Barbarella - FilmFlausen.de
                          




Barbarella


“The space age adventuress whose sex-ploits are among the most bizarre ever seen.”


Originaltitel: Barbarella (1968) Regie: Roger Vadim
Drehbuch: Claude Brulé und acht weitere Joker
Darsteller: Jane Fonda, John Phillip Law, Anita Pallenberg FSK: 16


Schwerelosigkeit, eine klobige Gestalt in einem Raumanzug schwebt ins Bild, beginnt sich zu entkleiden und entpuppt sich als sexy Blondine, während uns ein 60er Jahre Easy Listening Soundtrack in die Ohren flötet. Was für eine Art einen Film zu beginnen!

Vöööllig losgelöst...
Barbarella (Jane 'Cat Ballou' Fonda) heisst die junge Dame, die in ihrem Raumschiff (nur echt mit brauner Plüschausstattung, bis hin zu den Wänden) durch das Weltallt düst. Kurze Zeit später wird sie von ihrem Auftraggeber wie James Bond persönlich ausgerüstet (u.a mit einem Gerhirnwellendetektor) und auf eine Mission geschickt, bei der es um nichts geringeres geht, als das Schicksal der Menschheit (einer Menschheit, deren Begrüßungs-Credo ’Sieg der Liebe’ ist)! Sie landet auf dem Planet der Killerpuppen, auf dem ein stark behaarter Urmensch ihr Sex anbietet. Weitere Abenteuer warten auf einem Stern, wo in Stein gefasste Humanoide Orchideen essen, der blinde Pygar (John Philip Law, 'Gefahr: Diabolik') mit Engelsflügeln und einer Windel herumfliegt und Babsi irgendwann nackt im Heu landet. Später fliegt sie auf Pygars Rücken und kämpft gegen angreifende Raumflieger der schwarzen Garde, welche der bösen Königin unterstehen, die es zu besiegen gilt.

Boah … erstmal verschnaufen.

...vooon der Erde!
Die abgefahrenen Sets und Settings wollen ebenso wenig ein Ende finden, wie die bescheuerten Situationen, in die Barbarella andauernd gerät. Obwohl das duchweg unterhaltsam ist, kann dem einen oder anderen die Absurdität dieser 68er Trash-Klamotte bestimmt irgendwann auf die Klötzer gehen. Ich selbst hätte nie gedacht, dass ich so etwas einmal behaupten würde, aber der Film ist leider nicht trashig genug, um die ganzen Beklopptheiten auf seiner kunterbunten Kuhaut zu halten. Vielleicht muss ich ihm einfach eine 2. Chance geben, aber es hat einfach nicht ’Klick’ gemacht, wie bei unzähligen Genrevertretern zuvor. Natürlich gibt es hier genug Potential für einen waschechten abgedrehten Kultspass (ein Label, das der Film ja auch bei seinen Fans trägt). Da wäre zum Beispiel das verrückte Musikinstrument, in dem Barbarella zu eindeutigen Zwecken eingesperrt wird, und das dem Begriff ’Orgeln’ eine ganz neue Bedeutung gibt. Oder die Attacke von hundert Killer-Wellensittichen, wie auch die kitschig designten Sets und die groovige Sixties Mucke. Allerdings ist hier zuviel Quietsch und Kitsch präsent und die oftmals beinahe unerträgliche ’Over the Top’ Optik versaut selbst mir (einem Fan von ’Flesh Gordon 2’, der aber auch passend obertrashig war) diesen denkbaren Spaß. Die Nebenrollen, wie z. B. Dr. Ping (Star Pantomime Marcel Marceau) sind ebenso aufdringlich wie die chauvinistische Naivität von Jane Fondas Rolle, die sich (offensichtlich männliche) Produzenten und Autoren (acht an der Zahl) in manch feuchten Träumen ausgemalt haben mochten.
„Einen Moment, ich zieh mir nur kurz was an!“ sagt Barbarella zu Beginn des Films.
„Nein wozu denn…“ erwidert daraufhin ihr Arbeitgeber. Ein Wortwechsel, der den Ton des restlichen Films bestimmen soll.

Sex, Drugs & die Folgen

’Barbarella’ ist ein greller, schriller filmischer Zuckerschock mit Plüsch-Anleihen, der uns die Ideale der sagenumwobenen 68er Generation vorgaukeln will, aber eigentlich nur ein psychedelischer Schaumgummi-Trip in den Traum eines berauschten Swingers ist.

Hudson