Die Bestie aus dem Weltenraum - FilmFlausen.de
                          




Die Bestie aus dem Weltenraum


‘Monster from outerspace runs wild!’


Originaltitel: 20 Million Miles to Earth (1957) Regie: Nathan Juran
Drehbuch: Charlotte Knight, Christopher Knopf & Robert Creighton Williams
Darsteller: William Hopper, Joan Taylor, Frank Puglia FSK: 12


Aaaah, Sizilien.
Das Meer ist ruhig, die Sonne scheint, die Fischer erwarten einen dicken Fang. Doch was ist das? Ein Himmelskörper phallischer Form nähert sich von oben und platscht mit einer gewaltigen Arschbombe wie ein nasser Sack ins Salzwasser. Die Fischer kommen nach kurzen Überlegungen herbeigeeilt und retten zwei Überlebende aus den Trümmern, die schleunigst ins Hospiz geschippert werden.

Finders Keepers
Nur der kleine Bub Pepe seilt sich ab und findet am Strand nahe der Absturzstelle einen gummiartigen Glibberklumpen. Diesen verscherbelt das findige Kerlchen an den ortsansässigen Wissenschaftler Dr. Leonardo. Guter Deal, der Doc gibt dem Kleinen satte 200 Lire (ca. 50 Pfennig?) dafür, von denen sich Pepe einen texanischen Hut kaufen will, weil die Texaner die besten beim Bandito-Shooting sind. (Ja, so kennt man sie, die Sizilianer, nix als Schiessereien und schicke Hüte im/am Kopf.)
Im Labor von Dr. Leonardo (welches in einem mickrigen Trailer eingerichtet ist; der Typ hält sich womöglich für ’Professor Marvel’) schlüpft über Nacht ein Monster aus dem Aspik-Brocken und erschrickt dessen Tochter Marisa (die im Hospiz gerade über das Wohlbefinden des Überlebenden Col. Calder wacht und sich nebenbei in ihn verliebt… hey, let’s get on with the Monster, alright?!). Leonardo verfrachtet das Wesen daraufhin in einen Käfig, den er rein zufällig vor der Tür zu stehen hat. Doch das außerirdische Monster wächst mit unglaublicher Geschwindigkeit.

”Finger weg, der Mann hat
ansteckenden Haarwurzelpilz!”
Mittlerweile ist ein 5-Sterne-Schennerell des US-Militärs mitsamt Gefolge eingereist und setzt ungefragt großkotzige Prämien in Millionenhöhe aus (sind aber nur Lire), man möge ihm Informationen über die abgestürzte Rakete übermitteln. Wer kommt da wie ein Stehaufmännchen hinter den Fischkisten hervorgesprungen? Pepe, der kleine Fuchs (mittlerweile mit einem schicken Cheapo-Stetson auf der Omme). Der weiß natürlich sofort seine Dienste anzubieten und sackt den nächsten fetten Scheck ein. Bevor der General und Doc Leo jedoch zusammentreffen, bricht die mittlerweile zu Menschengröße herangewachsene Bestie aus seinem Bauer und macht die Provinz unsicher. Nach einigen Abenteuern dort und dem stetigen Wachstum gen XXXXXXXXXXXXL verschlägt es den Koloss schließlich nach Rom, wo er Forum Romanum und Kolosseum besucht/kaputt macht, im Tiber badet und sich mit einem Elefanten anlegt...

”I may keep my hat from the great country of Texas?“

Dass ausgerechnet die sonst immer schussbereiten US-Amerikaner hier zunächst nicht gleich drauf losballern, sondern das Titel-Viech zu Forschungszwecken am Leben lassen wollen, ist schon fast so witzig, wie das späte Einfallen der Artillerie, die El Beasto von den Zinnen des Kollosseums holen.

’Ich hab schon viel gesehn
auf dieser Welt, doch noch
nie, wie ein Elefant liegt!’
Die Schiesswut geben die Amis zunächst mal an die sizilianischen Lokalbullen ab, die aus ihren Palermo-Ballermännern auch drauflosfeuern, wie von der Cosa Nostra gestochen.
Und wenn dann noch die Hauptdarsteller endlich aus den Puschen kommen, sich ein paar Sprüche an den Kopf werfen und ein wenig zwischenmenschlichen Schabernack treiben, kann man sich bei den Machern nur bedanken: Schön, dass endlich auch mal den menschlichen Protagonisten ein wenig Einsatz abverlangt wird. Da macht der Film gleich nochmal so viel Spaß.
Und Spaß macht ’Die Bestie aus dem Weltenraum’ wirklich, vor allem da Monster-Fans einmal mehr Zeuge von Ray Harryhausens phantasievoller Arbeit werden. Die Szenen, in denen die Kreatur halb Rom zu Schutt haut sind einfach umwerfend (ganz besonders wenn man die ganzen Sehenswürdigkeiten aus erster Hand kennt). Und Stop-Motion ist nunmal die goldigste Art und Weise, den Kampf zwischen einem außerirdischen Riesenmonster und einem trötenden Elefanten darzustellen.

Die spinnen, die Römer!

Fazit: Tolles Creature-Feature mit humorvollen Dialogen, sympathischen Darstellern und dem effektvollen Zauber des Ray Harryhausen. Hier kann man wirklich nicht viel falsch machen. Monsterspaß garantiert.

Hudson


PS: Ray Harryhausen ließ sich beim Design des ’Kraken’ aus ’Kampf der Titanen’ (1981) ganz offensichtlich bei der 'Bestie aus dem Weltenraum' inspirieren.

Jaha, wenn schon klauen, dann beim Besten, nämlich bei sich selbst!