Die Barbaren - FilmFlausen.de
                          




Die Barbaren



Originaltitel: The Barbarians (1987)
Regie: Ruggero Deodato Drehbuch: James R. Silke
Darsteller: David & Peter Paul, Richard Lynch, Michael Berryman FSK: 12


“Das Zeitalter der Dämonen und dunkler Magie! Als Mann, Frau und Kind noch durch das Schwert beherrscht wurden!“

Die Ragnik, ein fahrendes Volk von Schaustellern und Narren, haben in dieser barbarischen Welt das Recht des 'Freien Geleits, welches jedoch keine 5 Minuten im Film von den hiesigen Bösewichtern um Oberschurke Kadar (Richard Lynch) auf brutale Art und Weise in Frage gestellt wird. Nicht schlecht, denn hier wird mal ein fahrendes Dorf attackiert/abgefackelt, was dem gängigen Klischee einen interessanten Touch gibt und auf freche Art und Weise das Finale von ’Mad Max 2’ reflektiert.

Bad (Hair) Dude
Als es Kadars Mannen schließlich gelingt, die Ragnik zu überwältigen, fallen den Schurken die beiden (vom Wandervolk adoptieren) Zwillinge Gore und Kutchek an und beißen ihm zwei Finger ab. Um sie zu schützen, bietet sich Ragnik-Queen Canary, ihm als Sklavin an. Dieser akzeptiert das Angebot und steckt sie (mitsamt allen anderen gutaussehenden Frauen des Stammes) in seinen Harem. Die beiden widerspenstigen Zwillinge bekommen (separat) die 'Conan'-Spezialbehandlung, will sagen: Ab ins Arbeitslager und dicke Blöcke stemmen, nach Feierabend gibt’s dann den Drill zur Killermaschine.

"Und sie wuchsen, bis sie Männer waren. Aber keine gewöhnlichen Männer, sondern BARBAREN!"

Ganz recht, ein paar Jahre später sind Kutchek und Gore (David & Peter Paul, die Reihenfolge ist egal!) zu gigantischen Steroid-Quadern aufgequollen, komplett mit Lendenschurz und Fellgamaschen. Kadars Hofzauberin empfiehlt, die beiden zu vernichten, da ihr der Mann im Mond (oder die Stimme im Ohr, oder eine ähnliche Erscheinung) geflüstert hat, dass die zwei eine gewaltige Bedrohung sind. Also lässt Kadar die beiden Hirsche in der Arena gegeneinander antreten, wo sie (nachdem sie sich gegenseitig die Helme zerkloppt haben) erkennen, dass sie Brüder sind (“Wie kommt es, dass du mein Gesicht hast!?“). Es folgt die eine Flucht in die Wälder, wo die Ragnik nun leben, die erst sehr skeptisch sind und die beiden vorsichtshalber aufhängen. Kein Problem: Gore und Kutchek haben nämlich solch gewaltige Stiernacken, dass ein wenig Plustern (und ’Grunzen’, dazu später mehr) genügt, um die Stricke zu sprengen. Erst jetzt (latürnich!) erkennen die Ragnik an Tattoos, dass die beiden Klötze tatsächlich die verlorenen Söhne sind und schicken sie gleich zurück in Kadars Festung, um auch Königin Canary zu befreien. Doch diese hat eine wichtigere Aufgabe für die beiden (jaja): Sie müssen den sagenhaften ’Bauchnabel-Rubin’ finden, der den Ragniks die Zukunft sichert…

Prust!

Shiny happy people!
Dass diese Quest die beiden Muskel-Bratzen über und durch die obligatorischen Barbaren-Film Klischees führt, versteht sich von selbst.
Den Beginn macht eine urige Kaschemme, mit dem Namen ’Blutiger Eimer’, in der man Informationen aller Art findet und wo George ’Man Eater’ Eastman die beiden zum Armdrücken herausfordert (was freilich in einer deftigen Kneipenschlägerei endet). Weiter geht's durch ein finsteres Höhlen-Set, in welchem Monster-Arme und ein Werwolf ’Geweihte Waffen’ bewachen, die Gore und Kutchek (klingt irgendwie nach einer Tschechischen-Blaskapelle oder?) für ihr Unterfangen benötigen. Dann in den waberigen Sumpf (genannt ’Lehm-Wüste im verbotenen Land’, trotzdem nur ein Set/Fußmarsch weiter), wo ein riesiger Lindwurm über den besagten ’Bauchnabel-Rubin’ wacht (kein Witz: In wessen Bauchnabel er passt, soll Königin sein!).
Kommen wir gleich zum Dreh und Angelpunkt dieser knallbunten, verschwitzten und herrlich blöden Italo/US-Koproduktion unter der Regie von Ruggero “Ich hab mal ’Nackt und Zerfleischt’ gedreht!“ Deodato: Die Gebrüder Paul (aka ’The Barbarian Brothers’).
Eine Diskussion ob ihrer darstellerischen Begabungen wäre an diesem Punkt etwa so angebracht, wie die Suche nach einem ’Flutschfinger’ in der Hölle. Nicht dass sich Barbaren oder ihre Darsteller je durch intellektuelle oder verbale Fähigkeiten auszeichneten, aber was die zwei Protein-Stullen hier auf den Bildschirm zaubern, ist nur schwer zu glauben.

Das sind TIERE!
Die beiden haben NULL Schauspiel-Talent und, ja, genau das zeichnet sie aus und macht sie so verdammt knuddelig. Ihr Auftritt hier ist eine Mischung aus ’Dumm und Dümmer’ und einer unfertigen Oberarm-Probe bei Madame Tussauds. Sie stieren, sie tumben (Gibt’s das Wort? Nein? Jetzt schon!), sie posen, sie kloppen und sie grunzen. Nein wirklich: Sie grunzen. Kein kurzes Schnaufen, keine Geste der Wut, sondern Grunzen. Einfach so, aus dem Nichts. Die einen verziehen das Gesicht, andere kratzen sich am Kopf, die Paul-Brüder grunzen. Trotzdem hat ihr ’Zusammenspiel’ etwas, das selbst den hinterletzten Knochenkopp verdutzt aufhorchen lassen, und ihn gebannt vor der Röhre halten müsste. Hin und wieder kann man aus ihren Grunz-Mäulern sogar etwas dialog-ähnliches vernehmen:

“Na!“
“Was heißt ’Na’?“
“Na wo ist er nun, der Rubin?“
“Was weiß ich. Canary hat gesagt der Rubin wäre hier.“
“Wo?“
“Na gleich hier!“
“Hier?“
“JA GENAU HIER!“
“Hier ist aber kein Rubin mehr!“
“Ich weiß dass hier kein Rubin ist, was kann ich denn dafür?!“
“Der Rubin ist weg!“
“Mal im Ernst, Bruder. Was soll ich jetzt machen?!“
“Ja, was sollen wir jetzt machen.“
“Na, weiß ich doch nicht!“
“Weißt du nicht? Was soll das heißen, dass weißt du nicht?!“
“Ich weiß es nicht!“
“Ich sollte dich lieber töten! Ja, ich sollte dich töten!“
“Ich sollte DICH töten, du stinkende Kröte!“
“Was glaubst du, wie du aussiehst, du Warzenschwein!“
“Wie nennst du mich!?“

Der penetrante Schweißfilm (oder ist es Öl?) auf ihren voluminösen Leibern hat nebenbei sicherlich 50% der Beleuchtungskosten eingespart.

Das letzte Einhorn
Die Nebenrollen sind ebenso verquert besetzt. Da ist Fies-Fresse Richard Lynch ('Trancers 2') der als schmächtiger (50% Haare!) Tyrann mehr Wellen macht, als er Wasser hat. Zudem ein Haufen halbnackter Model-Schnitten als Glotz-Beilage und (immer gern gesehen) Michael Berryman, der seine unvergleichliche Rübe auch schon durch Horror-Thriller (’Hügel der blutigen Augen’), Fantasy-Trash ('Wizards of the Demon Sword') und wahre Filmklassiker (’Einer flog übers Kuckucksnest’) spazieren trug. Hier hat man ihm eine ungleich größere Rolle verpasst, die er mit zappelig-grinsendem Over-Acting mehr schlecht als recht abarbeitet. Aber machen wir uns nix vor, Michael Berryman wird nicht etwa wegen seiner Schauspiel-Kunst, sondern wegen des Show-Effekts gecastet und der Film, der durch seine Anwesenheit versaut wird muss erst noch gemacht werden. (So, clap twice, if you love Berryman!)
Die teils stimmigen, aber immer billigen Sets (zu denen die Protagonisten im Laufe des Filmes scheinbar andauernd wieder zurückkehren) passen herrlich zum quietschigen Setting. Herrlich dusselige Szenen finden immer wieder ihren Weg in den Film. So wird in einer (völlig aus dem Zusammenhang gerissenen) Sequenz Kadar auf einer riesigen, trampolin-ähnlichen Bahre (mindestens 5x5 m!) von seinen Untertanen durch einen Sturm getragen. Und natürlich die unzähligen Male bei denen sich die Brüder um einen Gegenstand streiten, oder eben grunzen.

War 'ne clevere Idee, im abgebrannten
Flügel von Euro-Disney zu drehen.

Für eine Italienische Barbaren-Produktion ist ’Die Barbaren’ ein verdammt spaßiger Film, gar einer der besten, die dieses Land in diesem Genre je ausgeworfen hat. Mit Qualität hat das natürlich weniger zu tun, als mit unbedarfter Unterhaltung. Diese bekommt man aber ganz dicke an die Backen gegrunzt. Nur das etwas schwache letzte Drittel untersagt mir die Verleihung eines Flausen-Dummy’s. Vielleicht richtet das ja eine Fortsetzung oder ein Remake mit den Klitschko-Brüdern? Grunz!

Hudson