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Es kam aus der Tiefe


‘It Came Up, Up, Up from the Bermuda Depths’


Originaltitel: The Bermuda Depths (1978) Regie: Shusei Kotani
Drehbuch: William Overgard & Arthur Rankin Jr.
Darsteller: Leigh McCloskey, Carl Weathers, Connie Sellecca FSK: unbekannt


Zwei Jahre nachdem Apollo Creed (laut zuverlässigen Quellen übrigens auch der erste Mann auf dem Mond) zum ersten Mal gegen Rocky Balboa boxte und seine Visage sich allmählich vom geschwollenen Zustand erholt hatte, verschlug es ihn in die Gegend um das berüchtigte Bermuda-Dreieck (irgendwo südlich der ’Beast Creatures’ Inselkette und nord-östlich von ’Dinosaur Island’).

Kommt, Leute, baut euch selber 'ne Foto-Lovestory draus...

Hier erlebte er unter dem Synonym ’Eric, the Afro Sailor’ diverse nautische Abenteuer in Begleitung des jungen Magnus, dem Sohn des Wissenschaftlers Dr. Dens, der früher erforschte, warum die Bewohner der Tiefsee so groß sind.
Mit ’früher’ meine ich natürlich die Zeit bevor er eines Nachts von einem riesigen Monster in seinem Laboratorium im Küstenhaus gefressen wurde. Auch der junge Magnus hatte einige Jahre an diesem Vorfall zu knabbern. Und mit ’knabbern’ meine ich, dass er seine Zeit in diversen Irrenanstalten abbummeln musste. (Entschuldigung… ich werde mich von nun an unverzüglich korrekt ausdrücken!)
Magnus’ geistige Gesundheit bleibt für den Zuschauer weiter fraglich, als er sich in lauen Mondscheinnächten immer wieder mit einer jungen Dame namens Jennie Haniver trifft, die eigentlich gar nicht existiert, bzw. so etwas wie die Tochter vom Klabautermann sein soll (so erzählt es jedenfalls die Legende, vorgetragen von einer alten Insel-Oma, unterstützt durch bedeutungsschwangere Musik und eine Art ’Evil Arielle’-Rückblende).
Während Eric und sein zauseliger, dicker Kompagnon Dr. Paulis über Dinosaurier und ähnlichen, wissenschaftlich gestützten Unfug diskutieren, steigt der verwirrte Magnus hinter das Geheimnis um Jennie, den Tod seines Vaters und die merkwürdigen Sichtungen riesiger Tierspuren am weißen Strand von San Angelo (oder so). Es soll noch einige Zeit dauern, bis Magnus und Eric wie einst Ahab, Quint, Hooper, Brody und Spongebob raus aufs Meer düsen, um sich den ’Bermuda Depths’ zu stellen…

That's EVOLUTION, Baby!

“There’s been stories about turtles with their heads cut off, traveling hundreds of yards.”

Ja und es gibt Filme, denen geht’s ganz genau so. Zum Beispiel diese schwanzlose Mische aus unendlich ausgewalztem Monster-Setup und nie zündender Fantastik-Schmonzette hier. Schon beim mucho schmalzigen Song, der über den Vorspann geklebt wurde, kommt die Vermutung auf, dass hier nicht etwa Tierhorror, sondern eine Folge ’Love Boat’ präsentiert wird, bei der man fälschlicherweise die Kamera an der Schiffsschraube angebracht hat. Und so zieht sich dann auch ein roter Faden gesponnen aus Abwesenheit jeglichen Genre-Funs bis zum mauen Finale. Kein Horror, keine Spannung, keine Action, nur stürmisches Gebrabbel aus dem Wasserglas.
Hauptdarsteller Leigh McCloskey (’Inferno’) können wir gleich vergessen. Sein Schauspiel, irgendwo zwischen aggressiv verwirrt und langweilig blond, lässt schnell nach Ersatz verlangen und da kommt uns eine kernige Herrentorte vom Schlage Carl Weathers’ gerade gelegen. Sagt was ihr wollt über Kalle, aber wo der Mann den Haudrauf-Charme sprechen lässt, steht keiner mehr auf und widerspricht. Zu blöd, dass auch er zunächst nur Labertaschen packt und im bauchfreien Top geschlechtlich desorientierte Gemüter durcheinander bringt. Produziert wurde der Quatsch übrigens von Arthur Rankin und Jules Bass, die eher für ihre mal verquerten (’Rückkehr des Königs’) mal gelungenen (’Das letzte Einhorn’) Zeichentrickfilme bekannt sind und da auch hätten bleiben sollen. Regisseur Shusei Kotani war schon für das Creature Feature ’Der letzte Dinosaurier’ verantwortlich, der sich (im Gegentum zu ’Es kam aus der Tiefe’) wenigstens einen ’Vollkornträscher’ schimpfen konnte. Echtes Trash-Aroma schnuppert man hier lediglich im Finale, wenn schließlich der Modellbaukasten Marke ’Boats ’R’ Us’ im Planschbecken versenkt wird und Tortoisus Giganticus durch die Fluten flubbert, wie Panzerkreuzer ’Moby Dick’.

Dass mir wegen dieser Bilder bloß keiner mit den Worten
"Boah! Muss ick sehen!" kommt. Müsst ihr NICHT!

Fazit: Die US-TV-Cheapo-Version von ’Gamera’ als Tierhorror-Mystery-Romanze ausgelegt und ohne Budget inszeniert. Zuviel Gelaber und Romantik-Kuddelmuddel für echte Trashfans und zuviel Wissenschafts-Gebrabbel und explodierendes Plastikspielzeug für die Herren, die eine Hoffnung hegten, ausgerechnet mit diesem Film ihre Herzdame in Stimmung zu bringen. ’Es kam aus der Tiefe’… und dahin kann es auch ohne weiteren Kommentar wieder verschwinden.

Hudson