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Barbarian


‘The Last Great Warrior King.’


Originaltitel: Barbarian (2003) FSK: ungeprüft (Rated R)
Regie: Henry Crum Drehbuch: Henry Crum & Chris Sivertson
Darsteller: Michael O'Hearn, Martin Kove, Irina Grigoryeva


ACHTUNG! ACHTUNG!
Soeben ist der neueste Barbaren-Schinken aus Roger Cormans ’New Concorde’-Schmiede bei uns eingetroffen. Sein Name ’Barbarian’, seine Berufung: Das offizielle Remake des Vaters allen Barbaren-Trashs zu sein: Dem ’Todesjäger’!
Ladies & Gentlemen; hold your breath!

Der neue Todesjäger!!!

Wenn man im neuen Millenium schon einen Low Budget Fantasy-Streifen macht, dann bedient man sich wenigstens einiger narrativer Eckpunkte des Referenz-Werkes eben jenes Genres, dem noch sehr jungen und trotzdem unvergleichlichen ’Herr der Ringe’.
So ist zu Beginn auch gleich die Rede vom ’Dark Lord’, der die ’Total Domination’ anstrebt. Gemeint ist natürlich kein wirklich mächtiges Wesen des Bösen a la ’Sauron’, sondern nur olle Lord Munkar (’Todesjäger’-Fans erinnern sich!), der diesmal allerdings nicht von dem Pummel-Skinhead Bernard Erhard, sondern von Martin ’Stahljustiz’ Kove verkörpert wird. Mir soll’s recht sein.

“Na, Puppe! Kommt gut wa?“
Dem Prolog liegt ein kurzes Handgemenge bei, das als epische Schlacht herhalten muss, dabei allerdings weniger an den ’Battle on the slopes of Mount Doom’, als an den ’Catfight on the hedge of Hill Down’ erinnert. Aber wir wollen nicht meckern.
Als nächstes sehen wir unseren Helden durch die Credits schwitzen, in einer astreinen Trainings-Montage, die uns zeigt, dass der ’Barbarian’ drei nicht wirklich vorteilhafte merkmale besitzt (die uns hoffentlich nicht den Film versauen)
1.) er ist offensichtlich ein gelernter Bodybuiler und kein Schauspieler
2.) er träft eine Frisur, die möglicherweise in einem Londoner Schwulen-Club zu bestaunen wäre, jedoch niemals in einem Barbarenfilm
und 3.) He does Kung Fu! Kein Barbar macht Kung Fu, Himmelsakranichtnochmal!

Das erste Zweifeln wird jedoch gleich wieder neutralisiert, als die berühmte (naja zumindest in FilmFlausen-Kreisen) Szene eins aus dem ’Todesjäger’ zitiert wird. Unser Held rettet eine junge Dame aus den Klauen finsterer Gesellen. Das wäre halb so wild, wenn sich da nicht an deren Seite ein… Ding befinden würde, das nach erstem Erblicken einen explosionsartigen Lachschwall aus meiner Liunge presste. Barbarenfreunde und -freundinnen, without further ado, let me introduce you to:

WULFAX

Dieses kleine Knuddelwesen heißt eigentlich ’Wooby’, was mir aber scheißegal ist, da es so sehr nach einem Lovechild von ’Gulfax’ und einem ’Wolf’ aussieht, dass ich einfach nicht anders kann. Wulfax quasselt wie ein Critter, bietet sich dem Barbarian (und irgendwann muss es mal raus: Er heißt Kane und nicht etwa ’Deathstalker’… such a shame!) aus Dankbarkeit als Diener an, was dieser akzeptiert, während er sich lüstern die ’Damsel out of Distress’ schnappt, um sich auch an ihrer ’Dankbarkeit’ zu erfreuen.
Kurz darauf erscheint ihm eine olle Hexe im Traum und ruft ihn zu sich. In ihrer magischen Kugel zeigt sie ihm nicht nur die besten Szenen aus dem Ur-’Todesjäger’, sondern erläutert ihm (und uns) mit monotoner Stimme auch gleich, was es zu tun gibt: Irgendein Schwert aus einer Höhle holen und danach einen König besuchen.

Lord Orc!
Aufgewacht, aufgewacht, ein neuer Morgen lacht. Der One-Night-Stand wird im Wald stehen gelassen, dafür schnappt sich Kane den Wulfax und reitet mit ihm in das nun folgende Abenteuer.
Ein paar Kloppereien mit Schergen des Bösen später ist das Schwert in der Höhle bald gefunden. Doch Gefahr droht von Seiten des ’Dark Prince’, einem Ork in Wikinger-Kluft, der den beiden Freunden dort auflauert. Nachdem er Wulfax böse mit dem Messerchen gekitzelt (die Sau!) und auch dem Barbarian ordentlich zugesetzt hat, fischt dieser das magische Schwert aus einem Pool und schlägt den Widerling damit in die Flucht (“It burns. It burns. But it wont protect you for long, Kane. I’ll be back!”)
Task Nr. 1 ist erledigt, also geht es weiter zum König, der ihm den Aufrtag erteilt, seine Tochter Prinzessin Gretchen aus den Klauen Munkars zu retten. Kane zur Seite wird Sigrid gestellt, der beste Kämpfer an des Königs Hof (nun, ähnlich wie im Original ist dies auch eher ein Bauernhof, als ein wirkliches Schloss mit Zofen und Kronleuchtern und dem ganzen Klimbin). Dieser Typ ist nicht nur groß und stark, sondern hat auch gleich ein durchdachtes Vorhaben ins Auge gefasst: Nach Ende des Turniers (das Munkar gerade veranstaltet, um herauszufinden, wer der Stärkste im ganzen Land ist) sollen er und Kane sich in die Gemächer der Prinzessin schleichen und sie retten.

Wie niedlich:
Wulfax und sein Maultier
“Guter Plan!“ antwortet der Barbarian. Und er muss es wissen. Warum auch nur die Lady retten, wenn man zwischendurch noch dutzende Muscle-Beach-Tölpel verkloppen kann.
Derweil in Munkars Castle:
Prinzessin Peach liegt nörgelnd auf der Streckbank und der finstere Herr selbst versteht die Welt nicht mehr: “Ich kenne keine Jungfrau, die es nicht genießt, in Ketten zu liegen!“
Dann lässt er eben ab von der Braut und wendet sich dem Geschäft zu. Will sagen: Er stellt sich zwischen seine händereibenden Henchmen und beginnt, Zauber-Gedichte zu rezitieren:
“A smell of blood is in the air
Barbarian-Blood beyond compare.”
Nee, da schalten wir lieber zurück zu Kane, der nach dem Motto ’keepin’ it real and going back to the roots’ schon wieder zwischen den Schenkeln einer anderen Wandersfrau liegt, dann aber schließlich doch die Kurve kriegt und beim Tournier auftaucht. Eine epische Aneinanderreihung von Arena-Fights endet mit dem Aufeinandertreffen von Kane und Munkar…

…hey, hey, aber bevor es soweit ist, will euch noch ein alter Bekannter begrüßen:

Der Hamlet unter den barbarischen Kreaturen:
DAS SCHWEINEMASKENMONSTER!!!

Nanu! Wie kommt der denn hier her? Fragen sich Kenner des Originals.
Na ganz einfach: Produzent und Trash-Majestro Roger Corman hat einfach das gemacht, was er bereits so oft zuvor gemacht hat: Nimm was du schon hast und pack es da rein, wo du es wieder brauchst. Und genau so läuft der Hase auch bei ’Barbarian’.
Man könnte Corman beinahe unterstellen, er habe den Begriff ’Remake’ neu definiert.
Unzählige Szenen wurden einfach aus dem ’Todesjäger’ von 1983 genommen und einkopiert. Das sorgt nicht nur bildtechnisch für Verwirrung, sondern belustigt auch Fans des Originals ungemein.

Schau mal einer an, wie schnell aus einer Ziegelsteinwand eine Fensterfront wird und aus Martin Koves Haarpracht eine weiße Glatze.

Die bekommen in den ersten beiden Dritteln auch alles, was das Herz begehrt:
brennende Hütten, Munkars irre Sprüche (“No woman is allowed to say ’no’ to you!”) und eine welke Wiese vor einem alten Luftschutzbunker als ’Arena’, auf welcher ein barbarischer Sport-Reporter den Kampf kommentiert: “Folgen sie mir nun, wenn sie es wagen, zu den unteren Gruben, wo Botobars Hammer die Klinge von Kendridge herausfordert!”
Höhepunkt der Sillyness ist natürlich ’Wulfax’, das singende, klingende Ewok-Gemisch, welches wohl ein jugendliches Publikum bedienen soll, für welches dieser Film mit seinem R-Rating gar nicht geeignet ist. Dessen Unterhaltungs-Kabbeleien mit dem Protagonisten (“Zwei Dinge! Halt’s... Maul! “) können aber auch ältere Semester belustigen.

“Na, Puppe! Kommt gut wa?“
Da der Film in der Ukraine gedreht wurde, standen (mit Ausnahme von Michael O’Hearn und Martin Kove) ausschließlich einheimische Darsteller vor der Kamera, was weder negativ noch positiv auffällt. Die beiden Platzhirsche schlagen sich innerhalb der Grenzen ihrer Möglichkeiten recht wacker. Die Bodybuilder-Herkunft von O’Hearn ist unleugbar, eine ausreichende Portion dümmlicher Charme wurde ihm vom Herrgott dennoch auf den Weg gegeben (sein Frauenverschleiß in ’Barbarian’ ist schon über Bond-Niveau). Martin Kove ist auf seine alten Tage zu einem wahren Zähne-Fletscher und Augen-Verdreher geworden. Over-Acting gemischt mit Frisur-Verbrechen und einem leichten Huch Verzweiflung.
Leider ist das letzte Drittel ein kompletter Let-Down. Nichts passiert wirklich, die Luft ist raus und neue wird nicht reingepumpt. Da hift’s auch nix, dass Munkar sich in einen Zombie-Warrior verwandelt und der vergiftete Barbarian durch wackelnde Keller-Kulissen torkelt.
Das hat womöglich auch etwas damit zu tun, dass Corman und seine Producer-Kollegas die ersten beiden (!) Regisseure nach den Dreharbeiten feuerten und Henry Crum erst Monate später zum Nachschnitt und Re-Write des Scripts berufen wurde und nocheinmal 45 Seiten desselben innerhalb von sieben Tagen in Szene setzte.

“Ich hab dir genug Gift gegeben, um ein Pferd zu töten.”
“Das war aber immer noch nicht genug.“

Yeah, keep 'em coming!

Als eine in der Ukraine gedrehte Videoproduktion im Fahrwasser der ’Herr der Ringe’-Filme kommt ’Barbarian’ nicht wirklich gut weg. Für Barbaren-Film-Freunde (und vor allem Fans des ’Todesjägers’) dürfte das Teil allerdings ein Grund zur Freude sein. Zwei herzhaft trashige Drittel und ein dümpelnd lahmes… das klingt doch gar nich sooo schlecht, wenn man sich die ’Konkurrenz’ in diesem Genre anschaut, nich wahr?


Hudson