutsche DVD-Titel ist übrigens 'Black Max' - bitte erklärt es mir!) gehört mit Sicherheit zur Elite seines Genres und kann als schwarzes Gangster-Drama nur überzeugen. Fred Williamson beweist hier, dass er mehr drauf hat, als bloß auf einer Zigarre rumzukauen und sich zu prügeln (obwohl er das hier natürlich auch macht!).

PS: Unsinnigerweise wurde übrigens noch im gleichen Jahr die Fortsetzung 'Hell Up in Harlem' gedreht.


Spooner