Birds of Prey - FilmFlausen.de
                          




Birds of Prey



Originaltitel: Ataque de los pájaros, El (1987)
Regie & Drehbuch: René Cardona Jr.
Darsteller: Christopher Atkins, Michelle Johnson, Sonia Infante FSK: 18


"Komm, lass uns ein Liedchen singen!"

Strophe 1
Ein Männlein hängt am Gleiter, ganz still und stramm
Es hat vor lauter Vorsicht ein Helmchen dran
Doch was macht der Adler da
Krallt die Halsschlagader, ja
Und der arme Typ verblutet gleich, hurra

Strophe 2
Ein Männlein steht am Fenster ganz still und stumm
Es hat vor lauter Kälte ’nen Morgenrock um
Plötzlich kommt ein Habicht an
Hackt ein Auge aus dem Mann
Ich fürcht', dass er jetzt nur noch die Hälft’ sehen kann.

So, Schluss jetzt mit dem selbst ausgedachten Gesang, wo doch der Film selbst genügend herrliches Gesprächs-Gezwitscher zu bieten hat. Zum Beispiel hier:

“Ich hatte den Eindruck, als ob sich die Hühner zusammengerottet hätten, als würden sie irgendwelchen Befehlen gehorchen. Dann haben sie mich angefahren. Als ob sie wütend wären. Zum Glück hatte ich einen Besen dabei und konnte mich wehren. Es war’n harter Kampf. Ich kämpfte um mein Leben. … Ich habe noch nie so etwas Schreckliches erlebt.“

Wer’s immer noch nicht gerafft hat, dem sei in Bild und Wort gesagt, worum es in ’Birds of Prey’ geht:

VÖGEL GREIFEN MENSCHEN AN!

Und dass damit nicht zu spaßen ist, bekommen wir schon bald von einem ominösen Waidmann mit Augenpflaster erkärt:
“Es wäre doch denkbar, dass sich die Vögel auf einen furchtbaren Krieg vorbereiten.“
“Auf einen Krieg?“
“Stellen sie sich vor: Milliarden von Vögeln befinden sich im Krieg gegen die Menschheit.“

Und auch wenn die ganze Chose nach einer gewaltigen Ente klingt, die Journallie ist dem Treiben längst auf den Versen, wenn auch eher unwillig:

“Ich bin Journalistin. Ich hab mein Handwerk gelernt. Aber was sie mir hier anbieten ist das Letzte. Wen interessieren schon ihre komischen Killerhühner Also mich jedenfalls nicht. Ich hab keine Lust das zu drehen.“
“Das ist ein brisantes Thema. Der Angriff der fliegenden Killer. Das ist zehnmal brisanter als Rambo.“

Tja, da müssen sich Reporter-Tusse Vanessa (Michelle Johnson, ’Reise zurück in der Zeit’) und ihr Kamera-Kind/Liebessklave Peter (Christopher Atkins, ’Shakma’) wohl auf eine Entdeckungsfahrt durch ornitologische Ballungszentren, wie Rom, den Zoo und die Hühnerfarmen am weißen Strand von San Angelo begeben. Während sie japanische Vogelkundler und bärtige Jagdveteranen interviewen, kommt es zu weiteren Attacken. Möwen fallen badende Teenager an, Tauben picken auf eine Touri-Familie ein und lassen Flugzeuge abstürzen und Wildenten werfen einen Priester ins Wasser.

Hm, eine Krähe hackt der anderen wohl doch das Auge aus.

Nachdem René Cardona Jr. schon 1977 mit ’Tintorera’ den Erfolg von Steven Spielbergs großem Tierhorror-Schocker ’Jaws’ zu kopieren versuchte, war 10 Jahre später Altmeister Hitchcocks ’Die Vögel’ an der Reihe. ’Birds of Prey’ bleibt genau so ein jämmerlicher Ideenklau wie seiner Zeit ’Tintorera’ und legt in Sachen Trash noch einen drauf.
Der Film zeichnet sich unter anderem durch völlige Orientierungslosigkeit aus. Während man anfangs noch weiß, wer gerade wo von was angegriffen wird, fahren die Protagnisten später völlig planlos durch die Pampa.
Genau so verplant fliegen übrigens auch die völlig harmlosen Vögel um ihre ’Opfer’ herum. Nur ganz selten ist mal ein Schnabelhieb zu verzeichnen, ansonsten gibt es nur ein paar verpeilte Kollisionen, die ganz offensichtlich von Vögel-schmeißenden Stagehands verursacht wurden. Es folgt ein Schnitt und im nächsten Moment schreien und bluten die Opfer aus allen Öffnungen, einen Schnitt später sind sie dann auch schon tot.
Wer seinen Spaß an solchem Nonsens findet, der lacht sich den Arsch ab, wenn zwei Tauben mit Krallen und Schnabel eine schwere Türklinke herunter drücken wollen, eine Familie unter einem Steg Zuflucht sucht, während sich ein Schwarm Enten bedrohlich nähert oder am Ende eine Fortsetzung mit Fruchtfliegen angekündigt wird, während dreisterweise die eingängige Titel-Musik aus dem Kraken-Hauer ’Polyp’ als Warnung eingespielt wird.

“Die weiße Taube, ein Symbol des Friedens, hat den Menschen den Krieg erklärt, Wohin soll das führen? Ist der Tag gekommen, an dem das Schicksal der Menschen auf dem Spiel steht?“

Frauen am Rande des Treppenabsatzes

Fazit: Was bei Hitchcock funktioniert, muss bei anderen noch lange nicht klappen. Schon gar nicht bei untalentierten Schmierlappen, die dicke Tauben und niedliche Entchen auf unbegabte Akteure loslassen. ’Birds of Prey’ hat alles, was ein guter Horror-Film nicht gebrauchen kann und das ist ja auch schonmal was… oder?


Hudson