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Baxter


‘Bell mir das Lied vom Tod’


Originaltitel: Baxter (1989)
Regie: Jérôme Boivin Drehbuch: Jacques Audiard, Jérôme Boivin & Ken Greenhall
Darsteller: Lise Delamare, François Driancourt, Ève Ziberlin FSK: unbekannt


Tier-Horror mal anders…

Tier-Horror mal ganz anders!

Gestatten: Baxter
Protagonist des Filmes ist ein Hund. Nicht irgendein Hund, sondern ein fieser, kleiner Bull-Terrier aus dem Tierheim, mit Namen Baxter. Baxter führt uns mit einem Voice-Over (!) durch den Film. Baxter ist auf der Suche nach einem Heim und nach Gleichgesinnten. Die alte Dame, der er geschenkt wird, gehört nicht in diese Kategorie. Zuviel Angst. Als sie seine Warnungen nicht versteht, muss Baxter die Oma aus dem Weg schaffen. Das junge Pärchen von gegenüber nimmt sich jetzt seiner an. Zuerst gefällt es Baxter bei ihnen sehr gut, doch dann bekommen sie Nachwuchs. Als er versucht, das Baby zu ertränken ist seine Zeit auch hier vorbei. Da kommt der seltsame, fanatische Nachbarsjunge Charles gerade recht. Seine strenge Hand ist genau das, was Baxter jetzt braucht… oder doch nicht?

Mein lieber Willie Wuff…
Dass die Franzosen den Bizarro an der Hutkrempe tragen, war mir klar, als ich den ersten Chabrol mit 14 Jahren gesehen habe. Was Regisseur und Co-Autor Jérôme Boivin hier aber auf den Zuschauer loslässt geht weit über die Grenzen gewöhnlicher Tier-Schockerei hinaus.
Der Film geht unter die Haut. Untermalt von sehr stimmungsvoller Musik zeigt uns Boivin den Menschen und seine sub-urbane Umwelt aus den kalten, fiesen Augen eines soziopathischen Scheusals.

Die zwei haben sich
gesucht und gefunden
So urteilt der Hund über das Neugeborene seiner ’Zwischenstop’-Familie:
“So etwas Schwächliches und Dummes habe ich mein Leben noch nicht gesehen. … Ich hab gedacht, sie schämen sich dafür, dass sie’s mir zeigen!“
Vor allem die deutsche Synchronstimme des Hundes (ich kann gar nicht glauben, dass ich das schreibe, aber im Ernst...) kommt dabei so intensiv abgeklärt wie schaurig herüber. Man könnte Angst vor den eigenen Haustieren bekommen. Richtig verrückt wird es, als Baxter in die Hände des wahnsinnigen Nachbarsjungen gerät. Hinter der Fassade kindlicher Unschuld versteckt sich ein Hitler-Fanatiker, der von Eva Braun und dem Ende der Welt träumt. Hier zeigt sich wieder, dass der Mensch immer die grausamere Bestie ist.
Die Darstellungen sind hervorragend. Vor allem Francois Driancourt, der den jungen Charles spielt, ist furchterregend glaubhaft.
Für zarte Gemüter ist ’Baxter’ sicher nichts, auch wenn sich der Horror nicht etwa in blutrünstigen Bildern abspielt, sondern nur im Kopf. Dort wird es allerdings gewaltig rumoren. Ihr seid gewarnt!

Fazit: ’Baxter’ ist weniger als Tier-Horror, denn als psychologisches Abbild anfälliger Mensch-Tier-Beziehungen zu verstehen und punktet durch originelle Thematik und beklemmende Atmosphäre. Absolut kein Film zum Wohlfühlen!

Hudson