Beastmaster - Das Auge des Braxus - FilmFlausen.de
                          




Beastmaster - Das Auge des Braxus


‘A legend hero. A battle beyond imagination’


Originaltitel: Beastmaster: The Eye of Braxus (1996) Regie: Gabrielle Beaumont
Drehbuch: Don Coscarelli, Paul Pepperman & David Wise
Darsteller: Marc Singer, Tony Todd, Keith Coulouris FSK: 16


Joa, warum nicht!?
1994 - Der Barbaren-Boom der Achtziger Jahre war längst abgeebbt, als Kevin Sorbo plötzlich ins luftige Kostüm des ’Hercules’ schlüpfte und ’Sword & Sorcery’ wieder auf’s Menü brachte. ’Sei’s drum’, dachte sich wahrscheinlich auch Marc Singer, der im Jahr darauf erneut den ’Beastmaster’ Dar gab, eine Rolle, die ihm Anfang der Achtziger einiges an Popularität verschafft hatte.

Dars neuestes Abenteuer handelt vom bösen Magier Lord Agon (David Warner), der seine Rote Armee (die heisst echt so) durch die Lande schickt, um alles und jeden zu unterjochen (ja, ganau darauf muss man in jedem Barbarenfilm gefasst sein!) und nach dem titelgebenden ’Auge des Braxus’ zu suchen, einem Artefakt das Agon die Tore zu einem magischen Jungbrunnen öffnen soll und das sich zufälligerweise im Besitz von Dars Bruder, Tal befindet. Dieser ist der König des hiesigen Fantasyreiches, sitzt in bester Barbaren-Manier in einem Zelt, das von wenigen Strohhütten umgeben ist, trägt langes, blondes aufgeklebtes Haar und wird passenderweise von Casper van Dien gespielt. Nachdem dieser von Agons Truppen verschleppt wird, begibt sich Dar mitsamt seines alten Gefährten Seth (siehe auch ’Beastmaster -Der Befreier’) und seinen tierischen Freunden Ru, dem Löwen, Shirak, dem Falken und den beiden Frettchen Podo und Kodo, auf die Suche nach seinem Bruder und dem Geheimnis des Braxus. Selbstverständlich birgt der Weg unzählige Gefahren (mordlustige Wilde, Zirkusvolk, Gummimonster), schöne, aber gefährliche Frauen (Sandra Hess, Lesley-Anne Down) und tolle Landschaften (das dunkle Wasser, das Reich der Nacht, das Unterholz der schreienden, angemalten Kannibalen)…

Casper, die freundliche Frisur

’Beastmaster 3’ ignoriert (netterweise) den zweiten Teil der Reihe und dient mehr oder weniger als direkte Fortsetzung zum ’Befreier’ von 1982, jedoch nicht ohne gewisse Veränderungen vorzunehmen. Im Gegensatz zu den Vorgängern wurde ’Auge des Braxus’ direkt für’s Kabelfernsehen gedreht und musste demzufolge natürlich auch mit einem schwächeren Budget zurechtkommen. Das macht sich zuallererst natürlich in der TV-Optik bemerkbar, die alles andere als beeindruckend ist. Auch die Effekte kommen von der Stange, allerdings bediente man sich hier einer Vielfalt von Möglichkeiten. Morphing, CGI-Gekröse, Matte-Paintings und Gummi-Monstrositäten verpassen dem Film einen technisch durchwachsenen, aber passend schundigen Touch, über den ich mich eigentlich gar nicht beklagen möchte.
Auch personelle Veränderungen wurden vollzogen. Tony Todd (’Candyman’) ersetzt John Amos in der Rolle von Dars Begleiter Seth und macht dabei mindestens eine genau so gute Figur. Casting-technisches Trash-Highlight ist Casper van Dien (’Starship Troopers’) in altägyptischer Trachten-Aufmachung mit absolut haarsträubender Blondinenperücke und steifem Grinsen.

Fehlt eigentlich nur noch
ein Gummimonster...
Ganz schlecht und zum Lachen gerade Recht. Als Bösewicht fungiert Alleskönner David Warner (’Titanic’), der schon bei ’Time Bandits’ seine Schurken-Qualität unter Beweis stellen konnte. Lesley-Anne Down (’Fackeln im Sturm’) als heiße Hexe und Sandra Hess (’Mortal Kombat 2’) als in rotes Leder geschlagene Kriegerin sorgen für den weiblichen Touch, mit etwas Charme und jeder Menge Cheese. Marc Singer kann trotz vorangeschrittenen Alters die alten Fellgamaschen immer noch auftragen und sprintet freizügig mit Lendenschurz, Lust und Laune durch die Tundra, gefolgt von seinen tierischen Freunden, bei denen die Macher ebenfalls auf Kontinuität pfiffen.
Während Ru im zweiten Teil ein Tiger war und im ersten ein Tiger, der zum Panther angemalt wurde, ist er nunmehr ein Löwe und auch das Ableben der Frettchen in den Vorgängern wurde geflissentlich ignoriert... oder es handelt sich um Nachwuchs aus der Pelzfarm.
Egal, wenn durch Fantasy-Klischees gehottet wird, Gummi-Gefahren getrotzt und schnippische Konversationen geführt werden muss, hat ’Beastmaster 3’ für Genre-Liebhaber schon geschafft, was er wollte. Zu der angedeuteten Fortsetzung (Barbaren in Jakarta) kam es jedoch (leider) nie.

“Wir ziehen dorthin, um Lord Agon zu unterhalten. Ein echtes Schwein, ohne Humor. Aber das ist nur meine Meinung.“

...zufrieden?

Fazit: Jugendfreie Barbaren-Action in schwächelnder Optik, dafür aber mit angenehm schludrigen Tricks und einer augenzwinkernden Besetzung. ’Sword & Sorcery’-Fans mit wenig Anspruch und Herz für Fantasy-Klischees wird’s sicher gefallen.


Hudson